IQ – was ist das eigentlich?

IQ ist die Abkürzung für Intelligenzquotient. Es ist ein Kennwert, der das intellektuelle Leistungsvermögen einzelner beschreibt. Die Skala reicht von 40 bis 159, wobei Menschen mit einem IQ ab 130 als hochbegabt gelten. Wer auf einen IQ zwischen 85 und 115 kommt, ist ganz normal intelligent wie etwa zwei Drittel der Menschen.

Der französische Psychologe Alfred Binet entwickelte 1905 den ersten Intelligenztest, der dazu dienen sollte, die Schulreife von Kindern zu prüfen. Erst Jahrzehnte später gab es auch IQ-Tests für Erwachsene.

Der IQ gilt als allgemeiner Maßstab für Intelligenz, auch wenn sich an ihm immer wieder Kritik entzündet. Denn diese Tests fragen nur bestimmte Fähigkeiten ab wie logisches Denken, räumliches Vorstellungsvermögen oder sprachliche Kenntnisse. Viele Fähigkeiten, die den Menschen ausmachen, wie soziale Intelligenz, Kreativität, Empathie spielen dort keine Rolle und sind in einem Multiple-Choice-Verfahren auch kaum abzufragen. Deswegen ist der IQ-Test bis heute das einzige Verfahren, um die intellektuellen Fähigkeiten eines Menschen überhaupt grob einzuordnen. 

Natürlich spielt es eine entscheidende Rolle, wie umfangreich solche Tests sind. Schließlich geht es bei IQ-Tests auch um die Konzentrationsfähigkeit, Verarbeitungsgeschwindigkeit, die Fähigkeit Aufgaben zu erfassen, zu speichern, miteinander zu vernetzen und aus vorangegangenen Aufgaben zu lernen. Insofern sind kurze Schnelltests, die es im Internet zuhauf gibt, nur bedingt aussagekräftig. Doch sie eignen sich durchaus, um die Machart der Fragen kennenzulernen, die dort gestellt werden.

1. Schnelltest für eine erste Einordnung: 123.test.de

Der Name der Domain ist Programm: 123.test.de bietet einen schnellen Überblick, um die Art der Fragen kennenzulernen, die bei einem IQ-Test vorkommen können. In dem kurzen Test werden zehn verschiedene Aufgabentypen anhand eines Beispiel vorgestellt: Synonyme auswählen, die Zahlenreihe logisch fortsetzen, Formenreihen logisch ergänzen, Schlussfolgerungen aus bestimmten Aussagen ziehen, räumliches Vorstellungsvermögen beweisen und Wortbedeutungen ausloten. 

Insgesamt sind für alle zehn Aufgaben zehn Minuten Zeit. Das ist reichlich. Sind alle Fragen beantwortet, wird allgemein nach Geschlecht, Alter, Herkunftsland und Bildung gefragt – man muss das alles aber nicht zwingend angeben.

Dann erhält man eine allgemeine Auswertung, die so oder ähnlich lauten kann:

Sie haben 8 der 10 Fragen richtig beantwortet. Dies weist auf einen IQ-Wert zwischen 105 und 120 hin. Dies entspricht einer höheren Berufsausbildung oder akademischer Bildung. Mit etwas Übung und Konzentration könnten Sie bei einem echten IQ-Test ein noch höheres Ergebnis erzielen. 

Oder:

Sie haben alle zehn Fragen richtig beantwortet. Dies weist auf einen IQ-Wert von 125 oder mehr hin. Dies entspricht akademischer Bildung. Sie brauchen sich generell keine Sorgen zu machen, dass Sie bei einem umfassenden IQ-Test schlecht abschneiden könnten.

Zum Schluss werden alle Fragen noch einmal gezeigt – mit den eigenen und den richtigen Antworten. Was gut dabei ist: Es wird erklärt, wie man auf die richtige Antwort kommen kann. Man bekommt also strategische Tipps, wie man sich an das ein oder andere Problem herandenken kann.

Fazit: Der kurze Test ist für einen ersten Schnupperdurchgang in Sachen IQ gut geeignet. Eine fundierte Aussage über den eigenen IQ lässt er allerdings nicht zu. Dazu ist er mit einer Frage pro Kategorie viel zu wenig umfangreich.

https://www.123test.de/iq-test/

2. Ein Marathon für die kleinen grauen Zellen: iqtest.sueddeutsche.de

Eine richtige Herausforderung ist der kostenlose IQ-Test der Süddeutschen Zeitung. Zeitlich beansprucht er etwa ein Stunde. Es sind 86 Fragen aus sechs Kategorien zu beantworten, darunter sprachliche, bildhafte und mathematisch-logische Aufgaben. Neben dem Umfang kommt noch eine zeitliche Komponente dazu: Für jede der sechs Kategorien, also für etwa 14 Fragen, hat man maximal fünf Minuten Zeit. 

Am Anfang muss man nur das eigene Alter angeben, dann geht es los.

Vor jeder Kategorie wird der Aufgabentyp an zwei Beispielen vorgestellt. Dann kommen jeweils etwa 15 Fragen mit steigendem Schwierigkeitsgrad, wobei man direkt nach dem Beantworten jeder Frage erfährt, ob die Antwort richtig ist. Und die Zeit tickt. Nach fünf Minuten ist Schluss, dann ist die nächste Kategorie dran – egal, wie weit man gekommen ist.

Der IQ-Test der Süddeutschen verlangt jede Menge Konzentration und mitunter auch strategische Entscheidungen: Bevor man bei einer Aufgabe zu viel Zeit verliert, kann es Sinn machen, einfach irgendetwas anzukreuzen. Vielleicht ist die nächste Frage ja leichter zu beantworten und man überschreitet das Zeitlimit wenigstens nicht. Zwischen den einzelnen Kategorien empfiehlt es sich, kurz durchzuatmen und neue Konzentration zu schöpfen. Da läuft die Uhr nämlich nicht.

Am Ende steht ein detailliertes Testergebnis mit einem altersabhängigen IQ-Wert. Es wird gezeigt, wie man in den sechs verschiedenen Untertests abgeschnitten hat. Um den Wert zu ermitteln, wurden die Tests von etwa 1300 Vergleichspersonen ausgewertet. Insofern ist das Ergebnis durchaus aussagekräftig.

In unserem Fall kam ein altersabhängiger IQ von 103 heraus, Durchschnitt also. Unsere Testperson schnitt in der Kategorie Analogien und logische Schlussfolgerungen überdurchschnittlich ab, bei Mustergruppen, Gleichungen und Zahlenreihen durchschnittlich, bei Matrizen unterdurchschnittlich. Sprich: Das logische Denken klappt ganz gut, mit dem räumlichen Vorstellungsvermögen hapert es – womit wir unserer Testperson aber nicht wirklich etwas Neues verrieten. 

Fazit: Der IQ-Test der Süddeutschen verlangt den Probanden einiges ab. Danach ist man geistig erst einmal erschöpft. Doch dafür ist das Ergebnis aussagekräftig und detailliert. Und der Test lässt erahnen: Die Beantwortung dieser Fragen lässt sich trainieren. Mit der richtigen Herangehensweise lässt sich beim nächsten Mal noch mehr herausholen.

http://iqtest.sueddeutsche.de/

3. Auf Hochbegabten-Suche: www.mensa.de

Bei dem IQ-Test von Mensa ist muss unbedingt etwas zum Anbieter selbst gesagt werden: Mensa ist ein Verein für hochbegabte Menschen. Weltweit gehören ihm laut eigenen Angaben 120.000 Mitgliedern in mehr als 100 Ländern an, davon rund 12.500 in Deutschland. Mensa will hochintelligente Menschen miteinander in Kontakt, also an einen Tisch bringen. Daher das lateinische Wort "Mensa" (Tisch) als Name. Der deutsche Ableger "Mensa in Deutschland e. V. (MinD) wurde 1981 ins Vereinsregister eingetragen.

Für die Aufnahme in den Verein ist ein Intelligenzquotient (IQ) erforderlich, der höher liegt, als der von 98 Prozent der Bevölkerung. Wer vorab herausfinden will, ob er annähernd eine Chance hat, zu dem Kreis der Hochbegabten zu gehören, oder einfach die Machart der Test kennenlernen will, für den bietet die Mensa-Website einen Gratis-Online-Test an.

Bei diesem Mensa-Online-Test sind 33 Fragen in 20 Minuten zu beantworten, die alle ausschließliches auf logische Schlussfolgerungen und auf das schnelle Erfassen geometrischer Figuren zielen. Es müssen Zahlenreihen und Figurenreihen logisch ergänzt werden. Insofern ist der Test sehr einseitig und trotz seiner Kürze durchaus anstrengend. Und nicht einfach. 

Die Auswertung kommt vergleichsweise wenig anspruchsvoll daher. Dort heißt es wenig charmant:

Vielen Dank, dass Sie den Mensa Online-Test ausgefüllt haben. Sie haben 18 von 33 Fragen richtig beantwortet und haben daher wenig Chancen, beim Aufnahmetest das Mensa-Kriterium zu erreichen.

Man erfährt nicht, wo man falsch lag oder wie die richtige Antwort gelautet hätte. Der Lerneffekt ist damit gleich null. 

Fazit: Wer sich nicht wirklich Chancen ausrechnet, zu dem Kreis der Hochbegabten zu zählen, kann sich diesen Test sparen. 

https://www.mensa.de/online-iq-test-raetsel/mensa-online-test/

4. Zeitvertreib ohne Ergebnis: www.iqtest.de

"Wie schlau bist Du wirklich? Mit unserem kostenlosen IQ Test ohne Anmeldung kannst du deinen persönlichen IQ (Intelligenzquotienten) berechnen lassen", ist auf www.iqtest. de zu lesen. Doch der kostenlose Test entpuppt sich als Mogelpackung. Denn am Ende der 70 Fragen steht kein IQ-Wert. Den gibt's nur gegen Geld: Die professionelle Auswertung kostet 5,99 Euro.

Auch ansonsten ist manches unsympathisch: Nach jeder Frage bekommt man zwar gesagt, ob die Antwort richtig oder falsch war, doch eine Erklärung, was richtig gewesen wäre, gibt es nicht. Sehr irritierend beim Beantworten ist die ständig eingeblendete Google-Adsense-Werbung, die sich auch noch zwischen die Erklärung zur Aufgabe und die eigentliche Aufgabe schiebt. Dadurch läuft man schnell Gefahr, die Erklärung zu übersehen und die Frage deswegen falsch aufzufassen. Oder aus Versehen auch noch auf eine Adsense-Anzeige zu klicken ...

Dafür ist die Mischung der Aufgaben sehr abwechslungsreich: Es sind natürlich wieder viele Zahlen- und Bilderreihen logisch zu ergänzen, die Matrizen sind identisch mit denen des Mensa-Tests. Doch es gibt auch Fragen, die auf Allgemeinbildung zielen, wenn es beispielsweise um griechische und römische Götter geht. Oder es gilt, einen Buchstaben-Salat aufzulösen. Es ist zu empfehlen, Zettel und Stift zur Hand zu haben. Denn es gibt auch Knobel- und Dreisatz-Aufgaben. Da ist es gut, sich manches auf Papier klarzumachen.

Dieser Test berücksichtigt angeblich zwar Alter und Geschlecht, außerdem wird die benötigte Zeit gestoppt. Doch am Ende erscheint nur eine grobe Auswertung. In unserem Fall:

Dauer: 25 Minuten. Sie haben 44 von 70 Fragen richtig beantwortet. Das ist eine Quote von 62,86 Prozent. Ihr IQ liegt im Durchschnitt der Bevölkerung. Denksportaufgaben werden Ihnen helfen besser zu werden.

Fazit: Dieser Test ist für alle geeignet, die einfach Spaß an Denksportaufgaben haben. Die Mischung der Aufgaben ist durchaus unterhaltsam. Den eigenen IQ bekommt man aber nicht geliefert – jedenfalls nicht gratis.

http://www.iqtest.de/

5. Etwas für Ehrgeizige: http://iqtest.apps.welt.de/

Mit der "Welt" bietet noch eine zweite seriöse Tageszeitung einen IQ-Test im Internet an. Ähnlich dem der Süddeutschen hat es der Test in sich: 80 Fragen sind zu lösen, der Test dauert etwa 45 Minuten.

Allerdings sind die Teilnehmer selbst angehalten, auf die Uhr zu sehen und den Zeitrahmen nicht zu sprengen. Das verführt zum Schummeln. Oder manchmal ist man so vertieft, dass man vergisst auf die Uhr zu sehen. Wahrscheinlich wäre ein Küchenwecker da das sicherste Instrument. 

Jeder Aufgabentyp wird anhand eines Beispiels vorgestellt. Dann geht es los. Beim semantischen Teil, Buchstabensalat, Schlussfolgerungen und Sprichwörter-Bedeutung sind die Aufgaben übrigens oft identisch mit denen auf www.iqtest.de. Schade eigentlich, dass es da im Netz so schnell zu Wiederholungen kommt. 

Nach jeder Frage wird eingeblendet, ob die Antwort richtig war oder was das richtige Ergebnis gewesen wäre. Leider wird da immer nur die Nummer der Antwort, also a), b), c) oder d) genannt. Man kann also inhaltlich nicht mehr nachvollziehen, was richtig gewesen wäre. Das bringt einen um den Lerneffekt. 

Was den IQ-Test der "Welt" besonders heftig werden lässt: Ganz am Ende sind Kopfrechnen, Dreisatz und Gedächtnis gefragt. Das lässt einen fast abbrechen und ist nur mit viel Ehrgeiz durchzuhalten. 

Am Ende ist als Ergebnis zu lesen:

Glückwunsch! Sie haben es geschafft. Von 80 Fragen haben Sie 53 richtig beantwortet. Für Ihr Alter bedeutet das ein IQ von 115.

Ein nettes Detail: Mit dem Ergebnis werden die Intelligenzleistungen berühmter Wissenschaftler, Philosophen, Schriftsteller, Künstler, Politiker und Schauspieler in einer Bilderstrecke vorgestellt: John F. Kennedy soll einen IQ von 117 gehabt haben, Hillary Clinton kommt auf 140, Jodie Foster 132. Und der IQ von Napoleon betrug angeblich 122. Wie dieser Wert ermittelt worden ist? Keine Ahnung.

Fazit: Der IQ-Test der "Welt" ist vielseitig, umfangreich und anspruchsvoll. Was die Auswertung und Aufbereitung der Ergebnisse anbelangt, lässt er aber zu wünschen übrig. Aber obwohl manche Fragen mit denen auf iq-test.de identisch sind: Bei der "Welt" gibt es wenigstens keine Irritationen durch flimmernde Anzeigen. 

http://iqtest.apps.welt.de/

6./7. Adressen ködern: Schnelltests mit Haken

19 Fragen sind zu beantworten, dann winkt schon die Bestimmung des IQ. Das verspricht die Website www.mein-wahres-ich.de. Diesen kurzen Test kann man sich trotzdem sparen. Denn bevor man die Auswertung erhält, müssen erst Fragen zum eigenen Fernsehverhalten beantwortet werden. Das Ergebnis des Tests wird nur per E-Mail mitgeteilt. Finger weg!

38 Fragen umfasst der IQ-Test auf www.testedich.de/tests/iq-test.php3. Und man wird ermuntert, sich alle Zeit der Welt zu lassen. Am Ende erhält man die trockene Auskunft, wie viele Antworten richtig sind und welchem IQ das in etwa entspricht – aber immerhin: Die Auflösung wird genau erklärt. Wem das zu wenig ist, wird auf den angeblich ersten professionellen IQ-Test im Internet verwiesen: www.iqtester.de

Dieser Test ist sehr lang, aber die Auswertung ist noch länger. Dort erfährt man auf vielen vielen Seiten neben den eigenen Ergebnissen alles, was irgendwie mit IQ zu tun hat, immer von Werbebannern flankiert. Und wer am Ende ein IQ-Zertifikat haben möchte, muss seinen Namen preisgeben. Eine Seite, die alles dafür tut, dass Nutzer lange auf ihr verweilen. Eine durchsichtige Angelegenheit. Also besser: Finger weg!

Was man schwarz auf weiß besitzt: IQ-Tests auf Papier

Natürlich muss man IQ-Tests nicht im Internet machen. Es gibt auch Bücher mit Aufgaben. Zwar muss man da alles eigenhändig auswerten, die richtige Lösung nachschlagen und die Zeit stoppen. Dafür wiederholen sich keine Fragen und es gibt kein störendes Flimmern von Werbebannern. Und es steht nicht zu befürchten, dass die IP-Adresse des Computers irgendwann etwas über den eigenen IQ verrät ...

Vor Ort unter Prüfungsbedingungen: IQ-Tests von MinD

Der Verein Mensa in Deutschland (MinD) bietet in verschiedenen Städten regelmäßig 90-minütige wissenschaftlich fundierte Intelligenztests an. Teilnahmegebühr: 49 Euro. Das ist die Chance, einmal einen Test unter Prüfungsbedingung vor Ort zu absolviert. Aber nicht gefrustet sein: Nicht jeder muss zu der Gruppe der Hochbegabten gehören. Das sind sowieso nur zwei Prozent der Bevölkerung.

https://www.mensa.de/intelligenztest/

Illustrationen: pixabay.com

Mondstein, am 04.01.2017
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Bild: Junfermann Verlag Paderborn (Hochfunktionale Autisten im Beruf. Navigationshilfen durch die Arbe...)

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