Wer erfand die Kursächsischen Postmeilensäulen?

Die Errichtung der Kursächsischen Postmeilensäulen, oftmals auch einfach nur als Postsäulen bezeichnet, geht auf eine Idee des wohl bekanntesten sächsischen Herrschers zurück: Kurfürst Friedrich August I. (1670 –1733), der gleichzeitig als August II. König von Polen war. Der Nachwelt blieb er jedoch vor allem unter seinem Beinamen August der Starke in Erinnerung.

Im September 1721 befahl dieser Herrscher die Errichtung der ersten Postmeilensäulen im Dresdner Raum. Kurze Zeit später wurde das System auf ganz Kursachsen ausgedehnt. Mit der landesweiten Planung und Errichtung wurde der gebürtige Vogtländer Adam Friedrich Zürner beauftragt.

Die Säulen verzeichneten jeweils die Distanz zu verschiedenen Zielen an den wichtigsten Handels- und Verkehrswegen. Die Meilenangaben sind mit der heutigen Umrechnung von Meilen in Kilometer allerdings nicht mehr vergleichbar. Die damalige Meile basierte auf der Dauer einer Postkutschfahrt über zwei Wegstunden. Eine Kurfürstliche Meile entspricht somit der Entfernung von etwas mehr als neun Kilometern.

Die verschiedenen Arten der Postmeilensäulen

Je nach Funktion ließ Zürner, ein Pfarrer und engagierter Kartograph, die Säulen in verschiedenen Größen und Bauarten errichten.

 

Die vierseitige Distanzsäule war mit gut 4,50 Meter die höchste Postmeilensäule und in der Regel ringsum beschriftet. Sie bestand aus sieben Teilen: Auf den Unterbau aus Sockel, Postament und Postamentbekrönung folgten Schaft, Zwischenplatte, Wappenstück und Spitze. Distanzsäulen befanden sich in der Regel an den Toren oder an markanten Plätzen einer Stadt.

 

 

Die Ganzmeilensäule ähnelte in Form und Aufbau der Distanzsäule, war allerdings etwas schlanker und "nur" ungefähr 3,75 Meter hoch. Außerdem verfügte sie über kein Wappen. Wie der Name bereits sagt, markierte sie an den großen Handelswegen jeweils die Entfernung von einer Kursächsischen Meile. Eine Ganzmeilensäule war so beschriftet, dass sie von den beiden Verkehrsrichtungen aus gelesen werden konnte. Außerdem verfügte sie über eine Nummerierung, deren System auf den Nummern der Halbmeilensäulen und der Viertelmeilensteine aufbaute. Daher war die Nummer einer Ganzmeilensäule stets durch vier teilbar.

 

 

 

Die Halbmeilensäule nannte man auch Stundensäule, da sie den zurückgelegten Weg der Postkutsche während einer Stunde markierte. Diese rund drei Meter hohe Säule war ebenfalls vierseitig, nummeriert und glich in der Beschriftung der Ganzmeilensäule. Sie fiel jedoch durch einen sich nach unten verjüngenden Schaft auf. Diese Bauform machte sie allerdings auch anfällig gegen Zerstörung, weshalb Halbmeilensäulen heute einen gewissen Seltenheitswert haben.

 

 

Der Viertelmeilenstein schließlich war ein weniger als zwei Meter hoher Markierungsstein, welcher sich jeweils auf halber Strecke zwischen Distanz-, Ganzmeilen- und Halbmeilensäulen befand. Viertelmeilensteine trugen nur wenige Inschriften, welche sich hauptsächlich auf das Herstellungsjahr, die Nummerierung sowie das Monogramm AR (August Rex) beschränkten.

Säulendenkmäler heute: Echt oder Kopie?

Postmeilensäulen existieren allerdings auch außerhalb des derzeitigen Bundeslandes Sachsen, da sich das gleichnamige Kurfürstentum früher zusätzlich auf Gebiete erstreckte, welche heute zu Polen sowie zu den Bundesländern Brandenburg, Thüringen und Sachsen-Anhalt gehören. Dieses für damalige Verhältnisse sehr weiträumige Verbreitungsgebiet bewirkte, dass die schwergewichtigen Postsäulen aus Transportgründen in ihrer jeweiligen Region gefertigt wurden. So bestanden die barocken Wegweiser in der Region Rochlitz beispielsweise aus rotem Porphyr, während man im Elbsandsteingebirge natürlich das dort namensgebende Gestein, im Erzgebirge wiederum Granit und in Thüringen vorrangig Kalkstein verwendete.

Postmeilensäulen präsentieren sich heute zwar oftmals in vergleichsweise gutem Zustand, doch um absolut originale Zeitzeugen handelt es sich dabei selten. Kriege, mutwillige oder versehentliche Beschädigungen sowie Witterungseinflüsse machten aufwendige Sanierungsarbeiten oder gar komplette Nachbildungen erforderlich. Das historische Material dürfte daher oftmals höchstens in Teilstücken überlebt haben. Auch die Positionen der Säulen haben nicht selten durch moderne Städteplanungen und neue Verkehrsführungen gewechselt.

Autor seit 8 Jahren
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