Rudeltier Hund...

Hunde sind, wie ihre Vorfahren, Rudeltiere, die nicht darauf ausgelegt sind, alleine zu sein. Das Rudel wird von einem dominanten Hund/ Wolf angeführt, welcher den rangniederen Mitgliedern die nötige Sicherheit gibt. Der Hund ist durch jahrelange Gewöhnung in der Lage, den Menschen als sein Ersatzrudel zu sehen. Es liegt in seiner Natur, sein Rudel immer um sich zu haben. Allein sein bedeutet für einen Hund, der es nicht gewöhnt ist, absoluten Stress. Für Ihn ist das Überleben gefährdet. Dies kann sich zu extremen Verhaltensweisen aufschaukeln, wird nicht von vornherein das Tier darauf trainiert, auch mal allein zu bleiben. Dennoch ist es ungemein wichtig, den Hund auch mal alleine lassen zu können, ohne dass dieser gleich ausrastet, die Einrichtung zerstört, oder vor Stress einen Kollaps bekommt. Denn kaum jemand wird in der Lage sein, seinen Hund 24 Stunden am Tag bei sich zu haben. Es liegt also an uns, den Rudelführern, dem Hund ein sicheres Umfeld zu geben, und die Gewissheit, dass Herrchen oder Frauchen immer wieder zurück kommen.

Wie lange kann man nun Hunde allein lassen?

Ganz grob kann man sagen, dass man einen Einzelhund nicht länger als 4 - 6 Stunden alleine lassen sollte, und das nur, wenn er es gewöhnt ist, d.h. wenn es ihm jemand beigebracht hat. Da die meisten von uns arbeiten, um Geld zu verdienen, kommt man hier schon in einen Konflikt, der unter Umständen nicht ganz leicht zu lösen ist. Zu den Lösungsmöglichkeiten später mehr!

Bei Welpen, die frisch in die Familie kommen, reden wir die erste Zeit jedoch nicht von Stunden, sondern höchstens von Minuten, die ständig erweitert werden. Das sollte bei der Anschaffung eines Welpen wohl bedacht sein. Der Prozess des Gewöhnens dauert einige Wochen bis Monate, und sollte schlichtweg nicht überstürzt werden. Sonst haben Sie später einen verkorksten Hund, der unter Umständen vom Experten therapiert werden muss.

Wie bringe ich dem Hund bei, alleine zu bleiben?

Wichtig ist es, dem Hund ein souveräner Rudelführer zu sein. Der Hund muss wissen, welchen Rang er in der Familie hat. Das gibt ihm Sicherheit. Welpen (sie sollten sich allerdings schon eingelebt haben) werden nach dem Spielen und fressen, wenn sie langsam müde werden, auf ihren Platz geschickt und nicht mehr weiter beachtet. Nun verlässt man für einige Minuten den Raum, schließt eventuell die Tür, kommt aber gleich wieder zurück, im Idealfall, bevor der Hund anfängt, zu suchen oder zu jaulen. Wird der Zeitpunkt verpasst, muss man einen Moment abwarten, in dem gerade Ruhe herrscht. Kommt man zu einem jaulenden Welpen zurück, bekommt er eine falsche Verknüpfung. Er lernt, wenn er jault, kommt jemand. Diese Situation sollte unbedingt vermieden werden, indem man einfach nur sehr kurz weg ist. Auch wenn man zurück ist, sollte man kein Aufheben machen, und den Hund einfach ignorieren. Es muss einfach normal sein, dass der Rudelführer mal kurz nicht da ist. Diese Zeiten werden nun kontinuierlich immer weiter vergrößert, dann wird komplett vor die Tür gegangen usw. Hat man nun die ersten zwei Stunden überstanden, kann man in viertel Stunden Schritten die Zeit ausdehnen. Dies sollte regelmäßig geübt werden.

Nach größeren Trennungen wird nun der Hund Sie natürlich freudig begrüßen wollen. Verläuft das alles im Vernünftigen Rahmen, ohne dass der Hund sich reinsteigert, ist es ok, ohne viel Aufheben den Hund zu begrüßen und auch zu loben. Sollte dies jedoch zu extrem werden, sollten Sie konsequent den Hund erstmal ignorieren, ein Leckerchen schnappen und zu seinem Lieblingsplatz gehen. Dort bekommt er dann sein Leckerchen. Mit der Zeit verknüpft er die Heimkehr mit dem positven Leckerchen, und wird auf seinem Platz warten.

Danach sollte man sich natürlich ausgiebig mit dem Tier beschäftigen. Er ist schließlich als Familienmitglied zu sehen.

Bei aller Theorie finde ich jedoch auch, dass jeder Hund und jede Situation eine andere ist, und was bei dem einen funktioniert, kann noch lange nicht auf andere übertragen werden. Darum sollte man zunächst auch mal auf sein Bauchgefühl hören, im Hinterkopf jedoch immer behalten, dass Sie  der Rudelführer und den Ton angeben. Bei vielen läuft die Gewöhnung ans Alleinsein ganz ohne Probleme.

Wer hat mehr Ausdauer?

 

Gerade bei älteren oder dominanten Hunden, die vielleicht schon schlechte Erfahrungen gemacht haben oder das Alleinsein nicht gewöhnt sind, kann man sich als Hundebesitzer die Zähne ausbeissen. Hier ist es wohl am besten, man holt sich professionelle Hilfe, bevor man verzweifelt, und seinen Hund womöglich ins Tierheim abgibt. Anlaufstellen sind z.B. Hundetrainer oder Tierpsychologen.

Jedoch gibt es tatsächlich Hunderassen, die das Alleinsein überhaupt nicht abhaben können. Dazu gehören z.B. einige der Begleithunde und Bichons (Schoßhündchen). Diese wurden dazu gezüchtet, dem Menschen zu gefallen, und diese zu begleiten. Wer nun weiß, er kann nicht den ganzen Tag zu Hause sein oder den Hund nicht die meiste Zeit mitnehmen, sollte sich lieber nach einer anderen Hunderasse umsehen. Einige Vertreter von besonders anhänglichen Exemplaren, möchte ich ihnen hier vorstellen:

Rassen, die schon immer als Wachhunde eingesetzt wurden, und während der Abwesenheit ihrer Rudelführer Haus und Hof bewachen, werden auch das Alleinsein besser ertragen, da Sie ja mit einer Aufgabe betraut sind. Dennoch sollten auch diese den vollen Familienanschluss erhalten, und nicht nach getaner Arbeit weggesperrt werden. Für den Hund ist es eine Strafe, vom Rudel ausgeschlossen zu sein. Er leidet ganz fürchterlich.

Lösungsvorschläge

Um sich trotz Berufstätigkeit den Traum vom Hund zu erfüllen, sollten Sie im Vorfeld einige Überlegungen anstellen:

  • Haben Sie ausreichend Urlaub und Zeit, um einen Welpen aufzunehmen, oder sollten Sie nicht lieber an einen älteren, erfahrenen Hund denken? Welpen brauchen anfangs extrem viel Zeit und Geduld. In drei Wochen Urlaub ist es fast unmöglich, einen Welpen in die Familie zu integrieren, diesen stubenrein zu bekommen und ihn dann 8 Stunden allein zu lassen. Dagegen warten viele erwachsene Hunde im Tierheim auf eine neue Familie. Die Betreuer vor Ort kennen ihre Pappenheimer meist recht gut, und können einschätzen, welcher Kandidat sich gut eignet. Der Vorteil bei Tieren aus dem Tierheim liegt zudem darin, dass man diese Tiere in Ruhe kennenlernen kann, der Nachteil könnte jedoch sein, dass man nicht genau weiß, was dem Tier schon alles widerfahren ist, und so ein "verlassenes" Tier eventuell eher Verlustängste entwickelt.

  • Ist Ihr Arbeitsplatz womöglich hundegeeignet? Frage Sie doch einfach Ihren Chef, ob die Möglichkeit besteht, den Hund mit zur Arbeit zu nehmen. Hunde lernen ganz schnell, dass sie sich ruhig zu verhalten haben, und liegen ergeben zu Füssen, wenn Herrchen oder Frauchen am Schreibtisch sitzen.
  • Sind zwei Hunde weniger einsam wie einer? Wahrscheinlich schon, allerdings kann es auch passieren, dass diese womöglich stundenlang im Duett die Nachbarschaft unterhalten.

  • Ist eventuell der Garten als Auslauf geeignet, anstelle den Hund in der Wohnung einzusperren? Womöglich ist es dem Hund viel lieber, sich frei im Garten mit einer Hundehütte oder in einem großen Zwinger, aufzuhalten, solange man nicht zu Hause ist. Ich bin nicht für reine Zwingerhaltung, aber viele Hunde sind viel lieber draussen, als die Zeit in der Wohnung zu verbringen. Vor allem bei großen Hunden, mag dies Sinn machen.

  • Haben Sie Hilfe aus der Verwandschaft oder Nachbarschaft? Manchmal lässt sich die Betreuung des Hundes während der eigenen Abwesenheit ganz leicht regeln. Es gibt jede Menge begeisterte Hundeliebhaber, die liebend gern den Hund stundenweise zu sich nehmen oder mit ihm Spazieren gehen. Rentner haben so eine kleine Aufgabe, die Sie fit hält, und auch Schüler verdienen sich gerne ein kleines Taschengeld. Lässt sich in unmittelbarer Nachbarschaft niemand auftreiben, gibt es die Möglichkeit, z.B. bei Betreut.de einen geegneten Hundesitter in der Nähe ausfindig zu machen.

  • Gibt es eine HuTa in der Nähe? Mittlerweile sind in manchen Städten Hundetagesstätten fast so normal, wie Kindertagesstätten. Anstatt seinen Hund mühevoll ans Alleinsein zu gewöhnen, bietet man ihm in einer HuTa Abwechslung, Sozialkontakte, Spaß und liebevolle Betreuung. Man darf sich eben nicht daran stören, dass der Hund regelmäßig ein zweites Zuhause hat. So eine Vollbetreuung ist unter Umständen nicht ganz billig, stellt jedoch bei einer gut geführten und durchdachten Pension und einem verträglichen Hund, eine super Alternative dar.
susivital, am 20.07.2012
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