Ein Herz und deine Seele

Finden Sie den Unterschied?

"Du bist mein Herz!"

"Du bist mein, Herz!"

Richtig: Das Komma macht's. Oder das Koma, wenn es um Organspenden geht. Der Bundestag hat nämlich eine Reform der Organspende beschlossen:

Die Regelung sieht vor, dass künftig alle Krankenversicherten ab 16 Jahren regelmäßig befragt werden sollen, ob sie nach ihrem Tod zur Organspende bereit sind. [...] SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier wertete die Zustimmung zur Organspende auch als Zeichen für "Mitmenschlichkeit und Solidarität". Es gehe um nicht mehr und nicht weniger als um Hilfe für Todkranke.

"Eines noch, Schwester Juliette, dann machen wir Feierabend"Mit anderen Worten: Wer der Ausschlachtung des eigenen Körpers nicht zustimmt, ist ein Unmensch und hasst Todkranke. Ich meine, diese gelebte Solidarität sollte auch jüngeren Generationen zugemutet werden. Überhaupt leben Kinder in einer bunten Phantasiewelt, die mit der Realität rein gar nichts zu tun hat und im Gegenteil an den erwünschten Gesellschaftsidealen völlig vorbeiläuft. Es muss Schluss sein mit verlogenen Kinderfilmen- oder Büchern, in denen die Elternteile unterschiedlichen Geschlechts sind, ihre Kinder lieben und ganz normalen Berufen nachgehen. Hier wäre endlich Platz und Raum, moralische Grundsatzfragen zu klären. Beispielsweise: Das Kollektiv steht über dem Individuum, Freiheit ist Ungerechtigkeit, erzwungene Solidarität ist Gerechtigkeit.

Leider scheinen dies selbst einige Politiker noch nicht erkannt zu haben:

Unionsfraktionschef Volker Kauder hob hervor, dass die Entscheidung für eine Organspende freiwillig bleibe.

Argh! Neo-liberaler Populist!

Unsere Tierfreunde, die Polizisten

Apropos Solidarität: Manche Menschen sind zwar gleicher, aber zu recht. In Wien sollen Polizisten auch mit ihren privaten Autos zeitlich unbegrenzt in Kurzparkzonen stehen dürfen. Denn:

Wichtig sei dies für Polizisten vor allem deswegen, weil ihre Dienstzeiten das rechtzeitige Wegfahren aus einer Kurzparkzone oft nicht erlauben würden, hieß es in der Begründung des Antrags.

Das ist natürlich schlimm. Zumal Polizisten die einzige Berufsgruppe sind, die ihre Wagen auch mal in die Kurzparkzone stellen müssen, weil sie keinen Dauerparkplatz finden. Als Steuerzahler sollte es einem schon wert sein, Beamten das kostenlose Parken zu finanzieren, während man selbst keinen Parkplatz findet oder in der Kurzparkzone einen Euro nach dem anderen einwerfen darf.

Weil: Was täten wir ohne Polizisten, denen sogar die lieben Tierchen am Herzen liegen? Vorbildlich haben sich in Norwegen Berufskollegen um eine schwer verletzte Katze auf der Straße gekümmert. Sie erlösten das Tier von seinen Schmerzen, indem sie es dreimal überfuhren.

"Es hätte die Leiden der Katze nur verlängert, einen Tierarzt herbeizurufen oder das Tier in einen Sack zu stecken, um sie zum Tierarzt zu fahren", schrieben die Beamten auf Facebook.

Liebe Leser: Falls Sie sich auf offener Straße verletzen sollten, überlegen Sie es sich lieber, ob Sie die Polizei rufen wollen...

Einfach mit Klagen drohen!

Um auch einmal eine gute Nachricht einzustreuen: Die transsexuelle Kanadierin Jenna Talackova durfte doch noch an der Wahl zur "Miss Universe Canada" teilnehmen (wir berichteten über diesen Fall im Wochenrückblick 15/2012). Offenbar halfen ihre Klagedrohungen gegen die Veranstalter, was hoffentlich der Jugend als Fingerzeig gelten wird: Nicht verzagen, einfach klagen! Passt euch was nicht in den Kram, fühlt ihr euch ungerecht behandelt oder ausgeschlossen, droht sofort mit einer Klage! Pfeift darauf, zurückzustecken, euch zu ärgern oder gar im Gütlichen das Auslangen zu finden. Eure wichtigste Person im Leben sollte euer Anwalt sein.

Ach ja: Jenna hat leider nicht gewonnen, was meiner Ansicht nach ein Klagegrund wäre. Dafür gewann sie den

Titel "Miss Congeniality", der von den Teilnehmerinnen an die Beliebteste(n), Freundlichste(n) und Kollegialste(n) unter ihnen vergeben wird.

Das mussten sie wahrscheinlich tun, um nicht verklagt zu werden...

Wir fahren, wir fahren, wir fahren in den Puff!

Nicht angeklagt, aber angezeigt wurde TV-Moderatorin Sarah Kuttner. Und zwar wegen Beleidigung im Rahmen einer Lesung (Kuttner ist bekanntlich neben Charlotte Roche die einzige alphabetisierte TV-Moderatorin im deutschen Fernsehen). Angezeigt wurde sie von einem Lesungsteilnehmer, da sie beleidigend über eine "Negerpuppe" sprach, die sie als Kind besessen hatte:

"Sie zog über diese,Negerpuppe‘ her, ließ sich über deren 30 Zentimeter große,Schlauchbootlippen‘ aus und wiederholte, wie ekelhaft sie diese Lippen fand. Sie habe die Puppe wegschmeißen müssen, weil es kein Sinn gehabt habe, sie zu behalten", so Bäuml, der sich in seiner Ehre beleidigt fühlt.

O mein Gott! Ist ein Notarzt in der Nähe? Macht Platz, Leute, für die verletzte Ehre!

Was ich ehrlich gesagt nicht kapiere: Identifiziert sich ein erwachsener Mann mit einer Kinderpuppe? Oder wie kann man die "beleidigte Ehre" sonst verstehen?

 

Glücklicherweise hat sich die gute Kuttner nicht am - da sei Allah vor! - Islam vergriffen. Ein türkischer Komponist (erstaunlicherweise scheint Musik im Islam nicht gänzlich verboten zu sein. Ich muss mal recherchieren, wieviele moslemische Gangsta-Rapper es im arabischen Raum gibt) könnte schon demnächst vor dem Kadi stehen, weil er religiöse Gefühle und Werte verletzt und beleidigt habe.

Say habe die Frage gestellt, ob das Paradies eine Kneipe oder ein Bordell sei. In einem anderen Tweet fragte er nach einem besonders eilig vorgetragenen Gebetsruf in einer Moschee, ob der Muezzin wohl schnell zu seiner Freundin oder zum Schnaps habe zurückkehren wollen.

Ungeheuerlich! Wenn das nicht die in ihren religiösen Gefühlen Verletzten auf die Straßen treibt, was dann? Seltsamerweise ist es bislang noch ruhig geblieben. Vielleicht waren die alle im Bordell, als diese schockierende Beleidigung publik wurde. Darf man das eigentlich noch sagen oder ist das politisch unkorrekt?

Ich weiß nicht, ob das Paradies eine Kneipe oder ein Puff ist. Hauptsache ist, der Türsteher lässt die politisch korrekten GutmenschInnen und religiösen Spinner nicht rein, auf dass sie unsereins selbst im Jenseits noch auf die Eier gehen.

Solidarität mit Griechen, die keine Steuern zahlen wollen

Wie einige meiner Leser vielleicht schon bemerkt haben dürften, befindet sich Griechenland in finanziellen Schwierigkeiten. Nicht wirklich überraschend im Grunde: Ein monströs aufgeblähter Staatsapparat ist schlichtweg nicht finanzierbar, insbesondere dann nicht, wenn Steuern nicht bezahlt werden.

Die Steuermoral wird sich vor der Neuwahl am 17. Juni und bis zur Bildung einer durchsetzungsstarken Regierung kaum verbessern.

Verständlich, denn:

Doch der Einbruch bei den Steuereinnahmen liegt neben der Rezession auch an den Griechen selbst: an weiterhin weit verbreiteter Steuerhinterziehung, der Unlust zum Zahlen selbst derer, die es sich leisten könnten, und politischer Zurückhaltung, notwendige Änderungen in der Steuerpolitik gegen Widerstände durchzusetzen.

Und Hand aufs Herz: Nachdem Deutschland ohnehin beim Rest der Menschheit in der ewigen moralischen Schuld (Holocaust! Krieg! Hitler!) steht und deshalb für Verbrechen zu löhnen hat, die von den Vorfahren begangen wurden, besteht kein Grund zur Sorge. Folglich stehen die Chancen auf einen Wahlsieg jener Parteien glänzend, die den Euro behalten, weitere "Hilfsmaßnahmen" annehmen und den "Sparkurs" lockern wollen.

Von der englischen Fußballlegende Gary Lineker stammt das Bonmot: "Am Ende gewinnt immer Deutschland."

Möglich. Dafür zahlt es am Ende auch immer...

Schlaue Griechen, kann man da nur sagen. Sicher: Vor allem für die jüngeren Griechen könnten bald bittere Zeiten anbrechen. Aber so ist das eben in der Demokratie: Solidarität mit den Betrügern und Ausbeutern wird großgeschrieben, selbst dann, wenn man sie weder gewählt hat, noch vom Betrug profitierte und stattdessen dafür geradestehen muss.

Doch auch Frankreich ist mit einem ökonomischen Schwergewicht gesegnet, namentlich dem neuen Präsidenten Francoise Holland, der bei einem Sondergipfel in Brüssel sein geballtes Wirtschaftsverständnis aufblitzen ließ.

Es sei inakzeptabel, dass einige EU-Länder für Staatsschulden mehr als sechs Prozent Zinsen zahlen müssten, während andere bei Sätzen nahe Null seien. Auch Krisenländern müsse man attraktive Finanzierungsmöglichkeiten und Schutz vor Spekulationen bieten.

Richtig! Der spielsüchtige Alkoholiker sollte in Punkto Kreditwürdigkeit einem hart arbeitenden Familienoberhaupt gleichgestellt sein. Und den Spekulanten sollten endlich die Hände gebunden werden, damit sie ihr schmutziges Handwerk nicht mehr ausüben können. Persönlich finde ich jene Spekulanten am Ekelhaftesten, die beispielsweise mit einer Kreditaufnahme warten, bis die Zinssätze warten. Oder jene, die beim jeweils günstigen Supermarkt Lebensmittel einkaufen. Neo-liberales Kapitalistenpack!

 

Glücklicherweise gibt es nachsichtigere Regierungen, die ihre Prioritäten glasklar setzen. Etwa die spanische, die bei den Milliardenschulden der spanischen Fußballvereine ein Stierauge zudrückt, wobei es

Verhandlungen mit der Profiliga gibt, wie und wann die Clubs ihre Steuerschulden begleichen.

Sehen Sie, liebe Leser, das ist Solidarität und Menschenfreundlichkeit! Man fordert nicht einfach die Bezahlung von Steuerschulden ein, sondern fragt freundlich nach, wann der Schuldner zur Bezahlung bereit sei. Und seien Sie versichert: Selbige Nachsicht wird säumigen privaten Steuerschuldnern ebenfalls gewährt.

 

Bei JP Morgan, immerhin die größte Bank der Welt, hängt der Haussegen offenbar auch ein wenig schief. 2 Milliarden Dollar sollen bei Handelsverlusten flöten gegangen sein. Oder auch 5 Milliarden, wie manche vermuten. Gott sei Dank haben westliche Regierungen dem menschenverachtenden neo-liberalen Kapitalismus einen Riegel vorgeschoben, der diese grauenhaften Marktmechanismen wie Unternehmenspleiten oder persönliche Verantwortung für Verluste ausgeschaltet und stattdessen Rettungsschirme aufgespannt hat. Das heißt, natürlich nicht für alle, sondern für bestimmte Unternehmen. Man kann ja nicht jeden gleichbehandeln, richtig? Deshalb sollten wir uns nicht vor Sorgen um große Banken oder Automobilkonzerne grämen - die werden schon aufgefangen! Ja, liebe Kinder, das ist Solidarität! Solidarität, für die ihr übrigens euer Leben lang noch höhere Steuern und Abgaben werdet zahlen dürfen.

Kurz&ungut

Ich hoffe, damit ist klargestellt, dass ich unser System bedingungslos unterstütze und jede Kritik daran als geradezu blasphemisch betrachte. Schließlich möchte ich mir diesen Mann nicht zum Feind machen.

"White House counterterror chief John Brennan has seized the lead in choosing which terrorists will be targeted for drone attacks or raids [...] The effort concentrates power over the use of lethal U.S. force outside war zones within one small team at the White House... Under the new plan, Brennan's staff compiles the potential target list and runs the names past agencies such as the State Department at a weekly White House meeting."

Ich bin sicher, der gute Mann kann mit seiner hohen Verantwortung umgehen. Ich könnte es jedenfalls nicht. Der Typ, der mir gestern den letzten freien Parkplatz wegschnappte, stünde bei mir schon auf dieser Liste...

 

Der 9-jährige Marco gewann die Weichspülausgabe von DSDS, was Bohlen zu folgendem wunderbaren Vergleich anregte:

"Du klingst mit neun so, als ob du zwei Liter Whiskey trinkst, 200 Zigaretten rauchst", sagte Juror Dieter Bohlen.

Also, liebe Kinder: Falls ihr bei der nächsten Ausgabe von DSDS eine Chance haben wollt, wisst ihr jetzt, wie ihr eine richtig geile Stimme... Moment, ich höre gerade, dass mein Witz geschmacklos und menschenverachtend sei. Ich nehme ihn deshalb zurück und fordere meine Leser aus, sich zur Sicherheit das Hirn rauszureißen und im Mixer zu pürieren. Danke.

 

Wie sich Frauen das Paradies vorstellen...Unerhört eigentlich! Eine ältere MitbürgerIn muss 800 Strafe fürs Pfeifen bezahlen! Nun ja, die Seniorin fühlte sich von ständigen Werbeanrufen dermaßen genervt, dass sie einer Call-Center-Mitarbeiterin mit einer Trillerpfeife die Gehörgänge durchpustete. Der SWR weiß Rat, was in einem solchen Fall die bessere Strategie ist:

Man könne auch einfach den Hörer hinlegen und die Call Center Mitarbeiter reden lassen, bis sie merkten, dass keiner mehr am andern Ende der Leitung zuhöre.

In der Zwischenzeit kann man dann zwar nicht telefonieren oder angerufen werden. Aber immerhin beweist man zivilisiertes Verhalten. Dieser Rat ist noch allemal besser, als der nachfolgende:

Oder man dreht den Spieß um und fragt den Anrufer nach seiner Schuhgröße oder seinen Kindern

Richtig: Nichts bringt Frauen rascher zum Verstummen, als mit ihnen über Schuhe oder ihre Kinder zu quatschen!

Autor seit 7 Jahren
823 Seiten
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