Ist ein Steingarten langweilig?

Wenn das Wort Steingarten fällt, winken einige Naturfreunde ab, weil ihnen diese Form der Landschaftsgestaltung zu eintönig erscheint. Bei näherem Schauen stellt sich das Gegenteil heraus. Steingärten können in jeder Landschaft anspruchsvoll eingepasst werden. Ob in einem japanischen Zen-Garten oder in einer Voralpenlandschaft, kann der Betrachter zur Ruhe und Entspannung kommen.

Schön und gleichzeitig kostengünstig wird das Steingarten-Projekt, wenn ortstreue Pflanzen verwendet werden, die sich harmonisch in die bestehende Landschaft einfügten. In einer sandreichen Gegend bietet es sich an, die Flächen mit unterschiedlichem Sand auf zu füllen. Dieser kann zum Abschluss, sparsam mit Steinen oder Kieseln dekoriert, nach japanischen Vorbildern von Zen-Gärten, in Mustern, geharkt und mit Steinen dekoriert werden.

Im Alpenvorland und der Schwäbischen Alp, wo es Steine im Überfluss gibt, bieten sich Kies, Steine und Felsen zur Gestaltung des Steingartens an.

Die Flächen für einen Steingarten können unterschiedlich groß sein. Flache Schalen für den Schreibtisch, Tröge für Terrassen, Balkon oder Beete entlang von Treppen, Auffahrten, ebenso einer Mauerbegrünung oder dem Gestalten von weitem Gelände. Damit der Steingarten zu jeder Jahreszeit ansprechend aus sieht, wählen viele Steingartenliebhaber zusätzlich Kriechpflanzen oder kleine Gehölze aus.

Pflanzen die in einem Steingarten gut gedeihen

Damit der Steingarten zum Schluss wie geplant aussieht, werden die Pflanzen passend ausgewählt. Ihr Wuchs, die Farbe und ihre Ansprüche an Standort und Bodenbeschaffenheit bestimmen die Wahl wesentlich. Mit ihrem Aussehen kann, das Beet und die Landschaft, malerisch, gestaltet werden. Bunte Blütenpolster setzen Akzente, Bodendecker schützen vor dem Austrocknen des Bodens und Sträucher und Stauden beleben das Beet, durch ihren Wuchs und ihre Blüte, ganzjährig. Auf kalkhaltigem Gestein werden zum Beispiel kalkliebende Pflanzen gesetzt, auf silikathaltigem Untergrund Gewächse, die bodensaure Verhältnisse schätzen. Nicht alle Gewächse fühlen sich in einer steinreichen Umgebung wohl. Es sind die Vegetationen, denen der Gärtner gewöhnlich wenig Aufmerksamkeit schenken muss. Das sind Gräser, (in wärmeren Gegenden) Wolfsmilchgewächse, dann krautige Pflanzen. Bodendecker und kleine Sträucher, die den Steingarten durch ihre Farben oder durch ihre unterschiedliche Wuchshöhe beleben. Bewährt haben sich als:

Bunte Farbtupfer

Die Pflanzen blühen besonders üppig, wenn die Lage des Steingartens vorwiegend nach Süden oder Südwesten gerichtet ist

 

 

  • Alpen-Aster, Aster alpinus
  • Alpen-Gänsekresse; Hutchinsia alpina
  • Blaukissen; Aubrieta in Sorten
  • Blauschwingel; Festuca glauca
  • Edelweiß; Leontopodium alpinum
  • Enzian; Gentiana acaulis
  • Felsensteinkraut; Alyssum saxatile
  • Gänsekresse; Arabis alpina
  • Grasnelke; Armeria maritima
  • Hauswurz; Sempervivum in Sorten

 

  • Küchenschelle; Pulsatilla vulgaris
  • Kugelprimel; Primula denticulata
  • Mauerpfeffer; Sedum in Sorten
  • Polsterglockenblume; Campanula poscharskyana
  • Polsterphlox; Phlox subulata
  • Sonnenröschen; Helianthemum-Hybriden
  • Steinbrech; Saxifraga in Sorten
  • Steinsame; Lithodora
  • Traubenhyazinthe; Muscari (schwäbisch Bauernbüble)
  • Wildtulpe; Tulipa tarda
  • Zitronenthymian; Thymus citriodorus
  • Zwerg-Iris; Iris histrioides 'George

Knollen und Zwiebelpflanzen

 

    Tulpen
  • Narzissen
  • Krokusse
  • Blaustern
  • Herbstkrokus
  • Sommerblühende Narzissen

 

Zwerggehölze

  • Blauer Zwergwacholder; Juniperus squamata 'Blue Star'
  • Blauer Kriechwacholder; Juniperus horizontalis 'Blue Chip'
  • Zwerg-Balsamtanne; Abies balsamea 'Nana'
  • Zwerg-Latschenkiefer; Pinus mugo 'Pumilio'
  • Zwerg-Rhododendron; Rhododendron-repens-Hybriden
  •  Als Gräser empfehlen sich die unterschiedlich hohen Gräser aus den Familien der:
  • Seggen, Schwingel oder dam Federngras

Es bieten sich aus der Familie des Kalmusgras ;Acorus gramineus "Ogon" an

Gräser müssen nicht unbedingt grün sein. Sie erfreuen den Gärtner auch durch blaue oder gelbe und rötliche Farben. 

Gartengeräte zum Anlegen eines Steingartens

Es werden die Gartengeräte benötigt, die so gut wie jeder Gärtner besitzt.

 Eine Schubkarre

Spaten

Eine Schaufel

Eine Handschaufel

Eine Gießkanne

Wird gemauert, können auch Maurerkelle, Mörtel oder ein Betonmischer nötig werden.

Der Gartenrechen ist im Steingarten unentbehrlich

Gartenrechen (Bild: manfredrichter / Pixabay)

Zusätzlich werden benötigt:

  • Bauschutt
  • Kieselsteine oder Kies
  • Natursteine
  • Arbeitshandschuhe
  • Unkrautvlies
  • Blumenerde
  • Pflanzen
  • Zur Pflege eine Sprühflasche

 

Der erste Arbeitsschritt:Gartenplanung
Gartenplanung

Gartenplanung (Bild: MALCOLUMBUS / Pixabay)

Meist ist dieser der Schwerste, weil dabei Helfer eher hinderlich sind. Er besteht in der gedanklichen Planung und dem Herstellen einer Skizze. Einige Steingärten werden einer alpinen Landschaft nach empfunden, andere gleichen einem japanischen Vorbild oder einer gestalteten Wüstenlandschaft. Manche Gärten dieser Art werden auch aus einer Augenblicklaune heraus kreativ gestaltet. Manchmal werden Steinmauern oder kleinere Hügel in das Konzept mit ein bezogen. Der ideale Standort für einen Steingarten ist eine natürliche Böschung oder ein leicht abschüssiges Gelände, damit überschüssiges Wasser ablaufen kann. Wesentlich bei der Standortwahl ist der Einfluss der Witterung.

Um Staunässe in den Beeten, bei ebener Fläche, zu vermeiden, ist es zweckmäßig den gesamten Boden des zukünftigen Steingartens etwa 20 Zentimeter auszuschachten und, als Dränageschicht, Bauschutt regelmäßig aufzufüllen. Wenn die oberste Schicht Rasen oder Wiese ist, wird dieser in Soden abgetragen und sorgfältig an einer Stelle, zur späteren Wiederverwendung, gelegt. Damit eine spätere Sand oder Erdschicht nicht durchsickern kann, wird auf den Bauschutt ein Vlies oder der vorher entfernte und nun umgedrehte Rasensoden aufgebracht.

Der zweite Schritt: Terrassen anlegen

Terrassen anlegen (Bild: mathiasfaust / Pixabay)

Wer seinen Steingarten, bei umliegenden flachen Gelände, den Bedingungen der Alpen nachbilden will, muss Geröll oder Bauschutt, in unterschiedlicher Höhe, aufschütten. Damit das Erdreich bei einem starken Regenguss nicht weggespült wird, empfiehlt es sich den Boden in unterschiedlichen Terrassen an zu legen. Diese werden, mit einem Vlies bedeckt, um das Durchwachsen von Wildkräutern zu verhindern. Die Terrassen werden dann mit einer Schicht von mindestens zehn Zentimetern Gartenerde aufgefüllt

Die gesamte Konstruktion muss, damit sie wetterbeständig wird, befestigt werden. Eine Möglichkeit ist, die Kanten der Terrassen mit Natursteinen zu versehen. Wenn die Anlage bepflanzt ist, sorgen meist die Wurzeln der Gewächse für eine haltbare Struktur. Auch die Terrassenform an sich trägt zu einer Stabilisierung bei. Zusätzlich bindet sie noch Feuchtigkeit. Wenn Steine gesetzt werden, kann es nötig sein, vorher eine kleine Grube aus zu heben und den Stein darein zu legen, damit er nicht wegrollen kann. Manche größeren Findlinge benötigen eine Grube bis zu einem Drittel ihrer Größe oder/ und eine Befestigung mit Mörtel. Ist der Hang sehr abschüssig, kann es sinnvoll sein, ihn durch Auffanggitter zu stabilisieren. Das kann sich besonders im Herbst und Winter als sinnvoll herausstellen. Wichtig ist es, bei der Gestaltung immer mal wieder die Erde zwischen den Steinen mit Wasser ein zu schwemmen.

Wem das alles als zu auswendig erscheint, wird nach dem ersten Unwetter eines Besseren belehrt. Dann sieht jeder ein, dass sich die investierte Zeit bei der Installation der Anlage durchaus lohnt. Die Dekoration kann auch nach dem Pflanzen erfolgen.

Der dritte Schritt: Pflanzen auswählen

Der Steingarten hat nun seine Form. Damit er pflegeleicht wird, hat es sich bewährt ein Vlies zu verlegen, dass das Durchwachsen von Wildkräutern verhindert. Schön ist es auch, diese in das Gesamtprojekt mit ein zu beziehen. Dadurch ist meist, eine intensiviere Pflege nötig.

Erfahrene Gärtner nehmen sich Zeit, die vorgesehenen Pflanzen probeweise an zu ordnen und sie erst dann ein zu pflanzen, wenn ihnen die Gesamtkomposition gefällt. Bewährt hat sich die Pflanzfolge: erst die Sträucher, dann die Stauden und Ziergehölze und zum Schluss die Farbtupfer und Gräser.

Beachtet werden sollte dabei ob die Pflanzen miteinander harmonisieren, sie gleiche Anforderungen an den Standort und den Boden haben, und dass sie sich gegenseitig Platz lassen. Für Polster muss genügend Raum eingeplant werden, denn sie entfalten erst dann ihre ganze Pracht, wenn sie den Boden großflächig bedecken. Wer ein Vlies verwendet, schneidet es kreuzförmig dort ein, wo die Pflanze stehen soll. Das Loch im Vlies soll gerade so groß sein, dass der Wurzelballen der Pflanze knapp hindurch passt. Dann wird mit der Handschaufel, an dem Platz wo die Pflanze endgültig hinsoll, ein kleines Loch gegraben und die Pflanze, durch den Vlies hinein gestellt. Zweidrittel der Pflanze sollte im Pflanzloch verschwinden. Nun wird rund um die Pflanzen, auf dem Vlies, das Beet mit Gartenerde aufgefüllt. Zum Schluss werden alle Pflanzen reichlich gewässert, damit ihre Wurzeln sich mit dem Erdreich besser verbinden können.

Arbeitsschritt vier: Dekorieren

Steingartenpflanzen (Bild: Pezibear / Pixabay)

Einige Gärtner verzieren die Pflanzen mit Namensschildern. Andere bringen in die Beete Licht und Wärme mit weißen oder schwarzen Kieselsteinen. Diese haben sich besonders bei Treppenaufgängen und Beetbegrenzungen bewährt, weil weiße Kieselsteine am Abend und in der Nacht richtungsweisend sind.

Um Schnecken fernzuhalten, können um die Pflanzen Ringe aus spitzen Steinen ausgelegt werden. Das verleidet den Schnecken einen Besuch.

Wie wird ein Steingarten gepflegt?

Als Pflegemaßnahme benötigt ein Steingarten, meist nur bei der Blüte zusätzliches Wasser, weil die Pflanzen überwiegend, ursprünglich aus wasserarmen Gegenden stammen. Am schönsten wird die Blüte, wenn am Morgen sehr früh gegossen wird. Dann lernen die Pflanzen sich ihren Tagesbedarf an Flüssigkeit in Eigenregie einzuteilen. Ein Wässern am Abend bereitet Schnecken eine vorzügliche, glatte Fraßrampe.

Einen Dünger benötigen die Pflanzen nicht. Von Gartenliebhabern wurde die Erfahrung gemacht, dass, wenn diese Pflanzen doch gedüngt werden, sie unschön in die Höhe schießen.

Eine Stärkung der Pflanzen, zum Beispiel mit einem stark verdünnten Absud aus Neutralseife, regt die Blütenbildung an und verleidet Fraßfeinden den Geschmack an den grünen Stängeln und Blättern.

Regelmäßiges zupfen von Wildkräutern kann überflüssig werden, da diese sich oft schön in das Gesamtbild einfügen. Aber manchmal erleichtert ein lockern des Bodens, rund um die Pflanzen das Eindringen von Feuchtigkeit.

Alternativ: Einen Ministeingarten anlegen

Manchmal hätte ein Gärtner gerne einen Steingarten, ihm sind die vorher beschriebenen Schritte aber zu umfangreich oder er hat nicht die Zeit und den Platz zu einer Verwirklichung. In diesem Fall bietet sich, zum Beispiel auf dem Schreibtisch, ein kleiner Steingarten an. Für die Installation benötigt er, ebenso wie für die Pflege, nur wenig Zeit.

Sorgfältig werden flache Schalen ausgesucht, erwogen ob Erde, Pflanzgranulat oder Moorbeeterde verwendet werden soll. Dann wird die Art der Pflanzen den Gefäßen und den eigenen Vorlieben angepasst, damit der kleine Garten das Herz des Betrachtes erfreut ihn aber nicht bei der Arbeit ablenken oder behindert.

Fachliche Beratung: Wilfried Essers

MonikaHermeling, vor 25 Tagen
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Bildquelle:
Biogemüse vom Direktvermarkter, Monika H (Argumente für einen Biogarten)
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