Die verpassten Gedenktage 2011

Zunächst möchte ich einen Nachruf auf all die vergessenen Gedenktage in 2011 anbringen, von denen mal wieder keiner redete! Warum war nichts zu lesen über "30 Jahre AIDS"? Am 5. Juni 1981 meldete die amerikanische Seuchenbehörde offiziell von dieser neuen Krankheit. Ach ja, da hatten wir in diesem Sommer um diese Zeit gerade den aktuellen EHEC-Virus-Skandal mit desaströsen Folgen für die spanische Gurken-Industrie. Da musste das ja untergehen. Nur der deutschstämmige Papst Benedikt gedachte wohl indirekt dieses "Jubiläums" durch die Lockerung des Präservativverbotes. Oder hing das eher mit den kirchlichen Kinderschändern zusammen?

Hörten wir aber etwas vom spanischen Jahrestag, als sich zum 1.300 Mal die Landung der Mauren auf Gibraltar jährte? 711 war es, als ein kriegerischer Westgotenkönig sie auch noch zur Hilfe rief! Gut, in Augen der Spanier gab es da nichts zu feiern, denn danach wurde fast ganz Spanien jahrhundertelang arabisch besetzt. Aber kein Wort davon, dass sie viel Kultur nach Europa brachten, man denke nur an die Alhambra oder an die ausgeklügelten Bewässerungssysteme.

Warum auch hat man den Putzfrauentag am 5. November nicht gefeiert, dafür aber vorher den Weltmännertag am 3. November? Der November ist überhaupt so gedenktagsträchtig: Schon mal was vom Welttoilettentag am 19. November gehört? Den hat sogar offiziell die UNESCO in ihre Agenda aufgenommen unter dem Motto: "Happy toilet, healthy life"- ungelogen, das ist nicht von mir erfunden, ich schwöre es!

Die wichtigen Jubiläen 2012 - eine Auswahl

Alter Fritz

Geloben wir also Besserung für 2012. Wobei wir über das erste Jubiläum am 1. Januar, nämlich "10 Jahre Euro" schon mal elegant hinweg geglitten sind. Auch die Feiern in Frankreich zu Ehren des 600. Geburtstages von Jeanne d'Arc haben schon statt gefunden. Sie wird ja jetzt wieder als Volksheldin gefeiert, weil es gegen die Engländer ging. Aber was gibt es nicht alles zu feiern beziehungsweise zu begehen in 2012:

  • Der 300. Geburtstag von Preußenkönig Friedrich dem Großen, ja der mit der Pünktlichkeit, Disziplin und dergleichen, schon am 24. Januar.
  • Des 10. Todestages der Hildegard Knef am 1. Februar wird passend durch einen Film mit der Makatsch gedacht und der Ausstrahlung ihres damals zum Skandal erklärten Filmes "Die Sünderin".
  • Am 7. Februar mal ein Original-Werk von Charles Dickens lesen: dann feiert man den 200. Geburtstag des englischen Schriftstellers der viktorianischen Zeit.
  • An Katastrophen-Gedenktagen ist das Jahr 2012 nicht gerade arm. Zum Beispiel mit dem 50. Jahrestag der Hamburg-Flut am 16. Februar. Im Museum für Hamburgische Geschichte gibt es dazu ab 24. Februar eine große Ausstellung unter anderem mit Simulationen an Großbildschirmen.

    Hamburg-Flut

  •  Oder am 11. März: Da jährt sich das Erdbeben, der Tsunami und in Folge der Reaktorunfall von Fukushima zum ersten Mal.
  • Doch am 19. März hat das krisengebeutelte Spanien einmal etwas zu feiern: das Jubiläum der 200 Jahre liberalen Verfassung von Cádiz 1812. Sie wurde zu einem Symbol für die Freiheit und Volkssouveränität Spaniens.

Oben: bei der Hamburg-Flut 1962

La PepaLinks: Die Urkunde der liberalen

Verfassung von Cádaiz 1812.


Katastrophen, Skandale und Geburtstage

 

  • Was wird uns wohl aber am 14./15. April zum 100. Jahrestag des Untergangs der Titanic erwarten?! Die geht doch irgendwo in irgendeinem Sender jedes Jahr unter!
  • Eine andere Schiffskatastrophe, die Explosion des Luftschiffes oder Zeppelins "Hindenburg" jährt sich zum 75. Male am 6. Mai. Katastrophen-Gedenktage häufen sich wohl besonders in 2012.
  • Ebenso wenn man an den Amoklauf vor zehn Jahren in einem Gymnasium am 26. April in Erfurt erinnern wird.
  • Kate ist zwar zur Zeit Englands Liebling, aber dennoch wird im August wieder Lady Diana mit ihrem 15. Todestag die Schlagzeilen der Yellow Press beherrschen.
  • Zur Abwechslung mal wieder ein nettes Jubiläum: Vor 40 Jahren wurden Anfang September die Olympischen Spiele in München eröffnet. München rüstet sich schon, entwirft neue Logos – aber hoppla, auch dort endete es mit einer Katastrophe nach der Entführung israelischer Sportler durch Palästinenser.
  • Einen 2.000er Geburtstag begehen Geschichtsbewusste am 31. August, wenn sie an den römischen Kaiser Caligula denken. Der Nachkomme Augustus' war jedoch vor allem bekannt für seine Grausamkeit.
  • Während die Medien uns sicher um den 12. September herum die Barschelaffäre mit dessen ominösen Badewannentod aufwärmen werden, weiß man nicht so genau, wie man das Datum des 30. September einordnen soll, als Edmund Stoiber vor fünf Jahren in Pension ging.
  • Che-Guevara-Anhänger dürften die eine oder andere Träne am 9. Oktober, dem 45. Todestag des zu früh verstorbenen Fidel-Castro-Kampfgenossen, verdrücken.
  • Mei und wie das passt: Die seit Urgedenken an Weihnachten wiederholten, unvermeidlichen Sissi-Filme haben vielleicht dieses Jahr wirklich mal ihre Berechtigung: Kaiserin Elisabeth von Österreich feiert am 24. Dezember ihren 175. Geburtstag, also nicht wirklich auf Erden, aber wo immer sie auch steckt.

Bildnachweis: Langenscheidt KG. Museum für Hamburgische Geschichte

Arlequina, am 11.01.2012
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Bildquelle:
Anza Trail NPS / Flickr.com (Der Stamm der Chumash-Indianer)

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