Verwirrende Zeitumstellungen

Römer? Ja, denn ausnahmslos alle heutigen Monatsnamen entstammen der römischen Kultur. Einfacher wird die Herkunftsbestimmung jener zwölf Begriffe dadurch dennoch nicht. Schuld daran sind vor allem die Ereignisse zweier Jahre:

  • 153 v. Chr. erfolgte eine Umstellung der Zählweise. Der Jahresbeginn wurde vom März auf den Januar vorverlegt.
  • 46 v. Chr. führte Julius Cäsar schließlich eine Kalenderreform durch. Dieser sogenannte Julianische Kalender sollte (mit leichten Änderungen) bis in das späte Mittelalter hinein seine Gültigkeit behalten. Er ersetzte die bisherige Praxis eines "Schaltmonats" zugunsten der gleichmäßigeren Aufteilung aller Tage auf zwölf Monate. Das Jahr 46 v. Chr. gilt deshalb als das "verworrene Jahr": Um Sonnenstand und Jahreszeit wieder miteinander in Einklang zu bringen, beinhaltete es 80 zusätzliche Tage.

Januar und Februar: Anfang und Ende eines Jahres

Der Januar ist nach dem römischen Gott Janus benannt. Jener wurde traditionell doppelköpfig dargestellt, so dass er gleichzeitig in zwei Richtungen blickte. Janus symbolisierte Anfang und Ende sowie Ein- und Ausgang. Er galt daher auch als Gott der Tore. Entsprechend scheint seine kalendarische Verwendung erst ab 153 v. Chr. gesichert zu sein, als dieser Monat an die erste Stelle im Jahresablauf rückte.

Der Februar hingegen war bis 153 v. Chr. der letzte Monat im Jahr. Daraus leitet sich auch seine Bezeichnung ab. Sie basiert auf dem lateinischen Begriff februa (= reinigen). Darunter verstand man ein altrömisches Fest mit Reinigungs- und Sühneritualen, um das alte Jahr unbelastet zu beschließen.

Von März bis Juni: die Monate der Götter

Der Monat März entstammt dem lateinischen Begriff Martius, welcher wiederum vom römischen Kriegsgott Mars hergeleitet wurde. Mars galt auch als Gott der Fruchtbarkeit, weshalb er diesem ursprünglich ersten Monat des Jahres zugeordnet wurde.

Darauf basiert möglicherweise auch der April, dessen sprachliche Herkunft äußerst nebulös bleibt. Man kann lediglich vermuten, dass er sich von der lateinischen Formulierung mensis aprilis ableitet. Übersetzt hieße dies "zweiter folgender Monat", was bezogen auf den März als Jahresanfang durchaus noch einen Sinn ergäbe.

Eindeutig göttlicher Natur ist hingegen der Mai, abgeleitet vom altrömischen Gott Maius. Er galt als Beschützer des Wachstums und bildete die sinnverwandte, maskuline Form der "Großen Göttin" Maia, welche die Mutter Erde symbolisierte.

Etwas komplizierter erscheint das Wesen der Göttin Juno, Namenspatronin des Monats Juni. Sie galt als Mondgöttin sowie als Schutzherrin der Frauen, Hochzeiten und Geburten. Einige Städten Mittelitaliens verwendeten sie zudem als regionale Gottheit. Ursprünglich hatte Juno im Jahresablauf sogar mehrere Positionen, denn ihr waren die Zeiten des Neumondes gewidmet. Junos sprachliche, kultische und mythologische Verflechtungen sind so vielfältig und umstritten, dass nicht einmal ihr Ehemann eindeutig identifiziert werden konnte. Um diesen Posten bewerben sich, je nach Gelehrtenmeinung, die Götter Janus und Jupiter.

Großen Herrschern gewidmet: Juli und August

Natürlich erhielt auch Julius Cäsar als Verursacher der Kalenderreform seinen ehrenvollen Platz im Jahresablauf. Die Bezeichnung Juli geht auf ihn zurück. Den Juli gibt es seit 44 v. Chr., dem Jahr, in welchem der große Staatsmann ermordet wurde. Vorher trug dieser Name die Bezeichnung quintilis. Dies bedeutete so viel wie "der Fünfte" und bezog sich wiederum auf die alte, mit dem März beginnende Jahreszählung.

Den Nachfolger und Adoptivsohn Cäsars nannte man später Augustus (der Erhabene). Er lebte von 63 v. Chr. bis 14 n. Chr. und war der erste echte Kaiser des Römischen Reichs, welchem er zu Wohlstand und Stabilität verhalf. Man verehrte den Kaiser später als Gottheit und benannte den Monat August nach ihm, weil er in diesem erstmals Konsul geworden war. Da Augustus jedoch ideologisch hinter dem großen Julius Cäsar nicht zurückstehen durfte, erhielten die Monate Juli und August je 31 Tage. Zum Ausgleich musste der Februar einen Tag abgeben.

Von September bis Dezember: die Spuren des alten Zeitsystems

Die Begriffe September, Oktober, November und Dezember sind im Prinzip lediglich Zahlwörter, welche an die Position der betreffenden Monate vor 153 v. Chr. erinnern: "Septem" bedeutet sieben, "octo" heißt acht, novem lässt sich mit neun übersetzen und "decem" ist das lateinische Wort für zehn. Trotz ihrer nicht mehr zutreffenden Aussage sind diese Begriffe bis heute erhalten geblieben.

Eine fehlgeschlagene "Umtaufung"

Der fränkische Kaiser Karl der Große versuchte jedoch einst, die altrömischen Monatsnamen durch logischere Begriffe zu ersetzen. Seine Idee: Hartung, Hornung (Februar, die Zeit, in der Rot- und Rehwild die Hörner abwirft), Lenz (März. "Lenzen" bedeutet längen, bezogen auf die länger werdenden Tage.), Ostermonat, Wonnemonat, Brachmonat, Heumonat, Erntemonat, Holzmonat, Weinmonat, Windmonat und Christmonat.

Obwohl einige dieser Namen lange Zeit alternativ verwendet wurden, konnten sie sich nie vollständig durchsetzen. Im heutigen Sprachgebrauch haben daher lediglich "Lenz" und "Wonnemonat" als Synonyme für März und Mai überlebt.

Autor seit 5 Jahren
97 Seiten
Laden ...
Fehler!