Die Familie der Meisen (Paridae)

Drei Familien gibt es unter dem Begriff: Meise.

Zur Systematik: Ordnung Passeriformes (Sperlingsvögel), Unterordnung Oscines/ Passeres (Singvögel).

  • Familie Aegithalidae: (7 Arten) Schwanzmeisen
  • Familie Remizidae: (10 Arten) Beutelmeisen
  • Familie Paridae: (46 Arten) eigentliche Meisen (Englisch: Tit)
  • Gattung Parus, alle Arten außer der Laubmeise im Himalaya Sylviparus modestus und der Sultansmeise Melanochlora sultanea Nepal bis Sumatra.
  • Parus nuchalis Weißflügel-Meise und Parus holsti Formosa-Meise sind bedroht.

Vorkommen. Es gibt keine Parus-Arten in Zentral- und Südamerika und AustraBlau- und Kohlmeiselasien.

Was haben alle Meisen gemeinsam?:

Meisen sind kleine rundliche Singvögel mit kurzem Schnabel, die geschickt im Gezweig herumturnen. Sie sind Insektenfresser, auf Körner steigen sie nur in der insektenarmen Jahreszeit (Winter) um. Meisen sind Höhlenbrüter. Die Jungen sind Nesthocker. Im Winter kommen Meisen in gemischten Trupps vor. Sie sind standorttreu, aber nördliche Meisen (Tannen- und Kohlmeisen) suchen im Winter mildere Klimate auf.

Welche Meisen gibt es bei uns?

Sechs Arten kommen in Europa vorwiegend vor. Die Kohlmeise gehört zu den am besten untersuchten Vögeln Europas. In verschiedenen Langzeitstudien werden seit Beginn des 20. Jahrhunderts Informationen zur Entwicklung von Kohlmeisenbeständen gesammelt.

  • Kohlmeise Parus major; engl. Great Tit
  • Blaumeise Parus caeruleus oder Cynaster caeruleus; engl. Blue Tit
  • Tannenmeise Parus ater; engl. Coal Tit
  • Haubenmeise Parus cristatus, engl. Crested Tit

  • Sumpfmeise Parus palustris, engl. Marsh Tit

  • Weidenmeise Parus montanus, engl. Willow Tit

Die größte Meise ist die Kohlmeise, die kleinste die Tannenmeise. Die auffälligste ist sicher die Blaumeise und die ebenfalls blau gefiederte Lasurmeise Parus cyanus, eine sehr helle, fast weiße Meise mit blauen Flügeln und Schwanz. Eindeutig bestimmbar ist auch die Haubenmeise mit ihrem grau-schwarzen Federschopf. Sumpf- und Weidenmeise allerdings sind schwer zu unterscheiden.

Fakten:

  • 10,4 Mio Brutpaare Kohlmeise
  • Blau und Tannenmeise 2,5 Mio
  • Sumpfmeise 700.000
  • Haubenmeise 450.000
  • Weidenmeise 216.000 (Quelle: Bezzel, das Leben unserer Vögel)
Blaumeise, Kohlmeise, Tannenmeise

Blaumeise (Bild: a.sansone)

Meisen als Strichvögel? Wie bitte? ... da hat einer echt 'ne Meise

Die Meise an meinem Vogelhäuschen muss nicht die gleiche Meise vom Sommer sein. Im Winter bevölkern ebenso nördliche Meisen, die für sie milderen Klimaregionen. Im Winter sind bei uns Kohlmeisen und Tannenmeisen aus Skandinavien und Osteuropa als Wintergäste.

Blaumeisen sind Standvögel (sie wandern nicht weg). Tannenmeisen wandern in großen Schwärmen, Kohlmeisen wandern in kleineren Gruppen

Glossar:

  • Jahresvogel, auch Standvogel: Vogel ist das ganze Jahr anzutreffen.
  • Wintergast: Vogelart aus nördlichen oder nordöstlichen Brutgebieten, die den Winter in Mitteleuropa verbringen.
  • Durchzügler: Ein Vogel, der sich auf dem Weg ins Winterquartier (Herbst) oder zum Brutgebiet (Frühjahr) begibt.
  • Kurzstreckenzieher: Im Gegensatz zu den Langstreckenziehern überwintern die Kurzstreckenzieher in einer Klimazone, die jener ähnlich ist, in der sie brüten. Die Strecke ist unter 2.000 km.
  • Teilzieher: Nicht alle Individuen einer Population ziehen, einige bleiben als Standvogel. Je nach Winter (mild oder hart) eine gute oder falsche Entscheidung.
  • Strichvogel: So bezeichnet man Vögel, die im Winter, wenn es sehr kalt wird, nahe, aber etwas wärmere Gebiete aufsuchen. Sie ziehen in einen anderen Landstrich, daher der Name.
  • Zug, Vogelzug: Regelmäßige saisonale und gezielte Wanderbewegung von Vögeln, die auch wieder zurückführen. Tipp: Zugvögel Sachbuch für junge Leser.
  • Invasion: Wenn plötzlich Vogelschwärme über einen Landstrich herfallen. Wurde früher als böses Omen angesehen. Hauptauslöser für Invasionen sind hohe Bestandsdichten oder die akute Verknappung lebenswichtiger Ressourcen wie Nahrung oder Wasser im Brutgebiet.

 

 

Meisen - Cleverer, als die Polizei erlaubt

Nur einige der Beispiele, die zeigen, wie clever Vögel, in diesem Fall, die Meisen, sind. Manches davon ist echt zum Schießen. Dabei verschiebt sich die (negative) Bedeutung des abfälligen Spruchs: "Du hast wohl ne Meise" gleich ganz.

  • Kohlmeisen merken sich bis zu 20 verschiedene Futterstellen im Winter.
  • Kohlmeisen und Buchfinken folgen heimlich Sumpfmeisen, die ihre Beute (Körner, Samen) verstecken, und plündern anschließend deren Versteck.
  • Auf den Britischen Inseln lernten Blaumeisen, bei den vom Milchmann vor den Häusern abgestellten Milchflaschen die Aludeckel zu öffnen. Dann klauten sie die Sahne, die sich innen am Deckel gebildet hatte.
  • In zwei besonders harten Wintern flogen Kohlmeisen in eine Höhle in Nordosten Ungarns, um dort überwinternde Zwergfledermäuse (Pipistrellus pipistrellus) in Ermangelung von anderem Futter zu suchen und zu fressen. Not macht erfinderisch.

Auch bei der Familienplanung sind Meisen keinesfalls dumm.

  • Die Gelegegröße  passt sich ans Futterangebot an – abhängig vom Raupenangebot zur Nestlingszeit. Bei hoher Dichte der Brutpaare gibt es weniger Eier und damit auch weniger Junge, die man durchfüttern muss. Meisennest

  • Auch die Bruthöhle bestimmt die Anzahl der Jungen: kleine Wohnung, weniger Kinder. Könnte "Mensch" noch davon lernen.
  • Schmarotzer im Nest werden bekämpft, indem die Meisen bei ihrem letzten Flug nicht Nahrung ins Nest bringen, sondern Pflanzen, die Parasiten vertreiben. Blaumeisen bringen dafür Büschel von Gundermann, Salbeigamander oder Brennnessel ins Nest.

 

Fesche Meisenmütter sind erfolgreicher

Es gibt nichts Kurioses, was es in der Tier-/ oder Pflanzenwelt nicht gibt.

So hat man herausgefunden, dass die schöner gefärbten Meisenweibchen die erfolgreicheren Mütter sind. Warum dies so ist, darüber können die Forscher noch keine abschließende Erklärung abgeben. Aber auch das werden sie in ein paar Jahrhunderten noch herausfinden, sicher.

Meisen: Vogelhochzeit und die Wohnungsnot - Nistkästen erwünscht

Natürliche Nistplätze der Meisen als Höhlenbrüter sind Astlöcher, andere Löcher in Bäumen von Wurzel aufwärts bis zur Wipfelregion. Als Nachmieter bewohnen sie gerne verlassene Spechthöhlen, aber auch Felsspalten werden genutzt. Die Tannenmeise benutzt auch Löcher im Bodenbereich. Nur Hauben- und Weidenmeise zimmern sich ihre Höhlen in weiches, morsches Holz selbst. In Siedlungsnähe benutzen Kohlmeisen aber auch Mauerlöcher und sogar Briefkästen! Das Nest wird ausgepolstert mit Moos, Haaren, Federn.

Der Mangel an natürlichen Nistmöglichkeiten (Totholz) ist bei vielen Vogelarten groß. Nistkästen sind also eine willkommene Hilfe bei der Vogelhochzeit. Artgerechte Nisthilfen ersetzen Baumhöhlen, bieten Sicherheit vor Fressfeinden sowie Schutz vor Nässe, Wind und Wetter.

Die Größe der Einflugöffnung spielt eine wichtige Rolle. 32 mm im Durchmesser sind ideal für Kohlmeisen. Blau-, Sumpf- und Tannenmeisen brauchen das Einflugloch kleiner (28 mm) "Vogelschutz ist praktizierter Artenschutz!" sagt www.Wildtierland.de.

Nistkastenpflege im Herbst: Reinigung Oktober/November. Das innen liegende Nest entfernen, mit heißem Wasser Nistkasten ausspülen. Achtung: Keine Reinigungsmittel verwenden. Den Nistplatz wieder aufhängen. Er wird als Schlafplatz auch im Herbst und Winter benützt.

Von Balzfüttern und Schachtelbrut

Balzfüttern

Beobachtet man im Spätwinter eine Meise, die ein heftig mit den Flügel zitterndes, hoch piepsende Rufe ausstoßende Meise füttert, so ist dies kein Jungvogel, der noch an Mamas Rockzipfel oder besser Schnabel hängt, sondern ein Männchen, das dem Weibchen seine Brutpflege-Qualitäten unter Beweis stellt. Und ein sinnvoller Beitrag, das Weibchen für das anstrengende Eierlegen und Brüten mit Extrafutter aufzupäppeln.

Schachtelbrut: Um Zeit zu sparen legt das Blaumeisen-Weibchen die Eier der zweiten Brut zwischen die bereits fast flüggen Jungen. Kaum verlassen die Jungen das Nest, wird vom Weibchen weiter gebrütet. Und der Meisenvater versorgt die ersten Jungen alleine weiter.

 

Jungvogel Fütterung

Jungvogelfütterung (Bild: a.sansone)

Meisen - ihre Brut und der Klimawandel

Meisen reagieren auf Klimawandel. Die Kohlmeise richtet ihren Brutbeginn vor allem nach dem Austrieb der Blattknospen. Denn ihre wichtigste Nahrung für die Aufzucht, Raupen, wachsen erst beim Austreiben des Laubs heran. Der Klimawandel und daher früher zunehmend wärmere Frühlingstemperatur bedeutet auch frühere Brutzeiten.

Entsprechend den Temperaturen und Niederschlägen im Frühling, reagiert die Vegetation. Ist der Frühling kalt und nass, treiben die Blätter der Bäume später aus und auch der Legebeginn der Meisen erfolgt verspätet. In Jahren mit später Vegetationsentwicklung sind die Gelege kleiner und die Jungensterblichkeit grösser. Beginnt der LaubaustriFoto: S. Cordiereb früher, brüten die Vögel ebenfalls früher.

Die Produktivität der Population wird also stark von den Klimaverhältnissen beeinflusst. Entsprechend dem Trend zu höheren Temperaturen brüten Kohlmeisen heute früher als vor 30-40 Jahren, und sie haben mehr Junge.

Quelle: PM Schweizerische Vogelwarte, Universitäten Bern und Gießen, sowie des Instituts für Vogelforschung Wilhelmshaven.

Link zur Studie

 

 

Im Winter den Meisen Futter anbieten - hilfreiche Tipps

Wer seinen gefiederten Wintergästen Gutes tun will, kann ihnen sogar das Vogelfutter selber zubereiten. Wie das geht, wird hier bestens erklärt.

Meisen - Tipps zum Beobachten

Am besten kann man die verschiedenen Meisenarten im Winter am FutterhäuscheBird Voice Pen oder Bird Miken beobachten. Eher beharrlich behauptet sich die Kohlmeise. Die Blaumeise, die ganz gut mit ihrem Schnabel zuzwicken kann, setzt sich ebenfalls gegen andere Vögel durch. Ein nervöser Gast allerdings ist die Tannenmeise. Schwups, ein Körnchen gepickt und ab in den nächsten Busch.

 

Am Ruf und Gesang sind die Meisen besonders im Frühjahr ebenfalls gut zu erkennen. Wem es Spaß macht, Vogelstimmen erkennen zu lernen, der ist mit dem Bird-Mike, einem Vogelstimmen-Automaten (Bird Voice Pen), gut beraten.

Wer im Juni/Juli sein Vogelhäuschen mit gehackten Erdnüssen befüllt und auch noch Meisenknödel hinhängt, kann mit ein wenig Glück die Fütterung der flüggen Jungmeisen beobachten. Wie sie von den Altvögeln lernen, sich ans Netz zu krallen und selig die ersten Stückchen selbst heraus picken.

Jungvögel brauchen unbedingt Insekten und tierisches Eiweiß (vorwiegend kleine Raupen) als Nahrung, also im Brutzeitraum (Mitte März bis Mai) KEIN Meisenfutter aushängen, erst wenn die Jungvögel flügge sind.

Eine Meise haben

Die Bedeutung ›nicht ganz bei Verstand sein; eine fixe Idee haben; närrisch sein‹ geht auf einen alten und verbreiteten Volksglauben zurück, dem zufolge Geistesgestörtheit durch Nisten von Tieren im Kopf verursacht wird. 

 

Was Redewendungen zum Thema Dummheit über unser Denken aussagen. "Gerade die Beschreibungen von Dummheit erlauben einen Blick auf die Vorstellungen, die wir uns von unserem Gehirn und seiner Tätigkeit machen", sagt Dagmar Schmauks. Die Sprachforscherin hat in ihrem Buch: "Denkdiäten, Flachflieger und geistige Stromsparlampen. Die kognitive Struktur von Redewendungen zur Dummheit." lesenswerte Beispiele gesammelt.

Interessante Fakten über Tierfamilien

Tierfamilie ist nicht gleich Menschenfamilie, oder doch? Lesenswertes zum Thema Tierfamilie:

Diese Zusammenstellungen sind frei ohne Anspruch auf Vollständigkeit verfasst worden. Wer noch weitere interessante oder abwegige Formen der Fürsorge um die Nachkommen kennt, darf dies gerne im Kommentarfeld ergänzen.

Adele_Sansone, am 10.02.2013
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Bildquelle:
NABU/P.Kühn (6 interessante Fakten über den Grünspecht)

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