Die Blutegeltherapie in Europa

Es war Nikander von Kolophon, bei dem sich erste Hinweise auf den Einsatz von Blutegeln als Therapie finden. Er nutzte die Heilkraft der Tiere zur Behandlung bei Vergiftungen durch Bisse. Die Blutegelheilmethode setzte sich in den folgenden Jahrhunderten in ganz Europa durch. Sowohl im alten Griechenland als auch im Römischen Reich wurden Blutegel eingesetzt. Die Therapie galt zu dieser Zeit als eine der vielseitig eingesetzten und anerkannten Heilmethoden.

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P1260662 - darktable (Bild: nyffy / Flickr)

Blutegel auf einer Stufe mit Aderlass

Die Therapie mit den Blutegeln war bei vielen berühmten Ärzten beliebt. Zu diesen anerkannten Heilern zählten Galen (ca. 10), Paulus von Aegina (7. Jahrhundert), Arnald Villanova (1235 - 1310) und Leonardo Botalli (16. Jahrhundert). Relativ spät, etwa im 16. Jahrhundert, wurde die Blutegeltherapie auch in Deutschland bekannt. Damals verwendete man zum Stillen von Blutungn mit Öl getränkte Wolle, Leinwände, Galläpfel und sogar Spinnweben. Die Therapie mit Blutegeln stand denn auch auf einer Stufe mit Schröpfen und Aderlass.

Blutegel werden zur wichtigsten medizinischen Ware

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts nahm die Bedeutung der Therapie noch zu. Tatsächlich setzte man bis zu 100 Blutegel pro Krankheit ein. Zwischen 1825 und 1850 stieg die Einfuhr von Blutegeln nach Frankreich um das Dreifache auf 100 Millionen Blutegel im Jahr an. Aber nicht nur Frankreich war betroffen; auch im übrigen Europa und in den Vereinigten Staaten von Amerika wurden Blutegel zur wichtigsten medizinischen Ware.

Boom und vorläufiges Ende der Blutegel-Therapie

Der enorme Einsatz von Blutegeln, kombiniert mit der sich ausbreitenden Industrialisierung, die immer mehr Lebensräume der Blutegel zerstörte, sorgte dafür, dass die Tiere kurz vor ihrer Ausrottung standen. In Deutschland lebten ganze Bevölkerungsgruppen vom Blutegelfang. Hauptimportländer von Blutegeln waren Ägypten, die Türkei, Syrien und Russland.

Die Blutegeltherapie auf dem Rückzug

Etwa um die Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Blutegeltherapie rückläufig. Grund hierfür war das Aufkommen der Organpathologie, der Asepsis und der Bakteriologie. Die Therapie mit Blutegeln wurde aus der wissenschaftlichen Medizin verbannt und fristete nun ein Schattendasein als Naturheilkunde und Volksmedizin. Dies sollte bis um 1920 zu bleiben.

Blutegel bei Golferarm

Blutegel bei Golferarm (Bild: chätzle / Flickr)

Durch wissenschaftliche Veröffentlichungen kommt die Blutegeltherapie wieder in Mode

Vor allem in Frankreich führten Veröffentlichungen wissenschaftlicher Natur zu dem Thema zu einer Renaissance der Blutegeltherapie. Blutegel wurden wieder verstärkt zu Heilzwecken eingesetzt. 1935 erschien mit dem Werk "Blutegeltherapie" das Standardwerk für diese Heilkunde. Autor war Heinz Bottenberg, ein Frankfurter Arzt. Für ihn erreicht man mithilfe der Blutegeltherapie folgende Wirkungen:

  • gerinnungshemmend
  • antithrombotisch
  • immunisierend
  • schmerzstillend
  • entgiftend
  • krampflösend
  • entzündungshemmend
  • beruhigend.

Heute finden Blutegel bei venösen Stauungen von Trans- oder Replantaten und bei der Mikrochirurgie ihre Anwendung.

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