Weihnachtsgedicht über einen einsamen Heiligabend - "Einsiedlers Heiliger Abend" von Joachim Ringelnatz

Weihnachten ist ein Fest der Freude. Im Kreis der Familie ist es besonders schön, sich im Advent auf das bevorstehende Christfest vorzubereiten und dann den Heiligabend gemeinsam zu verbringen. Doch nicht allen Menschen wird dieses Glück beschieden.

Es gibt viele, die Weihnachten alleiWeihnachten Gedichtene verbringen müssen, nicht auf Weihnachtsgeschenke und Zusammensein in froher Runde hoffen dürfen. Für sie heißt es nicht "Frohe Weihnachten". Das Weihnachtsgedicht "Einsiedlers Heiliger Abend" von Joachim Ringelnatz beschreibt in berührender Weise, wie ein einsamer Mensch den Heiligabend verbringt. Ohne Pathos und Tümelei und sogar ein bisschen humorig.

 

Einsiedlers Heiliger Abend

Ich hab' in den Weihnachtstagen -
ich weiß auch, warum -
mir selbst einen Christbaum geschlagen,
der ist ganz verkrüppelt und krumm.

Ich bohrte ein Loch in die Diele
und steckte ihn da hinein
und stellte rings um ihn viele
Flaschen Burgunderwein.

Und zierte, um Baumschmuck und Lichter
zu sparen, ihn abends noch spät
mit Löffeln, Gabeln und Trichter
und anderem blanken Gerät.

Ich kochte zur heiligen Stunde
mir Erbsensuppe mit Speck
und gab meinem fröhlichen Hunde
Gulasch und litt seinen Dreck.

Und sang aus burgundernder Kehle
das Pfannenflickerlied.
Und pries mit bewundernder Seele
alles das, was ich mied.

Es glimmte petroleumbetrunken
später der Lampendocht.
Ich saß in Gedanken vesunken.
Da hat's an der Türe gepocht,

und pochte wieder und wieder.
Es konnte das Christkind sein.
Und klang's nicht wie Weihnachstlieder?
ich aber rief nicht: "Herein"!

Ich zog mich aus und ging leise
zu Bett, ohne Angst, ohne Spott.
Und dankte auf krumme Weise
Lallend dem lieben Gott.

Joachim Ringelnatz

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Berühmtes Weihnachtsgedicht "Von drauß' vom Walde komm' ich her..."

Wer kennt es nicht, das Weihnachtsgedicht von Theodor Storm mit dem Titel "Knecht Ruprecht". Es gibt wunderbar die weihnachtliche Stimmung wieder, die sich in den Herzen der Menschen ausbreitet, wenn sie an den Heiligabend denken."Von drauß' vom Walde komm' ich her..." beginnen die Verse, die eine Gelegenheit bieten, inne zu halten und sich von weihnachtlicher Vorfreude umfangen zu lassen.

Knecht Ruprecht

Von drauß' vom Walde komm' ich her;
Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
Sah ich goldene Lichtlein sitzen;
Und droben aus dem Himmelstor
Sah mit großen Augen das Christkind hervor,
Und wie ich so strolcht' durch den finstern Tann,
Da rief's mich mit heller Stimme an:
"Knecht Ruprecht", rief es, "alter Gesell,
Hebe die Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
Das Himmelstor ist aufgetan,
Alt' und Junge sollen nun
Von der Jagd des Lebens ruhn;
Und morgen flieg' ich hinab zur Erden,
Denn es soll wieder Weihnachten werden!"
Ich sprach: "O lieber Herre Christ,
Meine Reise fast zu Ende ist;
Ich soll nur noch in diese Stadt,
Wo's eitel gute Kinder hat." -
"Hast denn das Säcklein auch bei dir?"
Ich sprach: "Das Säcklein, das ist hier;
Denn Äpfel, Nuß und Mandelkern
Essen fromme Kinder gern." -
"Hast denn die Rute auch bei dir?"
Ich sprach: "Die Rute, die ist hier;
Doch für die Kinder nur, die schlechten,
Die trifft sie auf den Teil, den rechten."
Christkindlein sprach: "So ist es recht;
So geh mit Gott, mein treuer Knecht!"
Von drauß vom Walde komm' ich her;
Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun sprecht, wie ich's hierinnen find'!
Sind's gute Kind, sind's böse Kind?

Theodor Storm

Frohe Weihnachten mit Weihnachtstraum und Weihnachtsbaum

WeihnachtsbaumWeniger bekannt als Storms Weihnachtsgedicht über "Knecht Ruprecht" sind die Verse von Heinrich Hoffmann von Fallersleben unter dem Titel "Der Traum", in dem der Wunsch eines Kindes verankert ist, an Heiligabend einen schönen und hohen Weihnachtsbaum zu haben.

Den Weihnachtsbaum schön zu schmücken hat auch heute noch Tradition. Der Christbaum gehört genauso zu Weihnachten wie die Geschenke, die schön verpackt auf dem Gabentisch liegen.

 

 

 

Der Traum

Ich lag und schlief; da träumte mir
ein wunderschöner Traum:
Es stand auf unserm Tisch vor mir
ein hoher Weihnachtsbaum.

Und bunte Lichter ohne Zahl,
die brannten ringsumher;
die Zweige waren allzumal
von goldnen Äpfeln schwer.

Und Zuckerpuppen hingen dran;
das war mal eine Pracht!
Da gab's, was ich nur wünschen kann
und was mir Freude macht.

Und als ich nach dem Baume sah
und ganz verwundert stand,
nach einem Apfel griff ich da,
und alles, alles schwand.

Da wacht' ich auf aus meinem Traum,
und dunkel war's um mich.
Du lieber, schöner Weihnachtsbaum,
sag an, wo find' ich dich?

Da war es just, als rief er mir:
"Du darfst nur artig sein;
dann steh' ich wiederum vor dir;
jetzt aber schlaf nur ein!

Und wenn du folgst und artig bist,
dann ist erfüllt dein Traum,
dann bringet dir der heil'ge Christ
den schönsten Weihnachtsbaum.

Heinrich Hoffmann von Fallersleben 

 

Das "Weihnachtsbäumelein" von Christian Morgenstern ist ein humoriges Weihnachtsgedicht mit Tiefgang. Es erzählt das Schicksal des Tännleins, das einmal im Garten stand und dann zum Christfest abgeholzt wurde, um als prächtiger Weihnachtsbaum zu dienen.

 

Das Weihnachtsbäumlein

Es war einmal ein Tännelein
mit braunen Kuchenherzlein
und Glitzergold und Äpflein fein
und vielen bunten Kerzlein:
Das war am Weihnachtsfest so grün
als fing es eben an zu blühn.

Doch nach nicht gar zu langer Zeit,
da stands im Garten unten,
und seine ganze Herrlichkeit
war, ach, dahingeschwunden.
die grünen Nadeln warn'n verdorrt,
die Herzlein und die Kerzlein fort.

Bis eines Tags der Gärtner kam,
den fror zu Haus im Dunkeln,
und es in seinen Ofen nahm -
Hei! Tats da sprühn und funkeln!
Und flammte jubelnd himmelwärts
in hundert Flämmlein an Gottes Herz.

Christian Morgenstern

Krimifreundin, am 06.11.2011
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Bildquelle:
Heimo Cörlin (Frohes Fest: Texte für Weihnachtskarten)

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