Freiheit, Toleranz und Brüderlichkeit

 Die Wetzlarer Loge wurde begründet im Jahr 1767, und schon im Jahr 1775 erlangte sie ihre Unabhängigkeit. Dass sich hier, in der Domstadt an der Lahn, schon früh ein reges Freimaurer-Leben entwickelte, hing zuvorderst damit zusammen, dass hier das Reichskammergericht residierte. Viele der Mitglieder waren Kanzleiassessoren, Rechtswissenschaftler, Advokaten. Berühmte Namen waren darunter. An erster Stelle wohl Friedrich Karl Reichsfreiherr von und zum Stein. Er wurde – Praktikant am Reichskammergericht – im Jahr 1777 Mitglied der Loge, und wurde später, zusammen mit Karl August von Hardenberg, der große Reformator in Preußen. Daneben zählt die Ahnentafel der Wetzlarer Loge Namen wie Franz Friedrich von Ditfurth, die Brüder von Bostel oder den Kammergerichts-Procurator Johann Christoph von Brandt. Sie alle wirkten nicht allein nach innen, in das weithin verborgene Logen-Leben hinein, sondern genauso nach außen, in das soziale, gesellschaftliche. Ihre Leitlinien waren Freiheit, Toleranz und Brüderlichkeit. Bestes Beispiel boten in den 1920er Jahren der deutsche Außenminister Gustav Stresemann und der französische Ministerpräsident Aristide Briand. Mit "ihrem" Vertrag von Locarno beendeten sie faktisch den Ersten Weltkrieg. Beide verband die Freimaurerei.

 Zirkel, Winkelmaß und Dreieck als Symbol

 Die Wetzlarer Freimaurer-Loge also. Am Wetzlarer Goldfischteich steht ihr im Jugendstil errichtete, aus vulkanischem Tuffstein gebaute Haus. Entworfen worden war es von dem Architekten und Stadtbaumeister Krieger, der auch Mitglied der Loge war. An der Außenfassade lässt eine Vielzahl von freimaurerischen Symbolen – unter anderem Zirkel, Winkelmaß und Dreiecke – den Hausherren erkennen. Auch im Inneren setzen sich solche Symbole in Wandmalereien, Fresken und der Verglasung fort. Wie die Loge selbst hatte dieses Haus im 20. Jahrhundert ein wechselvolles Schicksal: 1934, nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, wurde die Freimaurerei verboten und die Villa zwangsweise verkauft. Erst 1947 gelang es, die Loge "Wilhelm zu den drei Steinen" wiederzubeleben. Und das gewohnte Logenhaus kam zurück in den Besitz der Logenbrüder.

 Klubabende und "Kerzengespräche"

Nunmehr, im 21. Jahrhundert, besteht die Loge weiter – allerdings nicht gerade im Rampenlicht des gesellschaftlichen Lebens der Reichsstadt Wetzlar. Die Logenbrüder treffen sich zu Klubabenden und "Kerzengesprächen", vertretungsberechtigt ist im Jahr 2015 der Arzt Dr. Walter Staaden. In regelmäßigen Abend gibt es allerdings auch Gästeabende, öffentlich für Interessenten. Dann wird über die Logen-Geschichte referiert – auch aktuelle Fragen erörtert; natürlich auch Eigenwerbung betrieben.

 

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