Glücksdatum?

Ich wurde an einem 7.7. geboren, zu Hause, in Altötting. Es gäbe also ein Geburtshaus, an dem man später so eine Messingtafel über mich anbringen könnte - wenn ich einmal richtig berühmt und tot wäre. Seit ich mich erinnern kann, hörte ich immer: "Was für ein Datum! Das bringt Glück!" Laut selffullfilling prophecy glaubst du dann daran, dass du ein Glückskind bist. Wenn mein jüngerer Bruder und ich um etwas würfelten, dann gewann in 99 Prozent aller Fälle wirklich ich zu seiner Verzweiflung. So wie heute mein Mann sich immer ärgert, dass bei meiner Parkplatzsuche tatsächlich (fast) immer einer für mich genau vor der Tür heraus fährt, bei ihm natürlich nicht.

Ich wuchs auf mit Wörtern, jenen aus Grimms Märchen, die meine Mutter uns frei am Abend vor dem Zubettgehen erzählte. Ich soll dann immer gesagt haben: "nochmal". Einmal probierte es meine Mutter sieben Mal hintereinander  mit "Schneewittchen" aus. Als ich danach immer noch sagte: "nochmal", gab sie heiser auf!

Lesesüchtig

Bevor ich schrieb, las ich. Ich musste erst lesen und etwas erleben, bevor ich Storys niederschreiben konnte, war meine Einstellung. Ich las mit der  Taschenlampe unter der Bettdecke bis nachts um zwei Uhr und musste dann als Fahrschülerin um 06.00 Uhr aufstehen. Da las ich dann weiter im Zug und hatte öfters keine Zeit für Hausaufgaben oder schrieb sie schnell im Zug ab, weshalb meine Schrift natürlich zu einer "Ärzteklaue" wurde. Keiner wünscht sich handgeschriebene Briefe von mir.

Wie allgemein bekannt, erhält man durch Lesen einen guten Wortschatz. Ich liebte das Fach Deutsch und wurde führend in Deutschaufsätzen. Das ging später im Gymnasium so weit, dass mein armer Bruder, der mir auf der Schule nachfolgte, sich die vorgelesenen Musteraufsätze seiner Schwester anhören musste.

Über mein Aufwachsen in dem berühmt-berüchtigten bayerischen Wallfahrtsort kann man hier mehr nachlesen - als Gegenentwurf zum beschriebenen Leben des rezensierten Autors:

Wie ich wurde, was ich schreibend bin

So, und jetzt genug der Familien-Anekdoten! Ich überspringe nun meine Teenager-, Ausbildungs- und Studienjahre. Die kann man nämlich nachlesen auf meiner Autorenhomepage:

http://historiette.jimdo.com/schreibbiografie-wie-ich-wurde-was-ich-schreibend-bin/

Dort findet man auch genauere Angaben zu meinen Büchern, den Erlebnissen bei meinen Lesungen und ein Kapitel über meine Pseudonyme. In unserem Beruf kann man nämlich ungestraft unter falschem Namen segeln!

Nur so viel:

  • Ich gewann mit 12 Jahren den zweiten Preis eines Schreibwettbewerbs einer Jungenszeitschrift,
  • wusste schon mit 13, dass mein Traumberuf nicht Bestsellerautorin, sondern Journalistin ist
  • Wurde mit 16 Fußballberichterstatterin bei der Passauer Neuen Presse
  • Bei einem weiteren Wettbewerb, noch als Schülerin vor dem Abitur, produzierte die ARD ein Fernsehspiel von mir, "Das Gesellschaftsspiel": hochtragisch, ein Selbstmordstück, das später wiederholt wurde und ich gute Minuten-Tantiemen damit kassierte.
  • Ich war danach so etwas wie ein Regionalstar im Landkreis Altötting.
  • Führte als Abiturabschluss zwei Theaterstücke in Burghausen vor 400 Zuschauern auf,
  • ging dann zum Studieren nach München - und verdankte dem eine Schreibblockade zwecks Verwissenschaftlichung! Verfolgte aber zielstrebig meinen Berufswunsch "Journalistin".
Die Theateraufführung in Burghausen - anstelle steifer Abiturfeier

Das absurde Stück "S-a-n-d-u-h-r"

Dissertation: "Die Werkbibliothek und ihre Benutzer"

In einigen Semesterferien arbeitete ich in der großen Werkbibliothek der Farbwerke Höchst, Werk Gendorf. Das fand ich so faszinierend, dass ich Prof. Dr. Adolf Haslinger, bei dem ich Vorlesungen über die damals neu aufkommende Trivialliteraturforschung belegt hatte, vorschlug, darüber zu arbeiten, da es wissenschaftlich über diesen Bereich bis dato kaum etwas gab. Ich nahm die Aufgabe der Wissenschaft nämlich wörtlich: etwas Neues" zu bringen - ich wollte nicht aus 251 Büchern das 252. schreiben.

Gut, dass ich vorher nicht wusste, dass dies fünf (!) Jahre meines Lebens kostete - klar neben meiner Tätigkeit als feste freie Mitarbeiterin beim Bayerischen Fernsehen bereits. Ich stellte nicht nur  die Geschichte der Werks- und Industriebibliotheken zusammen, sondern unternahm zudem eine Umfrage unter 17 repräsentativ ausgewählten Institutionen dieser Art, was bedeutete: Über 2.000 7seitige Fragebögen zu entwerfen, sie auszuwerten, wozu ich einen eigenen Fortran-Computerkurs belegen musste und dann noch zu schreiben.

Rita Kalbhenn

 

 

Links: Ich hatte auch eine "Doktormutter": Rita Kalbhenn, Diplom- Bibliothekarin der Dynamit Nobel AG, lange Jahre Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Werkbiblio-theken, die mir Originalunterlagen zugänglich machte und mir bei der Umfrage organisatorisch unter die Arme griff - ich verdanke ihr viel. Leider  ist sie verstorben vor zwei Jahren.

Meine erste erfolgreiche große Veröffentlichung

Da dem Börsenblatt des Deutschen Buchhandels meine Umtriebe nicht verborgen blieben, bot man mir an, die fertige Arbeit in ihrer Reihe "Soziologie und Wirtschaftsfragen des Buchhandels" zu drucken. So konnte ich mit dem Honorar meine Kosten für die Reisetätigkeit zu den Bibliotheken, ihren Tagungen, für die Datentypistinnen, die die Fragebögen damals noch in Lochkarten umwandeln mussten, abgelten. Anschließend erhielt ich Einladungen großer Firmen, um über meine Ergebnisse zu referieren. Auch, wenn ihnen die Ergebnisse nicht immer gefielen, nämlich, dass die gewerblichen Arbeitnehmer halt doch weniger Bücher lesen als sie gern gehabt hätten und auch mehr Unterhaltungsliteratur konsumierten als Sach- und Weiterbildungsbücher.

Meine Arbeit war mindestens zehn Jahre lang Prüfungsstoff für Bibliothekare. Der Doktortitel - ob der sich lohnte? Wenigstens werde ich bei Sitzungen nicht gebeten, Kaffee zu kochen! In der Festanstellung lohnt es sich vielleicht finanziell - aber dafür stieg ich auch später ein ins Berufsleben. Als Autorenname führt man ihn eh nicht und in Spanien, unserem jetzigen Wohnort, zählt ein deutscher Ingenieurstitel sehr viel mehr.

Und die Werkbibliotheken? Da blutet mir das Herz! Mein Untersuchungsgegenstand geht gegen Null und ist bald nur noch historisch interessant, weil eine ganze Generation von Nadelstreifenmanagern bei den sozialen und kostenlosen Einrichtungen der Industrie den Rotstift ansetzte.

Erstmal Managerin

Selbiger Rundfunkredakteur, der mir zum Doktorat riet, beschwor mich auch, nicht immer nur frei, sondern mindestens die 15 Jahre rentenversicherungspflichtig zu arbeiten. Da hielt ich mich auch daran und so gab es im Anschluss:

  • 2 Jahre als Chefredakterin der Jugendzeitschrift "Junge Zeit", später "X-Mag"
  • 9 Jahre Leitung der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Langenscheidt-Verlagsgruppe
  • 4 Jahre Aufbau und Leitung der Unternehmenskommunikation der Piepenbrock-Dienstleistungsgrupe in Osnabrück
  • Dann hatte ich die 15 Jahre voll und machte mich selbständig als Beraterin für interne Kommunikation, mit Lehraufträgen an den Universitäten München, Salzburg, Osnabrück.
  • In Spanien arbeite ich wieder vorwiegend in meinem geliebten Beruf als Journalistin, sowohl im Hörfunk wie bei einer Wochenzeitung.

In meiner angestellten Zeit war ich immer leitend tätig, von Anfang an. Ich war auch immer die einzige oder erste Frau unter männlichen Chefkollegen - ich habe das genossen, aber auch viel kämpfen müssen zur Durchsetzung meiner Ideen. Das ermüdet auf die Dauer, besonders auch, weil ich nicht intrigengeeignet bin. Da bin ich zu offen und ehrlich, vielleicht auch zu ungeduldig.

Aber darüber gibt es ja ein eigenes Buch, das ich wieder überarbeiten und neu auflegen will.

Auftritt beim Polyglottjubiläum

Entdeckung meines Humorpotentials

Während der Jahre bei Langenscheidt "entdeckte" mich Chefredakteurin Ute Dumitrescu von Cosmopolitan: "Sie können so unterhaltsam erzählen - wollen Sie das nicht bei uns als Glosse veröffentlichen?" Das war die Story, warum ich meinen Mann nach einer Motorradtestfahrt heiratete. So wurde ich die Partnerschaftsglossenautorin für Cosmopolitan - zu 1.500 DM damals pro gedruckte Story! Das waren noch goldene Zeiten für Freie. Als ich der großen Margrit Sprecher von "Weltwoche" in Zürich davon erzählte, kam spontan: "Aber das können Sie bei uns auch schreiben", und das Gleiche passierte mir mit der "Furche" in Wien.

Wie war das mit Klagenfurt?

Eines Tages erhielt ich aufgrund dieser Glossen eine Einladung zum Klagenfurter Publizistikpreis, mein Ausbilder beim Bayerischen Rundfunk hatte mich empfohlen. Man kann sich nämlich nicht selbst bewerben. Ich trug drei meiner Lieblingsglossen vor und hatte der Jury die Kopien aus "Cosmopolitan" zur Verfügung gestellt. Taktischer Fehler: Die waren entsetzt, sich aus dieser verruchten Frauenzeitschrift etwas anzuhören - ich hätte nur die Kopien der renommierten "Weltwoche" mit denselben Storys vorlegen sollen! Außerdem wurde ich zermahlen in der Kritik zwischen meinem Ausbilder (für mich) und dem damaligen Intendanten eines deutschen ARD-Senders (gegen mich). Es stellte sich heraus: Beide hatten dieselbe Freundin und wollten sich gegenseitig eins auswischen. Auf meine Kosten. Ich jedenfalls war völlig am Boden zerstört und erstmals und das einzige Mal mehr als verunsichert, ob ich mit Schreiben weiter machen solle.

Gewinner des damaligen Jahres war ein Reporter der "Weltwoche", der später Selbstmord beging.

Das Pagewizz-Jahr - Jetzt also auch online schreiben

Zum Online-Schreiben kam ich 2009 zunächst durch www.suite101.de. Als Fan von Mehrfachverwertungen meines Geschriebenen sowie Anhängerin der Anwendungen neuer Medien, war ich sofort Feuer und Flamme dafür. Ich habe dort auch viel gelernt.

Vieles gefällt mir nicht am Online-Schreiben, wenn man es stilistisch betrachtet: Der Trend zur häßlichen Substantivierung durch die Suchwörteroptimierung beispielsweise. Dann auch die Wiederholung derselben. In meinen Schreibworkshops, die ich ja auch veranstalte, wettere ich normalerweise dagegen. Das Schönste an der deutschen Sprache sind immer noch ihre lebendigen Verben!

Bei suite101 stehen inzwischen 260 Artikel von mir. Was mich dort stört, dass ich nicht in der ersten Person schreiben darf, was zu dem ebenfalls bei mir meist verpönten Gebrauch des unbestimmten Personalpronomens führt. Mein Glossen- und Satiretalent kommt also dort nicht zum Zuge!

Endlich bin ich "ich" bei Pagewizz

Deshalb war ich sofort begeistert, als mich Krimifreundin hierher brachte: Endlich konnte ich meine Anekdoten online stellen und fing deshalb mit meinem ersten Artikel gleich damit an:

Der Po kommt in Mode

Ein paar Zahlen

- Stand bei GoogleAdsense-Einnahmen 24. Februar 2013: 53,79 Euro. Das ist nicht viel, aber auch meine Schuld: ich habe mich erst vier Monate nach Beginn hier zu dieser ganzen Anmelderei entschlossen. Bei Amazon bin ich immer noch nicht, wir drehen uns da im Kreis wegen einer alten Anmeldung von mir. Ich bin da etwas schlampig, gebe ich zu.

  • Seit den letzten 3 Monaten, seit ich über die Schallgrenze der 100 Artikel komme, steigt der monatliche Input wenigstens so auf suite101-Niveau: zwischen 10 - 15 Euro monatlich
  •  Ich erreiche immer mehr Spitzen mit Klicks über 300 pro Tag
  • und bin stolz darauf, dass seit der Sommerpause kein Wert mehr unter 100 Klicks pro Tag fällt.

- meine "Bestseller" oder vielmehr Bestgeclickten:Wangenkuss

  1. Irrer Renner, auch zu meiner Überraschung: 10 wichtige spanische Modefirmen
  2. Wangenkuss-Zeremonie
  3. Eigene Weihnachtsgeschichte schreiben
  4. Interviews richtig führen
  5. Palmensterben im Süden Europas
  6. Festliche Garderobe für Silvester
  7. Tüchermode
  8. Omatag

Bisher gab es 8 Editor's Choice: Für

 Ach ja: mein Profilbild wechselte ich inzwischen fünf Mal, erst kürzlich wieder. Das hier war das erste:

Porträt

Was mir besonders an Pagewizz gefällt:

  •  die Gemeinschaft hier und Betreuung
  •  die Layout-Möglichkeiten.

Dazu muss ich gestehen, dass es noch nicht so lange her ist, dass ich die Sache mit den Spalten anwende und das Rechtschreibprogramm für meine vielen Tippdreher entdeckte. Weil ich zunächst meinte, damit könnte ich die Schrift kleiner stellen, um den Beitrag nicht so lang wirken zu lassen! Ja lacht nur. Aber wie man weiß, bringe ich gerne die Leute zum Lachen. Im nächsten Leben werde ich Kabarettistin.

9 Bücher bisher

So, das kürze ich jetzt ab, die Erfahrungen kann man hier in diversen Artikeln bereits nachlesen, in meiner Homepage - siehe oben - sowieso. Ich liste sie nur einmal auf, meine "Babies":

Motorradfahren mit Spaß und Verstand (vergriffen)

Kann Erfolg denn Sünde sein - Erfahrungen einer Karrierefrau (vergriffen)

Mein andalusischer Gärtner

Spanien für Fortgeschrittene (CD)

Wie der Herr so's G'scherr – Die Streiche meiner Tiere (vergriffen)

Was macht die Kuh im Swimmingpool? Freud und Leid des Landlebens

Das Kuriose-Tage-Buch. Originelle Gedenk- und Aktionstage

Saunageflüster - Worüber Frauen tuscheln, lachen, lästern

Raro, das europäische Wunderpferd

Von den beiden Gemeinschaftsproduktionen beziehungsweise Anthologien ganz schweigen:

"Encanto" über die Feria in Jerez und "Jede Menge Erben". Aber unter uns: Ein Freund von Anthologien bin ich nicht unbedingt. Das macht man eher am Anfang seiner Karriere.

Postscriptum. Inzwischen sind es mit Stand Ende 2015: Vier Jahre bei Pagewizz mit 198 Beiträgen und 124 Followern.

 

Arlequina, am 08.01.2013
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Bildquelle:
Gabriele Hefele (Wie schreibt man eine Glosse, Anekdote, Satire?)
Gabriele Hefele (Wie mache ich ein Porträt - geschrieben, nicht gemalt)

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