Mehr Rüsselkäfer als Wirbeltiere

Die größte Käferfamilie sind die Rüsselkäfer (Curculionidae) mit ungefähr 60.000 Arten. Es gibt demnach mehr Rüsselkäferarten als Wirbeltiere. Ein bekannter Vertreter ist der Apfelblütenstecher (Anthonomus pomorum). Ebenso gefürchtet ist der Getreiderüssler (Sitophilus granarius). Die meisten Arten sind sehr klein und unscheinbar. Ihr namensgebender Rüssel am Kopf dient der Nahrungsaufnahme. Alle Vertreter sind pflanzenfressend, bis auf wenige Ausnahmen. Etwa 950 Arten leben in Deutschland. Die Familie der Rüsselkäfer umfasst vermutlich die meisten Arten im Tierreich weltweit. Dennoch dürften fas alle dieser Käfer, bis auf wenige bekannte Schädlinge, ein vom Menschen unbeachtetes Leben führen.

Spargelkäfer gehören zu den Blattkäfern

Spargelkäfer gehören zu den Blattkäfern (Bild: Heike Nedo)

Blattkäfer sind die zweitgrößte Käferfamilie

Die zweitgrößte Familie, die Blattkäfer (Chrysomelidae) umfasst ungefähr 50.000 meist kleine bis sehr kleine Arten. Sie alle ernähren sich überwiegend von Blättern, auf denen sie großen Schaden anrichten. Hierher gehören bekannte Schädlinge wie der Kartoffelkäfer, das Spargelhähnchen, das Lilienhähnchen und Erdflöhe. Die meisten Blattkäfer zeigen sich metallisch glänzend oder bunt. In Deutschland sind circa 470 Arten bekannt.

Bockkäfer sind oft besonders schön

Eine Familie mit besonders schönen Exemplaren ist die Familie der Bockkäfer (Cerambycidae) mit 26.000 Arten, davon 200 Arten in Mitteleuropa. Zu den Bockkäfern gehört der größte bekannte Käfer, der Riesenbockkäfer (Titanus giganteus) aus Brasilien, mit einer Länge von etwa 17 Zentimetern ohne Fühler. Bockkäfer sind oft bunt, auffällig gefärbt oder metallisch glänzend.
Da die Entwicklung der meisten Arten an bestimmte Holzvorkommen, oft Altholz gebunden ist, sind einige vom Aussterben bedroht. In Deutschland stehen alle Bockkäfer unter Schutz.

Auf den Blüten vom Schwarzen Holunder kann man manchmal den Moschusbock (Aromia moschata) beobachten.

Moschusbockkäfer (Bild: Wikipedia)

Bekannte Arten bei den Blatthornkäfern und Schrötern

Aus der Familie der Blatthornkäfer (Scarabaeidae) mit 20.500 Arten sind einige Arten sehr bekannt, wie die Maikäfer, Rosenkäfer, Pillendreher, Herkuleskäfer und Nashornkäfer. Weit bekannt ist der fünfte Streich von Max und Moritz, in dem die beiden bösen Buben ihrem Onkel Fritze Maikäfer ins Bett stecken. Der Streich endet vor allem für die Käfer böse. 


In Mitteleuropa sind circa 200 Arten von Blatthornkäfern verbreitet. Sie sind oft sehr kräftig gebaut, ihre Larven als Engerlinge bekannt. Ihre Lebensweise ist sehr verschieden, wobei sogar Formen von Brutpflege zu beobachten sind, z.B. bei den Pillendrehern.
Die Familie der Schröter (Lucanidae) ist mit weltweit 930 Arten eine kleine Käferfamilie. Sie soll hier genannt werden, da ihr bekanntester Vertreter der in Europa stark gefährdete Hirschkäfer Lucanus cervus ist. Obwohl sicher die wenigsten Leser den Hirschkäfer je in der freien Natur beobachtet haben, ist er doch vielen mit dem imposanten Geweih bekannt. Dem stark gefährdeten Hirschkäfer fehlen in unseren Wäldern alte, vermodernde Bäume, die sie zum überleben brauchen. 

Auch Laufkäfer sind oft gefährdet

Von den etwa 40.000 verschiedenen Laufkäfern (Carabidae) leben circa 750 Arten in Mitteleuropa. Einige Arten können recht groß werden, wie der in Mitteleuropa lebende Riesenlaufkäfer (Procerus gigas) mit 4 bis 6 Zentimeter Länge. Fast alle Laufkäfer sind nachtaktive und räuberische Tiere. Sie erbeuten andere Insekten, Gliederfüßer, Raupen und die großen Vertreter auch Schnecken und Regenwürmer. Tagsüber leben sie unter Steinen, im Rindenmulch oder am Boden unter Pflanzenresten. Viele Laufkäfer sind auf ganz spezielle Lebensräume angewiesen. Da diese ökologischen Nischen immer seltener werden, sind in Deutschland alle großen Laufkäfer gefährdet und somit unter Schutz gestellt.

grün glänzend - ein schöner Vertreter der Laufkäfer (Bild: Heike Nedo)

Marienkäfer, Ölkäfer, Holzwürmer, Glühwürmchen und Co

Weitere bekannte Käferfamilien sind Marienkäfer (Coccinellidae), die als Räuber der Blattläuse von jedem Gärtner gern gesehen sind. Gefürchtet sind Pochkäfer (Anobiidea), zu denen der Holzwurm gehört, der schon manches antike Möbelstück vernichtete.

Zur Familie der Ölkäfer (Meloidae) gehört die Spanische Fliege (Lytta vesicatoria), ein Käfer, der zu Pulver verarbeitet als Aphrodisiakum gehandelt wird. Das Gift der Ölkäfer, das Cantharidin, wurde früher als Heilmittel verwendet, ist aber schon in geringen Dosen für den Menschen giftig.

Rote oder schwarze Weichkäfer (Cantharidae) sitzen häufig auf Blüten in Gärten, auf Wiesen und in Wäldern. Leuchtkäfer sind uns als Glühwürmchen bekannt. Prachtkäfer (Buprestidae) leben überwiegend in den Tropen. Von den etwa 15.000 Arten leben nur 100 Arten in Mitteleuropa. Diese sind inzwischen sehr selten, da sie leider auch immer noch ein beliebtes Objekt für Käfersammlungen sind.

Käferliebe im April

Käferliebe im April (Bild: Heike Nedo)

Wanzen, Schaben und Ohrwürmer sind keine Käfer

Rein äußerlich genauso klein und oft unscheinbar wie viele Käfer sind Wanzen (Heteroptera), Schaben (Blattodea) und Ohrwürmer (Dermaptera). Sie gehören jedoch alle nicht zur Ordnung der Käfer. Schaben und Ohrwürmer bilden je eine eigene Ordnung im Reich der Insekten. Die Wanzen sind eine Unterordnung der Ordnung der Schnabelkerfe (Hemiptera). Das Bild zeigt eine Wanze, keinen Käfer. Auch die verbreitete Feuerwanze gehört nicht zu den Käfern.

Neue Käferarten werden täglich entdeckt

Wer nach der Wortgruppe "neue Käferart entdeckt" googelt, findet zahlreiche Suchergebnisse, darunter jederzeit aktuelle. Dabei werden neue Käferarten nicht nur in entlegenen Urwäldern gefunden. Selbst in Deutschland werden Forscher noch fündig. Angesichts der enormen Artenvielfalt der Käfer kann tatsächlich niemand genau sagen, wie viel Käferarten es wirklich gibt. Die meisten leben in den Tropen, ihre Zahl im gemäßigten Klima ist dennoch erstaunlich. Im Alltag der Menschen in Europa werden Käfer leider oft nur beachtet, wenn sie als Schädlinge lästig werden. Nur wenige der geschätzten 8.000 europäischen Arten sind allgemein bekannt. Früher spielten Käfer im Bewusstsein der Menschen eine größere Rolle. Die Ägypter verehrten den Scarabaeus als heiliges Symbol. Und zu allen Zeiten wurden manche Käfer bzw. ihre Larven gegessen. Auch heute gelten einige Larven in verschiedenen Ländern noch als Delikatesse. Als Heilmittel wurden Ölkäfer verwendet. Manchen europäische Arten, wie dem Hirschkäfer oder Nashornkäfer wurden Heilkräfte nachgesagt. Um sie ranken sich mythologische Sagen, Aberglauben und Bräuche. In der Kunst scheinen die Leuchtkäfer die am meisten umdichteten Käfer zu sein. Ein häufiges Motiv in Lyrik und Prosa ist der Maikäfer (siehe Max und Moriz bei Wilhelm Busch).

Weichkäfer auf Buchweizenblüte

Weichkäfer auf Buchweizenblüte (Bild: Heike Nedo)

Autor seit 6 Jahren
135 Seiten
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