Bücher von der Kindheit bis zum Studium

Da wäre zunächst Pinocchio: Ich liebte es als Kind, las es immer wieder und bemühte mich von da an, immer die Wahrheit zu sagen! Dies verstärkten später auch die Karl-May-Bücher, die ich fast alle - 52 an der Zahl! - mit 11 Jahren, meist unter der Bettdecke mit Taschenlampe, las! Ich mochte auch "Heidi", die griechischen Sagen, "Das fliegende Klassenzimmer", und las gerne auch die Bücher meines Bruders wie "11 Freunde müsst ihr sein".

Eigentlich gehört auch hierher, welche Bücher ich nicht mochte: "Der Trotzkopf" zum Beispiel, von dem viele meiner Schulfreundinnen schwärmten, ich litt mit der Heldin im Internat, fand sie dann aber doof und mit gebrochenem Willen, weil brav zur Ehefrau mutierend. Dagegen hatten schon meine Mutter und Großmutter emanzipatorische Erziehung gesetzt. Genauso wie ich später es unverschämt fand, mich durch über 1.000 Seiten zu wälzen in "Vom Winde verweht", nur damit die wirklich in meinen Augen dumme Heldin mit leeren Händen am Schluss da stand, sich in den Falschen verliebt hatte.

Übrigens war ich sehr fleißige Kundin der Werkbibliothek der Farbwerke Hoechst Gendorf, in meinem Heimatort. Dort lieh ich wahnsinnig gerne Geschichtsbücher aus über die "Königin Hatschepsut" etwa oder über den Trojanischen Krieg. Letzteres liebte ich mit seinen plastischen Zeichnungen so sehr, dass ich es über ein Jahr hinweg nicht zurück gab, bis sie mich ernsthaft mahnten. Und dann lieh ich es sofort wieder aus... Ach, ich war eigentlich auf Seiten der Trojaner., 

Die ersten Bücher, die sich ins Gedächtnis einbrannten
PinocchioJean-Paul Sartre: Das Sein und das Nichts (Klas...Max Frisch: Stiller

Bücher können ein Leben beeinflussen

Sartres "Das Sein und das Nichts" las ich mit 15 Jahren. Das ließ mich von da an zum überzeugten Existenzialisten werden. Denn Lesestoff kann in der Pubertät bis einschließlich etwa 25 Jahren sehr beeinflussen, das wies ich später auch in meiner Dissertation über Literatur und Leseverhalten nach. Ich wählte im Philosophie-Studium später Existentialismus als Schwerpunkt, was sogar die Professoren überraschte, denn es galt eigentlich als schwieriges Prüfungsthema - doch nicht für mich.
Wem das als Empfehlung für Lektüre zu schwer erscheint, dem seien also eher die Theaterstücke von Sartre ans Herz gelegt wie "Die Fliegen" oder "Geschlossene Gesellschaft". Überflüssig eigentlich zu erwähnen, dass ich dadurch, auch über Camus und Ionesco, zu einer Anhängerin des absurden Theaters wurde, in dem ich mich auch selbst versuchte. Bei einem weiteren Wettbewerb, noch als Schülerin vor dem Abitur, produzierte die ARD ein Fernsehspiel von mir, "Das Gesellschaftsspiel": hochtragisch, ein Selbstmordstück, bei dem Peter Handke als Jurymitglied mir mit Recht konstatierte, dass hier wohl Sartre mein Vorbild gewesen sein mussste. Was ich nicht bestreite.

Ich liebe Dürrenmatt und Frisch, auch wieder sehr ihre Theaterstücke. Es ist immer schwierig, nur eines der Werke auszuwählen, aber hier muss es der Roman "Stiller" sein von Max Frisch als Beispiel für die Identitätsprobleme des modernen Menschen. Diesem Buch verdankte ich meine 1er-Deutsch-Note im Abitur.

"Der Name der Rose" ist ein Buch, das ich auf eine einsame Insel mitnehmen würde, das ich gerne wieder lese, nicht der " Krimihandlung" (die der Film nur übernahm) wegen, sondern vor allem auch der Auseinandersetzung und Dialoge zu Mystik und Scholastik wegen. Außerdem gelang Eco, dessen Foucaultsches Pendel ich auch wunderbar finde, eine der zartesten und erotischsten Liebesszenen darin.

Aufs Pferd gekommen und weitere Anregungen

Ich finde es aufschlussreich, warum man genau dieses oder jenes Buch auswählt, das man entweder liebt oder das einen beeinflusste, so wie mich, die ich erst in mittlerem Alter zu den wunderbaren Pferden kam: Monty Roberts, den ich persönlich als humorvollen, souveränen Mann kennenlernte und interviewte, war d e r Wegbereiter für verständnisvollen Umgang mit Tieren. Alle ihm nachfolgenden Hunde-, Katzen-, Hamster-, Bienenflüsterer verdanken ihm viel (und können ihm meist nicht das Wasser reichen). Wichtig auch zu erwähnen, dass sein Originalbuch heißt: "The man who LISTENS to the horses". Heute schreibe ich selbst über Pferde!

Ich liebe "Also sprach Bellavista" Und ich gebe es zu: Es beeinflusste mich auch formal sehr bei meinem "Mein andalusischer Gärtner"! De Crescenzo beschreibt aktuell Diskussionen mit einem Taxifahrer in Neapel und stellt dazu passend je einen Vorsokratiker gegenüber mit dessen Weisheiten. Ich kann es dringend als Querschnitt der griechischen Philosophie empfehlen in dieser unterhaltsamen Art und ich werde nie vergessen, was ich als Argumentation übernahm: de Crescenzos Gegenüberstellung von Nord- und Südländern: Im Norden ist man effizient und duscht lieber schnell und energiesparend, im Süden ist man Genussmensch und zieht sich mit der Zeitung in eine Badewanne zurück! Einmal darf man raten, wo ich mich sehe.

In meinem Buch "Mein andalusischer Gärtner" stellte ich Anekdoten unseres neuen Auswandererlebens den praktischen Fauna- und Floratipps eines einheimischen Gärtners gegenüber. Viele meiner Leser/innen halten es immer noch für mein bestes Buch.

 

Leben in Spanien und spanische Bücher

Seit 17 Jahren lebe ich nun in Spanien und lese vor allem Bücher in Spanisch, bevorzugt über historische Themen, denn in Deutschland lernt man ja nicht gerade viel über die Geschichte Spaniens. Deshalb gehört hierhin unbedingt mein erstes von mir in der Originalsprache gelesenes Buch, nämlich "Die Kathedrale des Meeres". Ich suchte es vordergründig aus, weil es in einfacheren Dialogen war! Zugleich kann ich aber auch jedem die deutsche Übersetzung empfehlen, die faszinierend den Beginn der Reconquista im Norden Spaniens beschreibt, katalanische Verhältnisse und warum die Großgrundbesitzer entstanden und damit die größer werdende Schere zwischen arm und reich. 
Ich konnte erstmals dann auch so wunderbar in Gesellschaft mit spanischen Leserinnen über dieses Buch diskutieren, das alle gut finden! 

Zum Glück ist auch in Deutschland "Der Schatten des Windes" sehr bekannt und beliebt geworden ist und außerdem ein Weltbestseller!

 Arturo-Perez-Reverte ist ein weiterer wichtiger spanischer Autor. Zum Glück gibt es von ihm auch Übersetzungen ins Deutsche: Empfehle "Königin des Südens": Es geht einem ein Licht auf über das korrupte Marbella und überhaupt den Drogenhandel an der Costa del Sol. Ein Muss! Leider hat sich nicht viel gebessert inzwischen...

Und fehlen darf auch nicht Isabel Allendes "Das Geisterhaus", nicht direkt spanisch, sondern stellvertretend auch für die Erzählmacht lateinamerikanischer Schriftsteller.

 

Arlequina, am 09.10.2018
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Bildquelle:
Sabine Kranich (Das Landleben-Buch aus Portugal)

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