Humor ist das, was manche Leute nicht haben

Ein offensichtlich humorvoller Hartz IV-Empfänger erlaubte sich jüngst einen Spaß. Bei seinem zuständigen Jobcenter in Düsseldorf verkündete er, dass er durch die Zeit reisen könne. Jedoch arbeiten in solchen Behörden keine leichtgläubigen Menschen, weshalb grundsätzlich jede Kleinigkeit belegt und bewiesen werden muss.

Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass das Jobcenter Düsseldorf  von seinem Kunden einen Beweis für dessen Zeitreisen forderte. Selbstverständlich kam der 41-jährige dieser Aufforderung nach. Er fertigte per Fotomontage ein Reisedokument an. Dieses fingierte Dokument enthält Einreisestempel verschiedener Länder. Ein Stempel weist ein Einreisedatum anno 1970 auf, also zwei Jahre vor seiner Geburt. Obwohl es sich um einen offenkundig erfundenen Reisepass handelt, scheinen die Mitarbeiter der Behörde von dessen Echtheit überzeugt.

Es ist  ja hinlänglich bekannt, dass Erwerbslose alles andere als vermögend sind. Reisen kosten Geld. Da die Jobcenter für den Lebensunterhalt der Hartz IV-Empfänger aufkommt, ist es nur legitim, dass das Amt weitere Informationen verlangt.

Der Leistungsbezieher soll belegen, wie er die Exkursionen in die Vergangenheit, insbesondere jene, die ihn in eine Zeit vor seiner Geburt brachten finanziert hat.
Wie ihm diese Reisen gelungen sind, interessiert übrigens niemanden. Das ist zweifelsohne auch besser für den Leistungsempfänger. Somit muss er nicht zusätzlich belegen, mit welchen finanziellen Mitteln er die Zeitmaschine erworben oder eventuell selbst erbaut hat.

Ein Verstoß gegen die Erreichbarkeitsanordnung

Eine Kleinigkeit hatte der Zeitreisende jedoch vergessen. Er hatte es versäumt, das Amt vorab über seine Reiseabsichten zu informieren. Somit hat er klar entgegen der Erreichbarkeitsanordnung gehandelt. In dieser steht:

§ 2 Aufenthalt innerhalb des zeit- und ortsnahen Bereichs
Der Arbeitslose kann sich vorübergehend auch von seinem Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt entfernen, wenn:

1.    er dem Arbeitsamt rechtzeitig seine Anschrift für die Dauer der Abwesenheit mitgeteilt hat,

2.    er auch an seinem vorübergehenden Aufenthaltsort die  Voraussetzungen des § 1 Abs. 1 erfüllen kann und

3.    er sich im Nahbereich des Arbeitsamtes aufhält.

Zum Nahbereich gehören alle Orte in der Umgebung des Arbeitsamtes, von denen aus der Arbeitslose erforderlichenfalls in der Lage wäre, das Arbeitsamt täglich ohne unzumutbaren Aufwand zu erreichen.

Im Klartext bedeutet dies, dass ein Leistungsempfänger seine Wohnung für ein paar Stunden angstfrei verlassen darf. Sollte er aber beispielsweise seine Mutter pflegen wollen, die 50 km entfernt lebend von einer Grippe für ein paar Tage außer Gefecht gesetzt wurde, ist er dazu verpflichtet, dies seinem Sachbearbeiter umgehend zu melden. Tut er dies nicht, so muss er mit Sanktionen in Form von Geldkürzungen rechnen. Bei einer Abwesenheitsmeldung muss allerdings auch immer klargestellt werden, dass in dieser Zeit kein Geld verdient wird. Gegebenenfalls sind entsprechende Beweise vorzulegen.

Die angeblichen Reisen führten den Leistungsbezieher jedoch in die Vergangenheit und sogar in einen Zeitraum der vor seiner Geburt lag. Somit hatte er sich unerlaubt aus dem vorgeschriebenen zeit- und ortsnahen Bereich entfernt. Wäre just in diesem Moment seiner Abwesenheit ein für ihn passendes Jobangebot herein gekommen, so wäre es dem Jobcenter unmöglich gewesen, ihm dies mitzuteilen. Im Gegenzug hätte er auch keine Gelegenheit gehabt, sich innerhalb der vorgegebenen Richtlinien auf die betreffende Stelle zu bewerben.

Daher besteht das Jobcenter Düsseldorf auf Strafverfolgung. Ein Anliegen, mit dem sich derzeit das Sozialgericht in Düsseldorf befassen muss (Az: S 40 AS 2814/13).

Doch in diesem Verfahren geht es nicht nur um die versäumte Mitteilung besagter Zeitreisen. Vor allem ist es ein Kampf zwischen menschlichem Humor und chronisch unmenschlicher Borniertheit.

Unklar ist, wie der Leistungsempfänger seine Reisen finanziert hat. Genau dies möchte das Jobcenter vor dem Sozialgericht herausfinden. Scheinbar wittert die Behörde hier ein verheimlichtes Vermögen. In einem solchen Fall könnten strenge Sanktionen, wie sofortige Streichung sämtlicher Leistungen verhängt und zudem eine Rückzahlung der bisher geleisteten Zahlungen eingefordert werden.

Mitarbeiter der Jobcenter arbeiten stets gewissenhaft

Liebe Leut, die Ihr beim Jobcenter Düsseldorf tätig seid!

Es ist überaus erfreulich, dass Ihr Euren Job unter Einsatz der höchstmöglichen Hirnleistung ausübt. Ein weiteres Mal zeigt sich, wie gewichtig die Gründlichkeit deutscher Behörden ist. Mit diesem Pflichtbewusstsein werdet Ihr es garantiert in kürzester Zeit schaffen, jegliche Geldverschwendung zu unterbinden (wenn es Euch nicht bereits in der Vergangenheit gelingen wird).

Eure Gewissenhaftigkeit beruhigt einen jeden Bürger. Seid Ihr doch dazu berechtigt, das Leben jener Menschen zu bestimmen, die ihre Schmarotzerexistenz auf Kosten der Gesellschaft fristen. Da ist es mehr als gerecht, dass Ihr für Euren Kampf gegen ein solches Parasitismus Steuergelder verwendet und auf eine Strafverfolgung wegen eines imaginären Vergehens zu bestehen.
Künftig wird sicherlich niemand mehr an Eurer Kompetenz zweifeln!

SANTA HATES YOU - Hexenpolizei - ein sehr passendes Lied ;)

Zur allgemeinen Information:

Zeitreise ist keine Sonderfahrkarte der Deutschen Bahn und ebenso wenig eine neugegründete Fluggesellschaft. Es existiert auch sonst keinerlei Verkehrsmittel, welches eine Reise durch die Zeit ermöglicht. Die einzige Methode dennoch eine derartige Exkursion zu unternehmen, ist nur machbar, indem man seine eigene Fantasie aktiviert.

Zwar existieren Bücher, die ihre Leser in eine Reise durch die Zeit entführen. Auch gibt es Filme, die ihre Zuschauer zu einer ebensolchen Expedition mitnehmen.  Allerdings sind auch diese allesamt ein Fantasieprodukt der jeweiligen Autoren und haben mit der Realität nichts zu tun.

Wer etwas von der Welt leibhaftig sehen und erleben möchte, muss sich notgedrungen in der Jetztzeit auf den Weg machen. Natürlich kann sich auch jeder das Herumreisen für die Zukunft aufheben. Doch dies wäre ein Umherreisen in der künftigen Gegenwart und ist somit ebenfalls nicht als Zeitreise anzusehen.

Gegenwärtige Sachbearbeiter sind nicht allwissend

Aber woher sollten Mitarbeiter eines Jobcenters auch wissen, dass es selbst für einen Erwerbslosen nicht realisierbar ist, eine Reise in seine Vergangenheit und zudem auch noch in jene Zeit vor der eigenen Geburt zu unternehmen?

Davon auszugehen, dass ein ALG II-Empfänger, der zu Zeitreisen in der Lage ist, wiederholt in die Zeit zurückkehrt, in der es ihm finanziell, beruflich, psychisch und gesellschaftlich schlecht geht, zeugt von einem bornierten Verstand.

Es ist sicherlich logisch, dass der verbrecherische Erwerbslose eine solche Fähigkeit nicht dazu nutzen würde, sich mittels Zeitreisen in eine für ihn bessere Zeit zu transferieren.

Bemerkenswert finde ich in diesem Zusammenhang, dass sich niemand beim Jobcenter Düsseldorf an dem unechten Dokument stört. Dieser Zeitreisepass ist eindeutig mittels Fotomontage, Fantasie und Humor erschaffen worden. Denkbar ist, dass sich die Behörde diese Tatsache als Option aufhebt, sollte das Sozialgericht entgegen ihrer Hoffnung kein Strafverfahren einleiten. Somit ist eine weitere Klage, diesmal wegen Urkundenfälschung, nicht ausgeschlossen.

Vergangenheit, Zukunft, Gegenwart

Wohin ging denn nun die Fahrt?

Einmal angenommen, solche Zeitreisen seien wahrhaftig durchführbar. Der 41-jährige hätte folglich jederzeit versäumte Termine im Nachhinein rechtzeitig wahrnehmen können. Schließlich kann er ja zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her pendeln. Einen Verstoß gegen die Erreichbarkeitsanordnung könnte er demzufolge problemlos ungeschehen machen.

Allerdings ist er sogar in das Jahr 1970 gereist. Das Ziel seiner Reise war daher nicht nur zwei Lebensjahre vor seiner Geburt, sondern auch viele Jahre bevor überhaupt jemand auf die Idee der Agenda 2010 und Hartz IV kam. In die Gegenwart ist er dementsprechend aus der Vergangenheit heraus zurückgekehrt. Schlussendlich hat er seine Zeitreisen also unternommen, bevor er von den Leistungen des Düsseldorfer Jobcenters abhängig wurde. Dies wiederum bedeutet, dass ihn niemand für diese nicht genehmigten Reisen belangen kann.

Die Triskele kannte man bereits in der Steinzeit. Sie symbolisiert einen ewigen Kreislauf:

  • Leben, Tod und Geburt
  • schwarz, weiß und grau
  • Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft
Donnaya, am 27.10.2013
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