Warum lesen können für eine Sozialisierung wichtig ist

Nach Zählungen der LINO haben von den 3 000 Sprachen, die heute in der Welt gesprochen werden, Sarrze 78 eine Literatur. Von diesen erfreuen sich klägliche fünf oder sechs einer internationalen Resonanz. Die Lese-und Schreibkundigen bilden in der Weltbevölkerung nur eine Minderheit. Aber Lese und Schreibkenntnisse befiihigen Menschen ihre Meinung so auszudrücken, wie es schriftlosen Völkern nie möglich sein wird. Viele haben heute die Möglichkeit in jene andere Welt, die Einbahnstraße des Lesen- und Schreibenkönnens, hinüberzuwechseln. Nicht lesen zu können, hat in der Regel nichts mit mangelnder Intelligenz zu tun; das Gegenteil ist eher der Fall. Es gehört schon etwas dazu den Pädagogen durch die Maschen zu schlüpfen. Oft fehlen einfach die weiteneicheden überlegungen, um die Wichtigkeit des Leses im Alltag zu erfassen.

Kinder sind die besten Lehrer der Welt

Wer nicht lesen kann und will, der ist in unserer modernen Welt auf eine besondere Weise einsam. Auf Gnrnd dieser Lage sind die Versuche der Lehrer mit Hilfe von Computern und deren Software ihre Schüler aus den Klauen des Analphabetismus zu befreien, vielfach nur mit mäßigem Erfolg gekrönt. Die Schüler sehen Sinn und Zweck des .Ganzen nicht ein, zumal einige Lehrer nicht berücksichtigen, daß die Anfiinge der mündlichen Überlieferung weit vor der Zeit der ersten Schrift liegen und ihre Wurzeln im Spaß und Spiel haben.

Außerdem:: Kinder sind die besten Lehrer der Welt. Ohne ein Wort sprechen zu können, bringen sie ihre Eltem dazu, ihre elementaren Wünsche möglichst rasch zu befriedigen. Deshalb wäre es logisch, zu erforschen, wie sie lesen lemen wollen. Negativbeispiele von Amerika sollten uns als Warnung dienen. Dort ersetzt der Fernsehapparat bei vielen Kindern (besonders von Einwanderern) das Erlemen der neuen Sprache und somit fehlt die Gnrndlage des Lesens.

Ist der Fernseher ein guter Lehrer?

Die Sprachwissenschaftlerin Breyne Arlene Moskowitz erklärt::,,Als alleiniges Medium zum Erlernen von Sprache ist einFernsehapparat ungeeignet, denn wenn er auch Fragen stellen kann, so kann er doch die Fragen des Kindes nicht beantworten."

Frühmorgens angestellt, plappert der Apparat in.manchen Haushalten ohne Unterlaß bis spät in die Nacht hinein; denn Schweigen bedeut.i für, die. Massenmedien Einnahmeverluste. 

Viele Eltern wissen nicht::" Das Femsehen verhindert den Kontakt mit sich selbst.,,Sprechen lemt man durch Sprechen." Das Femsehen schafft ein Klima, das dem Geschichtenerzifülen den Garaus macht. Wenn die Spezialisten recht behalten, wird es einem Kind, das mit einer irrealen Welt aufivächst, später einmal schwer fallen, sich eine Welt vorzustellen in der man ohne Gewalt Überleben kann. Wer nie gelemt hat sich verbal auszudrücken und von Menschen verstanden zu werden wird in extremen Situationen auf Gewalt zurückgreifen. Die Erfahrungen hat man sich ja schon bei der Schulung von LegionärenzuNutze gemacht.

Menschen wollen Geschichten und ihre Geschichte hören

Vordem war Geschichten erzählen das Herzblut des Volkes. Zu allen Zeiten bettelten Kinder: "Erzähl mir was von früher" und erfuhren somit etwas von ihren Vorfahren. Wer weiß woher er kommt, was seine Aufgabe im Leben ist, wie er sich nach Sitte und Moral zu verhalten hat und er an irgend eine Art von Religion glaubt, hat die besten Grundvoraussetzungen ein erfolgreiches Leben zu führen. Wenn ein Kind von Erwachsenen etwas erzählt oder vorgelesen bekommt, wird es neugierig auf das Leben und das selber Erlesen und Erfahren.,

"Lesen lernen, fängt beim,Leben lernen' an.. Beim Geschichten erzählen muß man aufmerksam zuhören, weil Worte schnell davonfliegen.. Der Vorgang des Lesenlemens ist jedenfalls komplexer als man denkt und nicht durch "Klappse auf den Hinterkopf". zu beschleunigen.

Die Denkfiihigkeit ist die Voraussetzung für jedes Lemen. Viele Jugendliche denen nicht die Ruhe gewährt wurde, eine Lösung selber zu finden, sind sofort frustriert, wenn ihnen etwas nicht gelingt, so als ob sie dann dringend einer Reparatur bediirften.

Die Tatsachen des menschlichen Lebens sehen anders aus. Die vielftältigen Fähigkeiten der Einzelnen machen den Spaß am Leben aus. Unsere persönliche Leistung kann nie alle Kritiker zufriedenstellen. Lesen und Schreiben sind zwar unnatürliche Fäihigkeiten, aber man kann mit ihnen die Klippen des Lebens besser umschiffen ...Und ...Es gibt noch gute Lehrer.

Wer ist Barry Sanders?

Barry Sanders wurde am 27. Oktober 1938 in den USA geboren und ist ein Soziolinguist. Er war bis 2005 Professor für englische Literatur und Ideengeschichte am Pitzer College in Claremont (Kalifornien) und ist Autor des Buches: Der Verlust der Sprachkultur: [die Pistole ist das Schreibgerät der Analphabeten].

 

MonikaHermeling, vor 22 Tagen
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Bildquelle:
M. Steininger - Die Persönliche Note (Warum Märchen für Kinder so wichtig sind)

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