Griechenland, wir kommen!

In den 1940er Jahren infizierten US-Ärzte zu Forschungszwecken über tausend Menschen in Guatemala mit Geschlechtskrankheiten. Da weder "Simply Red"-Sänger Mick Hucknall, noch Mick Jagger zwecks natürlicher Übertragung zur Verfügung standen, wurden die unfreiwilligen Probanden auf, sagen wir, weniger angenehme Weise getrippert:

Die Forscher hatten [eine Patientin namens Berta] durch eine Injektion mit Syphilis infiziert und drei Monate lang nicht therapiert. Cutler notierte eines Tages, dass es aussehe, als wenn Berta sterben würde, ohne genauer darauf einzugehen. Am selben Tag schmierte Cutler eitrigen Ausfluss von Tripper-Kranken auf die Augen, die Harnröhre und in den Enddarm der Frau [...]

Dutzende der menschlichen Versuchskaninchen starben, wobei diese vermutlich nicht sanft entschliefen. Einige der Überlebenden strengten nunmehr eine Klage an, die von einem US-Bundesgericht jedoch abgewiesen wurde. Die Begründung:

Nach US-Bundesrecht könnten in den USA aber keine Ansprüche für Verletzungen geltend gemacht werden, die im Ausland zugefügt worden seien.

Mit der Frage, ob dies auch für US-Soldaten in Afghanistan gilt, wollen wir uns nicht auseinandersetzen. Vielmehr wollte ich mit dieser Einleitung einen eleganten Übergang zur vorgeblichen Griechenland-Krise finden. Vorgeblich deshalb, da es sich bei den Warnungen vor bzw. düsteren Szenarien für den Fall einer griechischen Staatspleite um den Ruf nach Erste-Hilfe-Maßnahmen für eine Leiche handelt. Der griechische Staat ist längst pleite und zuckt nur noch dank finanzieller Spritzen ab und an.

Im Gegensatz zu eingangs erwähntem, zugegebenermaßen höchst unappetitlichen Exempel staatlicher Willkür, sieht sich Deutschland für sämtliche erhobenen Ansprüche in der Pflicht. Schließlich waren Verbrechen an Menschen bis zur Errichtung des Dritten Reiches völlig unbekannt und wurden erst durch die Nazis in die Welt getragen. Und auch wenn dies alles rund 70 Jahre her ist, muss Deutschland für diese Verbrechen büßen. Freilich nicht durch völlig veraltete Mittel wie Massenexekutionen und offensichtliche Versklavung, sondern mittels erzwungener Solidarität. So fordert etwa Frankreichs neuer Präsident Hollande den Einsatz von Schuldentilgungsfonds, gemeinschaftliche Euro-Anleihen und natürlich neue Steuern (in diesem eine Börsensteuer, die im Endeffekt ohnehin der Konsument übernehmen müsste, aber egal). Mit anderen Worten: Deutschland soll zahlen und für andere Staaten haften.

Und als wäre dem nicht genug, soll der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) eine Bankenlizenz erhalten. Richtig gelesen: Eine Bankenlizenz! Was wären die Konsequenzen daraus? Ganz einfach: Quasi unbeschränkte Kreditvergaben bzw. Ankäufe von Staatsanleihen. Mensch, warum hat niemand bereits vor Jahren diesen genialen Einfall aufs Tapet gebracht? Vielleicht deshalb, weil damit der Euro abermals kräftig an Wert verlöre und die Staaten noch dreister in die Taschen ihrer Untertanen greifen können?

Das politische Schmierentheater geht derweil in Griechenland selbst in die nächste Runde. Morgen finden Neuwahlen statt, deren Ausgang für hunderte Millionen Europäer unerheblich sind. Denn: Quer durch die Parteien besteht Einigkeit, den erfolgreichen griechischen Weg weiterhin voranzuschreiten, einen aufgeblähten Staatsapparat von der EU - vertreten durch Deutschland - alimentieren zu lassen. Das eigentliche Problem Griechenlands wird natürlich tunlichst unter den Teppich gekehrt. Nicht die Nazis vor 70 Jahren, amerikanische Heuschreckenspekulanten, der böse Neo-Liberalismus oder das offenbar schändliche Auslagern von Vermögen ins Ausland tragen die Verantwortung für den Pleite-Staat. Vielmehr konnten die wenigen noch produktiven Unternehmer und Arbeitnehmer des Landes den Staatsapparat mit all seinen Ausschweifungen und "sozial gerechten" Verschwendungsorgien nicht mehr finanzieren. Wieso die Steuerzahler der "reichen" EU-Mitgliedsländer diesen Wahnsinn bezahlen müssen, erschließt sich mir zwar nicht ganz. Aber es wird schon alles seine beste Ordnung haben. Deshalb bitte nicht vergessen, die demokratische Pflicht des Wählens auch beim nächsten Mal wieder wahrzunehmen! Großmütigerweise erlaubt man uns immerhin zu entscheiden, von wem wir nach Strich und Faden ausgenommen werden... 

Arbeit ist was für Ungläubige!

Keinesfalls möchte ich bei meinen Lesern den Eindruck entstehen lassen, an der Sinnhaftigkeit, ja, Notwendigkeit des Staatswesens Zweifel anzumelden! Ganz im Gegenteil: Wir sind uns völlig einig darin, dass nur der Staat Straßen, Kinder unterrichten oder unsere Freiheit in einem Land, das die meisten von uns auf einer Weltkarte nicht finden würden, verteidigen kann. Zu diesen Freiheiten zählt bekanntermaßen das Bezahlen von Steuern. Wie sonst könnte man notleidenden Mitmenschen wie dem Salafistenführer Ibrahim Abou-Nagie unter die Arme greifen? Dieser scheint zumindest tolerant genug zu sein, sich das Leben von Nicht-Muslimen finanzieren zu lassen. Über 2.000 Euro soll der gute Mann vom Staat beziehen. Glücklicherweise lebt er in einem Sozialstaat, der ihm die Möglichkeit gibt, seiner Berufung nachzugehen:

Nagie hatte bei Gesprächen mit seinen Sachbearbeitern bei der Arbeitsagentur mehrfach darauf hingewiesen, dass er wegen seiner Missionierungstätigkeit keiner geregelten Arbeit nachgehen könne.

Die bedrückende Armut des Missionars äußert sich zudem darin, seiner gewiss zeitraubenden Tätigkeit in einem läppischen BMW X 3 oder einem mickriegen Mercedes der E-Klasse nachgehen zu müssen. Ist das nicht schon fast menschenunwürdig? Schließlich hat man in einem Wohlfahrtsstaat ja wohl das Recht, auf Kosten anderer sich verwirklichen zu dürfen. Oder bringe ich da etwas durcheinander? Dankenswerterweise liefert der verlinkte Artikel eine Bilderstrecke zu der himmelschreienden Armut des Selbstverwirklichers. Wer da nicht freiwillig noch höhere Steuern bezahlen möchte, um solchen Hungerschluckern ein halbwegs menschenwürdiges Leben zu finanzieren, ist ein rechtspopulistischfaschistoider Unmensch.

Comeback der Geschlechtertrennung an Schulen?

Auch wenn der gute Mann westlichen Werten - abgesehen von Hartz IV, sonstigen Sozialleistungen, deutschen Luxuskarossen und sonstigen Annehmlichkeiten der Ungläubigen - tendenziell kritisch gegenüberstehen sollte, dürfte er an der einen oder anderen Idee einer Deutschen Gefallen finden können. Die NRW-Schulministerin schlägt vor, an Schulen Mädchen und Jungen zumindest in manchen Fächern getrennt zu unterrichten. Die Begründung klingt einleuchtend:

"Mädchen brauchen eher einen Anwendungsbezug, während viele Jungen Technik an sich fasziniert." In Chemie etwa wollten Mädchen vor allem wissen: Wofür brauche ich das? "Wenn sie dann wissen, dass das zum Beispiel für Kosmetik interessant ist, haben sie einen eigenen Zugang."

Und in Punkto Leseförderung (bekanntermaßen haben Kinder kein Interesse daran, aus freien Stücken Lesen und Schreiben zu erlernen, sondern müssen "gefördert" werden):

"Da muss man eher zum Sachbuch oder zu den "Wilden Kerlen" greifen statt zu "Hanni und Nanni", damit Jungen Spaß am Lesen bekommen."

Ich bin verwirrt: Wollen FeministInnen nicht die angeblich so schrecklichen Geschlechterunterschiede mittels Quoten und Zwang aufheben? Und nun soll dies plötzlich nicht mehr gelten und doch wieder geschlechtsspezifisch unterrichtet werden? Und vor allem: Was wäre einem, sagen wir, konservativen Politiker mittleren Alters an Empörung entgegengeschlagen, hätte er Mädchen unterstellt, an Kosmetik und "Hanni und Nanni" interessiert zu sein?

Seid fruchtbar ...

Bei manchen Meldungen fragt man sich indes, was in den Köpfen so mancher Mitmenschen vor sich geht. Gut, möglicherweise überschätzt man viele Leute und in ihren Köpfen herrscht himmlische Ruhe, aber dies mag mitunter ein Segen sein, liest man etwa diesen Artikel über eine Mutter, die ihr Neugeborenes unmittelbar nach der Geburt aus dem fünften Stock warf. Aus Angst vor ihrem gewalttätigen Partner habe sie die Schwangerschaft geheim gehalten. Es war ihr fünftes Kind - zwei ihrer Kinder hatte sie zur Adoption freigegeben. Nur ein hoffnungslos zynischer Zeigenosse könnte sich dahingegehend äußern, weshalb Menschen, die nicht in der Lage sind, ihre eigenen Kinder zu versorgen, ein Kind nach dem anderen in die Welt setzen. Obwohl... irgendwie hat dieser Gedanke etwas für sich... Moment, ich höre gerade vom Ministerium für Politische Korrektheit, dass dieser Gedanke menschenverachtend sei.

Darf man zumindest den Umstand bizarr finden, dass besagte Frau inzwischen jenen Mann geheiratet hat, vor dem sie Angst gehabt habe, was sie zur Kindestötung veranlasst haben soll?
Und was wünscht man einem solchen Paar eigentlich: Noch viele weitere Kinder?

Rapper-Fatwa: Ein Experte spricht

An dieser Stelle ein follow up zu der Fatwa gegen einen in Deutschland lebenden iranischen Rapper, gegen den vom Großajatollah Lotfollah Safi-Golpaygani eine Fatwa verhängt wurde. Kein Grund zur Besorgnis laut Aussagen eines Experten:

[der Fatwa widersprach] in Teheran ein Religionsexperte: "Der Großajatollah hat direkt kein Todesurteil erstellt, sondern auf eine Frage über Beleidigung der schiitischen Heiligkeiten geantwortet. [...] Safi-Golpaygani habe weder den Status Chomeinis noch die gleiche Anzahl von Anhängern, so der Experte.

Eines erscheint denn aber doch merkwürdig: Warum wird der Name des "Experten" verschwiegen? Bei jedem anderen Thema werden die zu Wort kommenden Experten namentlich genannt, hier jedoch nicht. Ein Schelm, wer vermutet, dass der Experte selbst kalte Füße bekommen haben könnte.

Selig die Ehrgeizlosen

Ärgerlicherweise habe ich die "7 Wochen ohne falschen Ehrgeiz" einer dubiosen Sekte namens "Evangelische Kirche" verpasst. Und das nur, weil ich den falschen Ehrgeiz habe, für mein tägliches Brot arbeiten zu gehen! Dabei hätte ich es doch billiger haben können:

Darf Zufriedenheit aufkeimen mit dem Gegebenen, dem Geschenkten.

Hach ja, wenn all diese getriebenen und gehetzten Schafe endlich inne halten würden in ihrem sinnlosen Streben nach Arbeit und Leistung. Andererseits: Wer finanzierte dann Salafistenführern ihr angenehm stressloses Dasein, das sie mit der Bekehrung von Ungläubigen und der Zeugung von Nachwuchs so erfüllend bestreiten?

Kurz&ungut

Abschließend noch einige bemerkenswerte Meldungen bunt durchgemischt.

Zunächst eine Suchmeldung: Die Bundeswehr vermisst einen ferngesteuerten Quadrocopter, der sich bei einer Übung in der Bad Salzunger Werratalkaserne selbstständig gemacht hat und spurlos verschwunden ist. Vor 25 Jahren wäre das noch Republikflucht gewesen! Allzu weit kann die Maschine nicht gekommen sein, da sie einen Flugradius von etwa 15 Kilometern besitzt. Eine mehrstündige Suche mit Fackeln, Hunden und Lockrufen blieb leider erfolglos. Sollten Sie es zufällig finden, geben Sie es bitte bei der Polizei, bei der Kaserne oder Dr. Blofeld ab. Wozu dienen solche Geräte eigentlich?

Quadrocopter werden von der Bundeswehr bei Einsätzen zur Aufklärung verwendet.

Meine Vermutung: Das Ding guckt sich die Fußball-EM vor Ort an.


Apropos: Die EM hat ihren ersten Skandal. Beim Spiel Kroatien gegen Italien soll der italienische Stürmer Mario Balotelli mit Bananen beworfen worden sein. Ja, da ist es doch kein Wunder, dass die Italiener ständig ausrutschen und Elfmeter reklamieren! Moment, ich höre gerade, dass es sich um einen dunkelhäutigen Spieler handelt. Somit ist es natürlich handfester Rassismus. Die italienische Delegation tat, was sie am Besten kann: Sie reichte Beschwerde ein. Nicht wegen dieses Zwischenfalls, sondern weil bei den bisherigen italienischen Spielen während des Abspielens der italienischen Hyme Pfiffe zu vernehmen gewesen seien. UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino hat diese Angelegenheit in angemessener Weise behandelt: Er brachte sein "großes Bedauern" zum Ausdruck.

Wäre er Deutscher, wäre er anschließend vermutlich betroffenen Blickes zurückgetreten.

 

Beinahe-Skandal in der RTL-Sendung "Bauer sucht Frau": Ein 28-jähriger Kandidat war, wie sich herausstellte, als 16-Jähriger der NPD beigetreten. Zwar sei er kein aktives Mitglied mehr und hätte auch den Zielen der NPD abgeschworen, aber:

Für den Sender war der Ziegenbauer trotz des Sinneswandels dennoch nicht mehr tragbar: "Ein Unterhaltungsformat wie,Bauer sucht Frau‘ ist nicht die richtige Bühne für Typen wie ihn", so der Sprecher.

Puh, gerade noch die Kurve gekratzt! Mit seinem "roten Traktor und dem treuen Schäferhund zu seinen Füßen" lag die Machtergreifung praktisch schon in der Luft.

 

Whoa, was für ein Rohr!Diese Meldung schenke ich aus reiner Nächstenliebe allen Nachwuchs-Mario-Barths:

In Boston blieb ein 40-jähriger mit seinem Ding in einem Rohr stecken und musste von der Feuerwehr befreit werden. Hier die vorgefertigte und gemeinfreie Pointe: "Der muss ja ein mächtiges Rohr gehabt haben!" Höhöhö. Auch nicht schlimmer als Barths "Meene Freundin hat Schuuhe gekauft, Schuuuuhe!" Steinzeitkalauer. Da steckt man doch gleich lieber sein Ding in ein Rohr. Weiß zufällig jemand, ob Mario Barth kürzlich auf US-Tour war?

Autor seit 6 Jahren
836 Seiten
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