Was steckt dahinter?

Heiratsschwindler spielen mit den Erwartungen ihrer Mitmenschen und nutzen diese für ihre Zwecke aus. Sie wecken Träume und Sehnsüchte und enttäuschen letztlich die Hoffnungen, die das Opfer in sie gesetzt hat. Meistens hat der Heiratsschwindler die Absicht, sich zu bereichern - auf Kosten seines Opfers. Dazu muss er dem Opfer gegenüber seine wahren Absichten natürlich verbergen und ihm etwas vorgaukeln. Der Heiratsschwindler sagt seinem Opfer genau das, was es hören will  - er redet von großen Gefühlen, Liebe auf den ersten Blick, bedingungslosem Vertrauen und macht letztendlich Eheversprechen.

 

Das typische Opfer eines Heiratsschwindlers

Einem Heiratsschwindler kann grundsätzlich jeder aufsitzen. Die meisten Opfer sind jedoch weiblich, lediglich ein Viertel aller Betrogenen sind Männer. Gemeinsam ist ihnen, dass sie unerfüllte Sehnsüchte haben, welcher Art auch immer (meistens nach Liebe, Geborgenheit, ernsthafter Beziehung). Tritt dann ein redegewandter, auf den ersten Blick sehr sympathischer Mensch, in ihr Leben, sind sie gerne bereit, ihn als Erfüller ihrer Träume zu sehen. Sie glauben den Versprechungen, weil sie ganz einfach WOLLEN, dass sie wahr sind. Vor allem unselbständige Menschen sind anfälliger, einem Scharlatan aufzusitzen, sehnen sie sich doch oft nach einem Retter, nach einem Helden für ihren Alltag. In ihrem Helden können sie keinen Heiratsschwindler erkennen. Dafür sind sie dann auch gerne bereit, dem geliebten Menschen zu helfen, natürlich auch finanziell. Dabei geht es nicht nur darum, ab und zu mal eine Restaurantrechnung zu bezahlen, vielmehr bewegen sich die Zuwendungen in Größenordnungen, für die das Opfer nicht selten sogar Kredite aufnehmen muss. Auch wer schon einmal schlechte Erfahrungen in dieser Richtung gemacht hat, muss nicht zwangsläufig einen Heiratsschwindler erkennen können. Schließlich sucht man ja nach einem passenden Partner und freut sich, wenn man jemanden gefunden hat, der den Vorstellungen entspricht.

Das Vorgehen eines Heiratsschwindlers

Und genau an diesem Punkt setzt der Heiratsschwindler an: Bei den Vorstellungen und Erwartungen, die das Opfer hegt. Durch sein zumeist weltmännisches Verhalten signalisiert er Überlegenheit, sein meist extravaganter und ausschweifender Lebensstil lassen das Opfer glauben machen, es handele sich um einen gut betuchten Menschen. Oft tritt er als Arzt, oder Geschäftsmann auf und fährt ein teures Auto. Dieses ist meistens aber der einzige Besitz, den er hat. Das Haus am Gardasee, die Luxusyacht im Hafen und die großen Geschäftsgebäude  sind  erfunden.

Er nimmt mit seinem Opfer Kontakt auf, lernt sie oft über Zeitungsanzeigen oder mittlerweile auch über das Internet kennen. Während der ersten Zeit gibt er sich noch als großzügig und tolerant. Nach einiger Zeit kommt er in einen kleinen finanziellen Engpass und leiht sich etwas Geld vom Opfer. Der vergleichsweise kleine Betrag wird dann auch schnell wieder zurückbezahlt, um das Vertrauen aufzubauen und die Hemmschwelle für spätere größere Auszahlungen zu senken.

Diese Auszahlungen lassen dann auch nicht lange auf sich warten. Der geschickte Heiratsschwindler bittet aber nicht von sich aus um Geld, sondern er lässt es sich regelrecht anbieten. Er erzählt von dem kleinen Engpass, in den er geraten ist und dass er das benötigte Geld zwar hätte, es aber leider gerade fest angelegt ist. Oder dass er auf Geld von einem Kunden wartet und selber aber zwischenzeitlich die Lieferung vom Hersteller bezahlen muss. Wenn er so geknickt erzählt, dass dadurch leider die Firma gefährdet ist, lässt sich so manch einer hinreißen, Hilfe beziehungsweise Geld anzubieten. Schließlich hat man ja schon gesehen, dass man es wiederbekommt. In der Folge gibt es natürlich weitere finanzielle Schwierigkeiten. Dem Heiratsschwindler ist es ja dann "furchtbar unangenehm", aber das Opfer legt oftmals noch nach. Möglicherweise auch aus der Angst heraus, dass das vorher eingesetzte Geld futsch ist, wenn man jetzt nicht hilft. Der Heiratsschwindler kann das Spiel so lange treiben, bis das Opfer die Lage erkennt und die Geldquelle versiegen lässt. Sobald der Heiratsschwindler erkennt, dass nichts mehr zu holen ist, wird er sich aus dem Staub machen und sich ein neues Opfer suchen. Besonders gerissene Heiratsschwindler lassen sowieso gleich mehrere Opfer gleichzeitig bluten.

So erkennen Sie einen Heiratsschwindler

Selbstverständlich trifft eine Charakterisierung nicht auf alle Heiratsschwindler zu. Auch umgekehrt besteht das Risiko, einen wirklich netten Menschen aufgrund einiger Merkmale in die Schublade "Heiratsschwindler" zu pressen. Aber es gibt einige Dinge, die stutzig werden lassen und die man auch hinterfragen sollte.

- Wenn sich die neue Bekanntschaft als Arzt, Anwalt, Geschäftsmann usw. ausgibt, dann ist es durchaus legitim, nach der Kanzlei oder der Praxis zu fragen. Gerade wenn man dem Menschen Geld leihen soll, empfiehlt es sich, die Räumlichkeiten und Besitztümer einmal anzuschauen.

- Heiratsschwindler treten weltgewandt, charmant und sehr höflich auf. Auch wenn man sich diese Eigenschaften von seinem zukünftigen Partner wünscht, so sollte man vorsichtig werden, wenn er mit einer allzu glatten Fassade aufwartet. Auch die Aussage beim allerersten Kennenlernen, man sei der/die einzig Richtige, sollte hellhörig werden lassen. Das gleiche gilt, wenn zu schnell von einer Ehe gesprochen wird.

- Sollte es zu einer Auszahlung kommen: Lassen Sie sich auf jeden Fall eine Quittung ausstellen oder sichern Sie sich vertraglich ab (mit Notar). Allerdings nützt Ihnen die beste Vorsorge nichts, wenn der Heiratsschwindler pleite ist und beispielsweise Privatinsolvenz angemeldet hat. Denn wenn nichts zu holen ist, werden Sie leer ausgehen. Außerdem wissen Sie nicht, wieviele Opfer noch in der Warteschleife der Gläubiger stehen.

 

Sophie1975, am 09.07.2012
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