Deutschland

In der Regel erfolgt die Einschulung eines Kindes mit seinem 6. Lebensjahr. Noch nicht "schulreife” Kinder beginnen ein Jahr später. Auf Wunsch der Eltern kann ein schulreifes Kind auch mit 5 Jahren in die Schule gehen. Die einzelnen deutschen Bundesländer bieten unterschiedliche Termine zur Einschulung an. Die Vollzeitschulpflicht dauert 10 Jahre.

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Üblich ist in Deutschland, der deutschsprachigen Schweiz und Österreich die "Zuckertüte”. Das ist eine große Schultüte mit Geschenken. Heute erhalten die Kinder unter anderem Süßigkeiten, Geld, Bücher oder neue Handys. Verwandte des Erstklässlers und Freunde der Familie sind eingeladen. Oft findet am ersten Schultag ein ökumenischer oder inter-religiöser Gottesdienst statt. Die Eltern oder Gäste begleiten in der Regel das Schulkind. Es ist festlich gekleidet und nimmt seine Schultüte mit in die Schule. Üblich sind Willkommens-Reden des Schuldirektors und Aufführungen älterer Schüler. Gesänge oder Theaterstücke werden geboten. Dann erfolgt ein kurzer Unterricht. Im Familienkreis startet dann eine große Feier. Das Kind steht im Mittelpunkt. Fotos zu knipsen und Videos zu drehen ist üblich - als Andenken für die Familie. 

Heute erhalten Erstklässler in Deutschland oft mehrere Schultüten als Geschenk. Soziologen warnen vor Übertreibungen - der finanzielle Aufwand beim Schuleintritt der Sprösslinge zeige den sozialen Status der Eltern an. Arme Kinder würden ausgegrenzt.

Russland

In Russland erfolgt die Einschulung am 1. September. Dieser Tag wird "Tag des Wissens” genannt. Die Mädchen tragen weiße oder bunte Bänder in den Zöpfen. Der Schulanfang ist ein Fest für die ganze Familie: Es kommen Onkel und Tanten, Kusinen und Vettern. Auch die Großeltern werden geladen. Die Schulfeier findet in der neuen Schule statt. Zuerst begrüßt der Direktor die geladenen Gäste. Jedes Kind lernt seinen persönlichen Begleiter kennen. Dieser Ansprechpartner für Probleme soll dem Kind helfen sich in die Schulgemeinschaft einzufügen. In Russland sind Lehrer eine Respektperson. Deshalb erhalten alle Klassenlehrer einen Blumenstrauß. Die Familie des neuen Schulkindes feiert privat weiter. Gutes Essen und Trinken sind selbstverständlich. Leider bekommen die Kinder selbst kein Geschenk. Schon jetzt wird von ihnen erwartet, dass sie einige der großen russischen Helden kennen. Ob Puschkin oder Tolstoi - Nationalstolz ist wichtig in Russland.

Tafel, Flagge, Holz, Text, Übersetzen

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Brasilien

In Brasilien gehen die Kinder mit 7 Jahren zum ersten Mal in die Schule. Termin ist der 5. Januar. Auf dem Land ist der Kauf und das erste Tragen der Schuluniform etwas Besonderes. Eine besondere Schulfeier findet in ländlichen Gegenden nicht statt. In Brasilien ist der Schulweg für Kinder aus ländlichen Gebieten weit. Sie sind selbständiger als ihre städtisch geprägten Altersgenossen. In größeren Städten begleiten Eltern ihre Erstklässler in der Regel zur Schule. Es wird ein Rahmenprogramm geboten mit Ansprachen, Musik und Tanz. Die Schulpflicht für Kinder besteht bis zum 14. Lebensjahr. Die Grundschule dauert 8 Jahre. Danach folgt die Sekundarschule mit 4 Jahren. Arme Familien in Brasilien können sich weder Schuluniform noch Schulbücher leisten. Zusätzlich leiden öffentliche Schulen unter einer mangelhaften Infrastruktur und häufigen Streiks der schlecht bezahlten Lehrer. 

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Frankreich

Wenig spektakulär wird ein Kind in Frankreich eingeschult. Es gibt keine Zeremonien. Das französische Schulsystem unterscheidet sich sehr vom deutschen Bildungssystem. Mit 3 Jahren besucht das Kind die Vorschule (ecole maternelle). Dort lernt es Stundenpläne und Schulfächer kennen. Hausaufgaben gibt es noch nicht. Die Vorschule gehört zum französischen nationalen Bildungswesen. Kinder sollen dort Regeln und Techniken lernen.

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Mit sechs Jahren wechseln die Kinder zur Grundschule (ecole primaire). Ab dem 1. Tag bekommen sie Hausaufgaben. Die meisten Kinder freuen sich darüber, denn sie zählen jetzt zu den "Großen”. Was macht diesen Tag besonders? Die Eltern begleiten ihre Kinder zur Schule. Französische Eltern und Kinder leiden nach eigener Aussage unter Stress beim Schul-Einkauf in den Wochen vor der Einschulung. Ihre Einkäufe richten sich nach Vorgaben der staatlichen Schulanfangsliste: Sie schreibt Form, Größe, Farbe und Marke des Schulmaterials vor. Das empfinden viele französische Eltern als große Belastung.

Großbritannien

Am 31. August beginnt für Erstklässler der Ernst des Lebens. Im vereinten Königreich ist das Schulsystem nicht einheitlich für die Länder England, Schottland, Wales und Nordirland. Kinder beginnen ihre Schullaufbahn mit 5 Jahren. Sie tragen in der Regel eine Schuluniform. Bereits vor dem großen Tag besuchen Lehrer die neuen Schüler zu Hause.

Lernen in GroßbritannienBildquelle: geralt / Pixabay.com

Am Tag der Einschulung ist das Anziehen der Schuluniform und passender Schuhe ein großes Ereignis. Der neue Schüler wird von Eltern oder Verwandten begleitet. Fotos werden gemacht, eine Besichtigung der neuen Klassenräume gehört zum guten Ton. Nach 15 Minuten müssen die Begleiter die Klasse verlassen: Der Unterricht beginnt!

Indien

In Indien findet die Einschulung mit 4 Jahren und immer am 1. Mai statt. Die Schüler stammen aus der Mittel- und Oberschicht und besuchen oft Privatschulen. Aus den unteren Schichten wird nicht einmal die Hälfte der Kinder eingeschult. Armut verhindert hier den Schulbesuch.

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Das Kind isst zu Hause vor seinem großen Tag einen Joghurt aus Kuhmilch. Er bringt nach indischer Auffassung Glück. Die Schuluniform wird angezogen. Mädchen erhalten einen besonderen Segen: Ihnen wird ein roter Punkt (Tilaka oder Tika) auf die Stirn gemalt. Er symbolisiert das "dritte Auge”. In Indien besuchen nur ca. 50 Prozent der Mädchen eine Schule. Die meisten werden sie bis zum 12. Lebensjahr wieder verlassen. Eine gute Ausbildung für Mädchen halten viele Inder für zu teuer und unnütz. Sie streben eine frühe Heirat und die Mithilfe des Mädchens beim Geldverdienen an. Gefeiert wird der erste Schultag nicht. Hohe Erwartungen der Eltern belasten bereits den Erstklässler. Seine schulische und spätere berufliche Karriere beeinflusst die Zukunftsperspektiven der Eltern. Indische Eltern schämen sich, wenn ihr Kind in der Schule versagt. Ihr Ansehen in der Öffentlichkeit leidet bei schlechten Noten ihres Nachwuchses.

Welche Schultüten gefallen Ihnen besser? Selbst gebastelte oder gekaufte?

Nigeria

In Nigeria besuchen Kinder mit 3 Jahren bereits eine Vorschule. Deshalb ist die Einschulung nichts außergewöhnliches in Nigeria. Die Kinder kennen bereits das ABC. Viele Eltern begleiten ihre Sprösslinge aber zum Schulanfang. Die Kinder stellen sich auf dem Schulhof in Reih und Glied auf. Lehrer kontrollieren zuerst die Sauberkeit ihrer Fingernägel.Dann wird gesungen und geturnt. Danach beginnt der eigentliche Unterricht. Das einzige Ritual im Elternhaus ist der Kauf der Schuluniform vor der Einschulung und das Ankleiden zum ersten Schultag. Geschenke erhalten die Kinder nicht. 

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Schule, Bildung, Afrika

In Nigeria dauert die Grundschule 6 Jahre. Danach können die Schüler 3 Jahre lang die Mittelschule besuchen. Die Regierung verantwortet die Bildung ihres Landes. Angesehen sind die in Nigeria betriebenen Schulen unter kirchlicher Trägerschaft und die Koranschulen. Offiziell sind die Grundschulen kostenfrei, tatsächlich zahlen Eltern oder Verwandte des Kindes Schulgeld. Das Schulsystem Nigerias orientiert sich immer noch am britischen Schulsystem. Es wurde während der Kolonialzeit Nigerias (ab 1850 bis zur Unabhängigkeit Nigerias 1960) von den Briten eingeführt. Bis heute sind öffentliche Schulen mangelhaft ausgestattet. Fehlendes Lehrmaterial sind ebenso ein Problem wie mangelhaft ausgebildete Lehrer. Wer es sich leisten kann schickt sein Kind deshalb auf Privatschulen oder zur Ausbildung ins Ausland.



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