Warum lesen können für eine Sozialisierung wichtig ist

Nach Zählungen der UNO haben von den 3 000 Sprachen, die heute in der Welt gesprochen werden, garrze 78 eine Literatur. Von diesen erfreuen sich klägliche fünf oder sechs einer internationalen Resonanz. Die Lese-und Schreibkundigen bilden in der Weltbevölkerung nur eine Minderheit. Aber Lese und Schreibkenntnisse befiihigen Menschen ihre Meinung so auszudrücken, wie es schriftlosen Völkern nie möglich sein wird. Viele haben heute die Möglichkeit in jene andere Welt, die Einbahnstraße des Lesen- und Schreibenkönnens, hinüberzuwechseln. Nicht lesen zu können, hat in der Regel nichts mit mangelnder Intelligenz zu tun; das Gegenteil ist eher der Fall. Es gehört schon etwas dazu den Pädagogen durch die Maschen zu schlüpfen. Oft fehlen einfach die weiteneicheden überlegungen, um die Wichtigkeit des Leses im Alltag zu erfassen.

Welche Sprache wird in Deutschland zu Hause gesprochen

Wie das Statistische Bundesamtes (DESTATIS) anlässlich des Internationalen Tages der Muttersprache am 21. Februar 2023 mitteilt, sprechen 80 Prozent der rund 82,3 Millionen großen Bevölkerung zu Hause ausschließlich deutsch.

Demnach sind weitere 15 Prozent sogenannten Mehrsprachlerinnen und Mehrsprachler, die zu Hause neben Deutsch noch mindestens eine weitere Sprache nutzten.

Während für knapp ein Drittel von ihnen Deutsch die vorwiegend gesprochene Sprache im Haushalt ist, verständigten sich gut zwei Drittel hauptsächlich mit Hilfe einer anderen Sprache.

Die restlichen 5 Prozent sprechen im Haushalt kein Deutsch, sondern ausschließlich eine oder mehrere andere Sprachen.

Bodycams im Krankenhaus – ein Symptom unserer Sprachkrise

Was Sprachwissenschaftler seit Jahren beschreiben, zeigt sich inzwischen in einem Bereich, der eigentlich von Vertrauen, Fürsorge und Kooperation geprägt sein sollte: dem Gesundheitswesen. Wenn Worte ihre verbindende Kraft verlieren und Menschen nicht mehr in der Lage sind, Konflikte sprachlich zu lösen, geraten selbst Orte der Hilfe unter Druck. Die gesunkene Hemmschwelle zur Gewalt ist dabei kein abstraktes Phänomen, sondern Alltag in vielen Arztpraxen und Notaufnahmen.

Eine Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) für die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) bestätigte im vergangenen Sommer, 2025, diesen Negativtrend: 66 Prozent der Kliniken berichten von steigenden Übergriffen, und 95 Prozent verzeichnen Gewaltvorfälle in der Notaufnahme. Diese Zahlen zeigen, wie sehr die Belastung im Gesundheitswesen zugenommen hat und wie häufig Sprache als Mittel der Deeskalation versagt.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, warnt eindringlich: "Wer medizinisches Personal angreift, zerstört das Vertrauensverhältnis, auf dem jede Behandlung beruht und gefährdet damit die Funktionsfähigkeit des gesamten Gesundheitswesens. Diese Eskalationen sind Ausdruck einer tieferliegenden Krise: Wo Sprache nicht mehr als Werkzeug der Verständigung genutzt wird, wächst die Bereitschaft, Konflikte körperlich auszutragen."

Wie ernst die Lage ist, zeigt das Klinikum Dortmund, das ab Mitte Januar testweise Bodycams einsetzen will. Die Kameras sollen ausschließlich in eskalierenden Situationen aktiviert werden und vor allem deeskalierend wirken, ähnlich wie bei Polizei und Ordnungsämtern. Dass ein Krankenhaus zu solchen Mitteln greift, ist ein deutliches Zeichen dafür, wie sehr die Kommunikationsfähigkeit in unserer Gesellschaft unter Druck geraten ist.

Die Bodycam ist damit weniger eine technische Lösung als ein Symptom: Sie markiert den Punkt, an dem Sprache als verbindendes Medium versagt. Wo Menschen einander nicht mehr zuhören, wo Worte nicht mehr reichen, um Frust, Angst oder Überforderung auszudrücken, entsteht ein Vakuum, das Gewalt füllt. Genau hier zeigt sich die eigentliche Sprachkrise – nicht im Fehlen von Vokabeln, sondern im Verlust der Fähigkeit, Konflikte durch Worte zu entschärfen.

Kinder sind die besten Lehrer der Welt

Wer nicht lesen kann und will, der ist in unserer modernen Welt auf eine besondere Weise einsam. Auf Grund dieser Lage sind die Versuche der Lehrer mit Hilfe von Computern und deren Software ihre Schüler aus den Klauen des Analphabetismus zu befreien, vielfach nur mit mäßigem Erfolg gekrönt. Die Schüler sehen Sinn und Zweck des. Ganzen nicht ein, zumal einige Lehrer nicht berücksichtigen, dass die Anfänge der mündlichen Überlieferung weit vor der Zeit der ersten Schrift liegen und ihre Wurzeln im Spaß und Spiel haben.

Außerdem: Kinder sind die besten Lehrer der Welt. Ohne ein Wort sprechen zu können, bringen sie ihre Eltern dazu, ihre elementaren Wünsche möglichst rasch zu befriedigen. Deshalb wäre es logisch, zu erforschen, wie sie lesen Lermen wollen. Negativbeispiele von Amerika sollten uns als Warnung dienen. Dort ersetzt der Fernsehapparat bei vielen Kindern (besonders von Einwanderern) das Erlernen der neuen Sprache und somit fehlt die Grundlage des Lesens.

Ist der Fernseher ein guter Lehrer?

Die Sprachwissenschaftlerin Breyne Arlene Moskowitz erklärt: Als alleiniges Medium zum Erlernen von Sprache ist ein Fernsehapparat ungeeignet, denn wenn er auch Fragen stellen kann, so kann er doch die Fragen des Kindes nicht beantworten."

Frühmorgens angestellt, plappert der Apparat in. Manchen Haushalten ohne Unterlass bis spät in die Nacht hinein; denn Schweigen bedeutet für, die. Massenmedien Einnahmeverluste. 

Viele Eltern wissen nicht:" Das Fernsehen verhindert den Kontakt mit sich selbst.,,Sprechen lernt man durch Sprechen."

Das Fernsehern schafft ein Klima, das dem Geschichtenerzählen den Garaus macht. Wenn die Spezialisten recht behalten, wird es einem Kind, das mit einer irrealen Welt aufwächst, später einmal schwerfallen, sich eine Welt vorzustellen in der man ohne Gewalt Überleben kann.

Wer nie gelernt hat sich verbal auszudrücken um von Menschen verstanden zu werden, wird in extremen Situationen auf Gewalt zurückgreifen. Die Erfahrungen hat man sich ja schon bei der Schulung von Legionären zunutze gemacht.

Menschen wollen Geschichten und ihre Geschichte hören

Vordem war Geschichten erzählen das Herzblut des Volkes. Zu allen Zeiten bettelten Kinder: "Erzähl mir was von früher" und erfuhren somit etwas von ihren Vorfahren. Wer weiß woher er kommt, was seine Aufgabe im Leben ist, wie er sich nach Sitte und Moral zu verhalten hat und er an irgendeine Art von Religion glaubt, hat die besten Grundvoraussetzungen ein erfolgreiches Leben zu führen. Wenn ein Kind von Erwachsenen etwas erzählt oder vorgelesen bekommt, wird es neugierig auf das Leben und das selber Erlesen und Erfahren.,

"Lesen lernen, fängt beim, Leben lernen' an. Beim Geschichten erzählen muss man aufmerksam zuhören, weil Worte schnell davonfliegen... Der Vorgang des Lesenlernens ist jedenfalls komplexer als man denkt und nicht durch "Klapse auf den Hinterkopf". zu beschleunigen.

Die Denkfähigkeit ist die Voraussetzung für jedes Lemen. Viele Jugendliche denen nicht die Ruhe gewährt wurde, eine Lösung selber zu finden, sind sofort frustriert, wenn ihnen etwas nicht gelingt, so als ob sie dann dringend einer Reparatur bedürften.

Die Tatsachen des menschlichen Lebens sehen anders aus. Die vielfältigen Fähigkeiten der Einzelnen machen den Spaß am Leben aus. Unsere persönliche Leistung kann nie alle Kritiker zufriedenstellen. Lesen und schreiben sind zwar unnatürliche Fähigkeiten, aber man kann mit ihnen die Klippen des Lebens besser umschiffen ...Und ...Es gibt noch gute Lehrer.

Wer ist Barry Sanders?

Barry Sanders wurde am 27. Oktober 1938 in den USA geboren und ist ein Soziolinguist. Er war bis 2005 Professor für englische Literatur und Ideengeschichte am Pitzer College in Claremont (Kalifornien) und ist Autor des Buches: Der Verlust der Sprachkultur: [die Pistole ist das Schreibgerät der Analphabeten].

 

Laden ...
Fehler!