Das Pipi-Problem kurz und knackig zusammengefasst - Warum der Waldkindergarten Erdflöhe umziehen musste

Gegründet wurde der Waldkindergarten Erdflöhe im Jahr 2002. Träger ist ein Verein. Bis zu 22 Kinder aus dem gesamten Umfeld von Obernburg, Elsenfeld, Erlenbach, Klingenberg bis nach Miltenberg werden dort in freier Natur nach pädagogischen Gesichtspunkten von einem Erzieherinnen-Team betreut. Im Herbst 2011 trat das Landratsamt auf den Plan und monierte das Pipi-Problem und das Verrichten von "größeren Geschäften" auf dem Gelände.  Seit 2008 lag es durch den Bau zwei neuer Tiefbrunnen im Wasserschutzgebiet. Hier sah die Behörde die Gefahr einer Verunreinigung des Trinkwassers und entschied: Der Waldkindergarten muss weg.  Zunächst wurden drei Standorte in die engere Wahl gezogen: in der Nähe von Mechenhard, im Stadtteil Trennfurt und in Nähe des heutigen Geländes.  Doch eine Entscheidung für eine der drei Alternativen scheiterte aus unterschiedlichen Gründen.  Just zum zehnjährigen Bestehen war der heutige Standort gefunden. Im Januar 2013 fand der Umzug statt, nachdem die Frist für das Räumen des alten Platzes auf den 31. Dezember 2012 gesetzt worden war. Nach und nach wurde die Ausstattung des neuen Platzes weiter geführt, bis am 23. Juni 2013 die offizielle Einweihung stattfand.

Geschichten...

BienenstichEs gab noch einen Nebenkriegsschauplatz beim Eröffnungsfest des Waldkindergartens, den die Autorin - freie Mitarbeiterin der Main-Echo-Redaktion - in einen "Ironimus" verpackt hat, die tägliche Randnotiz der Tageszeitung mit Verlagssitz in Aschaffenburg.

So schöne Geschichten kann nur das Leben selbst schreiben. Nebenstehend nachzulesen.

"Kräftige Farben und betörende Düfte locken Insekten auf  Blüten, um sie zu bestäuben. Zuweilen werden sie auch von leuchtender Kleidung und dem blumigen Geruch eines Duftwässerchens fehlgelenkt. So geschehen beim Einweihungsfest des Waldkindergartens in Röllfeld. Eine Biene setzte sich auf die Bluse der Main-Echo-Mitarbeiterin – unmittelbar auf die linke Brust.  Ein Trennfurter Holzmacher wollte das Insekt  mittels  Papiertaschentuch und beherztem Griff vom Stoff lösen. "An der Stelle würde ich das nicht tun", warnte ihn der ihm gegenüber sitzende Bürgermeister. Dank  einer Erzieherin wurde das Problem gelöst. Die Biene lebt, die Reporterin ist unbeschadet und der Holzmacher einer schmerzenden Backpfeife entgangen - freut sich  Ihr Ironimus"

Auch ältere Kinder sind begeistert vom Waldkindergarten. (Bild: Ruth Weitz)

Das Einweihungsfest auf dem neuen Platz des Waldkindergartens "Erdflöhe"

"Lalala, wenn einer sagt: ich mag dich, du, ich find dich ehrlich gut! – dann krieg ich eine Gänsehaut und auch ein bisschen Mut…", der Refrain eines pfiffigen Kindermutmachliedes war der Einstieg zu einem Open Air Gottesdienst, mit dem das Fest auf dem neuen Platz der Erdflöhe  gestartet wurde. Pfarrerin Marjaana Marttunen-Wagner hatte sich den Psalm 23 "Der Herr ist mein Hirte" ausgewählt und spann so den Mutmach-Faden  des Liedes weiter.  Die Kinder waren in den Gottesdienst einbezogen und beteiligten sich mit freudiger Frische. Einen Überblick über die Historie des Umzugs vom vormaligen Gelände im Wasserschutzgebiet oberhalb des Wasserhauses wegen des "Pipi-Problems"  gab Andre Wöber, Vorsitzender des Waldkindergartenvereins.

Das neue Gelände befindet sich im Wald zwischen dem Ortsausgang von Röllfeld und der Paradeismühle, fußläufig gut zu erreichen vom Wanderparkplatz aus. Welchen Weg die Kinder allmorgendlich zurücklegen und welche Möglichkeiten sie zum Toben und Spielen im Waldkindergarten haben, erklärte der Vereinsvorsitzende den interessierten Besuchern. Pipi wird zwar weiterhin im Wald gemacht, aber auf einer eigens dafür vorgesehenen Pipi-Wiese, vor der an zwei Bäumen Behälter mit Wasser und Seife angebracht sind, damit sich die Kinder nach dem Strullern die Hände waschen können. "Alles vom Gesundheitsamt begutachtet und abgesegnet", wie Wöber erklärte.

Die Einweihung des neuen Platzes wird gefeiert. (Bild: Ruth Weitz)

Viel Eigeninitiative und Unterstützung von Eltern, Erzieherinnen, Kommune, Spendern und Bürgern schafften die Voraussetzung, um einen geeigneten Platz zu finden und auszustatten. Einiges wurde vom alten Gelände übernommen, wie zum Beispiel der Sitzkreis. Aber es gibt auch viel Neues, das mit den Kindern gemeinsam gestaltet wurde. Ein Klettergarten, ein Schneckenkreis, von den Trennfurter Holzmachern gefertigte rustikale Sitzmöbel und eine Menge mehr. Wohl am meisten Spaß macht den Kindern das Runterrutschen auf dem Hosenboden vom Hügel herab, wie sich am Sonntag zeigte. Brandneu ist der Bauwagen "Waldi", der am Sonntag offiziell getauft wurde. Diesen Namen hatten sich die Kinder gewünscht. Finanziert worden war er über Spenden.

Bürgermeister Ralf Reichwein verzichtete auf eine lange Rede und richtete sein Wort an die Kinder: "Das ist für euch gemacht – wichtig ist, dass ihr euch hier wohlfühlt".  Das trifft offensichtlich zu. Die Kleinen fühlen sich pudelwohl und genießen das neue Gelände und die "Natur pur", wie ein Vater bestätigte. Und das "Pipi-Problem" ist mit dem Segen der Behörden gelöst.

 

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Krimifreundin, am 28.06.2013
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