Die Spechtfamilie (Picidae)

Im Wald "da sind die Räuber", aber auch die Spechte. Solange man ihren Lebensraum nicht noch mehr gefährdet. Besonders Totholzbäume sind für den Specht und seine Bruthöhlen überlebensnotwendig. Spechte sind nämlich die Zimmerleute und Wohnungsbeschaffer des Waldes.

Viele Vögel klettern in den Bäumen umher. Aber keiner davon ist so spezialisiert wie der Specht. Der kräftige Körper, die Zehen am Fuß, zwei nach vorne, zwei nach hinten gerichtet und der versteifte Schwanz zum Abstützen machen ihn zum wahren Kletterkünstler am Stamm entlang. Der kräftige Schnabel dient sowohl zum Nahrung suchen, zum Nisthöhlen hacken und zum Trommeln, der bekannten Spechtsprache. Das Verbreitungsgebiet dieser Vogelordnung ist fast weltweit.

In Mitteleuropa sind acht Arten als regelmäßige Brut- und Jahresvögel bekannt: Grau-, Grün-, Schwarz-, Bunt-, Mittel und Kleinspecht, Weißrücken- und Dreizehenspecht. Eine Art ist Brut- und Sommervogel: der Wendehals. Ein Ausnahmegast ist der Blutspecht.

Der Grünspecht als Jahresvogel 2014

Der Grünspecht ist "Vogel des Jahres 2014", der NABU und der Landesbund für Vogelschutz (LBV), haben den Picus viridis zum Jahresvogel gekürt. Auf den "Meckervogel" 2013, die Bekassine, folgt damit der "Lachvogel."

Er ist kleiner als eine Krähe, wird 31 - 33 cm groß und 220 g schwer. Sein grünes Gefieder und die auffallende rote Färbung und schwarze Augenpartie am Kopf machen ihn unverwechselbar, ein wenig ähnelt er Zorro mit der Augenmaske. Im Sitzen auffällig ist vor allem der rote Oberkopf. Junge Spechte neigen bei der Färbung mehr zu orange. Das Weibchen hat einen schwarzen Bartstreif, das Männchen präsentiert seinen Bartstreif jedoch in Rot. Er ist nach dem Buntspecht und vor dem Schwarzspecht die zweithäufigste Spechtart Deutschlands.

Bei uns lebt der Grünspecht von der Nordsee bis zu den Alpen als Stand- oder Strichvogel bevorzugt an den Rändern von Laub- und Mischwäldern. Er hat aber auch neben Streuobstanlagen die Parkanlagen und städtischen Grünflächen für sich entdeckt.

 Besonderheiten über den Grünspecht.

1) Hier wird nicht getrommelt, sondern gelacht!

Spechte kommunizieren nicht ausschließlich über Trommeln, sie haben auch typische Ruffolgen. Der Grünspecht bevorzugt, vor allem zur Balzzeit, einen lachenden Reviergesang, trommelt eher selten. Das verschafft ihm den Beinamen "Lachvogel".

Link zu NABU mit Video und Lachsalven.

2) Am Baum Hängen ist so was von gestern.

Hackspechte, wie Buntspecht oder Dreizehenspecht, hängen am Baum, trommeln, was das Zeug hält und bauen auch brav ihre Höhlen in morsche Bäume. Der Grünspecht findet das so was von gestrig.

Er zählt nämlich, gemeinsam mit dem Grauspecht, zu den sogenannten Erd- oder Grundspechten und ist somit eigentlich ein eher schlechter Kletterer.

 

3) Immer schön am Boden bleiben

Nicht ohne Grund gehört der Grünspecht (Picus viridis) innerhalb der Spechtfamilie zur Gattung der Erd- oder Grundspechte (Picus), denn er sucht seine Nahrung am Boden.

Stöbern in Ameisenhaufen oder im vermorschten Holz in Bodennähe ist seine Art der Nahrungssuche. Außerdem ist er ein Nahrungsspezialist. Leibspeise: Ameisen.

Grünspecht bei der Nahrungssuche

4) Essen Schaufeln ist der wahre Genuss

Der Grünspecht ist Spezialist. Seine schlanke wurmförmige Zunge, bis 10 cm lang, ist klebrig und an der verhornten Spitze zusätzlich mit Widerhaken versehen. Seine Zunge ist breiter als bei den anderen Spechten und damit löffelt er quasi die Ameisen aus ihren Gängen.

Mit dem Schnabel wühlt er trichterförmige Löcher in Ameisennester oder in morsche Baumstämme. Die Zunge fährt dann hinein und die weichen Larven, Puppen und Arbeiterinnen werden genüsslich herausgeholt. Bon Appetit!

Lesetipp: Ameisen - auf der Speisekarte und im Namen Wer steckt dahinter? Ameisenbär, Ameisenjungfer, Ameisenigel, Ameisenlöwe und noch mehr seltsames Getier.

5) Unter dem Schnee ist man als Ameise auch nicht sicher

Grünspechten sagt man nach, dass sie sogar unter dem Schnee, ja einer Schneedecke von bis zu 30 cm, noch treffsicher Ameisennester entdecken, diese ausgraben, aufwühlen und dann zur Mahlzeit schreiten. Arme Ameisen! Keine Winterruhe.

6) Wohnung frei?

Da der Schnabel vom Grünspecht nicht mehr unbedingt zum Holzhacken geeignet ist, sucht er vorwiegend nach leeren verlassenen Spechthöhlen. Ein wenig Nachbessern genügt und Schlaf- und Bruthöhle werden bezogen. Neue Höhlen werden ausschließlich in bereits krankes Weichholz neu angelegt.

 

Wer jetzt vom Grünspecht behauptet, er sei ein Weichei, ist ein Spötter.

Glücklicherweise hat sich der Bestand des Grünspechts in Deutschland wieder erholt. "Der Bestand liegt derzeit bei über 42.000 Brutpaaren und damit mehr als doppelt so hoch wie vor 20 Jahren", sagt NABU-Vizepräsident Helmut Opitz.

NABU und LBV setzen sich seit Jahren für den Schutz von Grünlandflächen ein. Denn durch die Intensivierung der Landwirtschaft verlieren der Grünspecht und andere Vogelarten zunehmend ihren Lebensraum und ihre Nahrungsgrundlage. Der Erhalt von alten Baumbeständen ist für viele Vogelarten überlebensnotwendig.

Projekte, die dem Grünspecht helfen - auch Ihr Beitrag ist nützlich und hilfreich.

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Quellen

  • Unbekannte Tierwelt, Weltbild, 1997 Augsburg
  • Mein Bildlexikon Tiere, Weldon Owen; Xenos Verlag, 2013 Hamburg
  • Tiere in ihrem Lebensraum, Dröscher; Ravensburger, 1988 Berlin
  • Vögel, Bechtermünz Verlag, 1999 Augsburg
Adele_Sansone, am 18.10.2013
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Bildquelle:
https://pagewizz.com/users/Adele_Sansone (Hast du eine Meise? Von Kohl-, Blau-, Hauben oder Tannenmeisen)

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