Die Ordnung der Spechtvögel (Piciformes) - ein wenig Systematik

Schauen wir einmal, wo die Spechte im Vogelreich eingeordnet sind.

Die Ordnung Piciformes umfasst insgesamt sechs Familien mit etwa 380 Arten.

  • Alle sechs Familien sind Höhlennister: die Glanzvögel, Faulvögel, Bartvögel, Tukane, Honiganzeiger und die Spechte.
  • Die kleinsten Spechtvögel sind der Malaien-Mausspecht (Sassia abnormis) und der Schuppen-Zwergspecht, die nur 77 Millimeter groß und 7 Gramm schwer werden.
  • Die größten Spechtvögel sind Goldkehl-Tukan (Ramphastos ambiguus) und Weißbrust-Tukan (Ramphastos tucanus), die jeweils 61 Zentimeter lang und bis zu 500 Gramm schwer werden.

Wir kümmern uns um die in Europa bekannteste Familie der Spechtvögel, die Spechte (Picidae)

  • Ordnung: Spechtvögel (Piciformes)
  • Familie: Spechte (Picidae)
  • Unterfamilie: Echte Spechte/Stützschwanzspechte (Picinae)
  • Gattung: Picoides (Picoides)
  • Gattung: Erdspechte (Picus)
  • Gattung: Buntspechte (Dendrocopos)

*Manche Autoren stellen die Buntspechte (Dendrocopos) zur Gattung Picoides. Neuere DNA-Untersuchungen lassen aber darauf schließen, dass eine eigenständige, etwas enger umgrenzte Gattung Dendrocopos berechtigt ist und dass sich die übrigen zu Picoides gestellten Spechtarten auf zwei Gattungen verteilen. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.

 

Buntspecht

Buntspecht (Bild: Alexas_Fotos / Pixabay)

Welche Spechte gibt es bei uns in Mitteleuropa?

In Mitteleuropa sind acht Arten als regelmäßige Brut- und Jahresvögel bekannt:

  • Grau-, Grün-, Schwarz-, Bunt-, Mittel und Kleinspecht, Weißrücken- und Dreizehenspecht.
  • Der Wendehals, kein Scherz, den gibt es wirklich, ist ein Brut- und Sommervogel.
  • Ein Ausnahmegast ist der Blutspecht.

Die einzelnen Spechtarten sehen wir uns später noch genauer an.

Jetzt geht es einmal um die Frage, was an den Spechten so besonders ist?

 

1) Wussten Sie, dass der Specht ein Kletterkünstler ist?

Viele Vögel klettern in den Bäumen umher. Aber keiner davon ist so spezialisiert wie der Specht. Der kräftige Körper, die Zehen am Fuß, zwei nach vorne, zwei nach hinten gerichtet, um sich festzuhalten und der versteifte Schwanz zum Abstützen machen ihn zum wahren Kletterkünstler den Baumstamm entlang. Der kräftige Schnabel, der wie ein Meißel geschaffen ist, dient zum Nahrung suchen, zum Nisthöhlen hacken und zum Trommeln, der spechtischen Art zu kommunizieren.

Das Verbreitungsgebiet dieser Vogelordnung ist fast weltweit; abgesehen von den Polargebieten fehlen Spechtvögel nur in Australien, auf Neuseeland und auf Madagaskar.

*Kletterkünstler der menschlichen Art.

2) Zeig mir deinen Zeh und ich sage dir, welcher Specht du bist!

Wer so auf Bäumen klettert, braucht gutes Fußwerkzeug, denn die Hände und Arme sind bei den Vögeln ja zu Schwingen umgewandelt.

Die Füße sind hervorragend an das Klettern angepasst. Es gibt sie mit vier oder mit drei Zehen.

Zygodactyle Füße mit zwei nach vorne und zwei nach hinten weisenden Zehen ermöglichen das geschickte Klettern. Kräftige Krallen und bewegliche Zehen gewährleisten einen festen Sitz am senkrechten Stamm. Ein als Stützorgan perfektionierter Schwanz mit angepassten Schwanzfedern ermöglicht nicht nur einen "hammermäßig" festen Stand, sondern auch stammauf- aber auch abwärts zu klettern.

Mit vier Zehen klingt das ja noch ganz plausibel. Aber mit drei Zehen soll das auch noch funktionieren? Tja, vielleicht doch etwas weniger gut, denn es gibt immerhin nur eine Art, die dreizehig ist - den Dreizehenspecht. Beim 22 cm großen Dreizehenspecht (Picoides tridactylus), ist die 1. Zehe völlig zurückgebildet, sodass nur noch die 4. Zehe nach hinten zeigt.

Klettern Spechte auch kopfunter?

Auch wenn sie Klettermaxe sind, nie klettern sie kopfabwärts (wie etwa der Kleiber) einen Stamm herab, da der Schwanz immer zum Festhalten mitbenutzt wird und die Beine allein den Vogel nicht in seiner Lage halten könnten. Da wäre ein Absturz vorprogrammiert.

Die Wichtigkeit der Stützfunktion durch die Schwanzfedern zeigt die Mauser. Bei den Spechten fallen nie alle Schwanzfedern gleichzeitig aus.

 

Vier Zehen gegen drei Zehen

Grote Bonte Specht (Great Spotted Woodpecker) 001289 (Bild: bzd1 / Flickr)

3) Wer viel hämmert, ist noch lange nicht beklopft!

Jeder Specht hat einen kräftigen Schnabel. Den benötigt der Holzbaumeister auch. Nicht nur zum Futtersuchen, zum Maden Picken, sondern auch zum Zimmern der heiß begehrten Spechthöhlen und zum Trommeln wird er gebraucht.

Der Schnabel ist zu einem kräftigen Meißel umgestaltet, mit dem Spechte Insekten aus den Bäumen heraushauen. Sie entfernen zuerst die Rinde und harpunieren mit ihrer langen, beweglichen Zunge die Holzschädlinge regelrecht und ziehen sie heraus. Die Zungenspitze ist verhornt und trägt nach hinten gerichtete Borsten, die als Widerhaken ein Abrutschen der Beute verhindern.

Nur im Winterhalbjahr steigen die Bewohner der gemäßigten Zonen durch das stark beschränkte Insektenangebot auf Nadelbaumsamen, Nüsse und ähnliche Nahrung um.

Was für ein Schnabel!

Schwarzspecht 2015-1 (1) (Bild: Vogelfoto69 / Flickr)

Manche Tiere bauen ihre Behausungen aus Materialien, die ihnen die Natur anbietet. So bauen viele Vögel ihre Nester aus Gras, Zweigen, Halmen. Der Specht tanzt aus der Reihe. Er zimmert sich sein Nest in den Baumstamm. Besonders noble Bewohner kleiden sie dann sogar mit den Spänen fein aus, andere bevorzugen das glatt polierte Holz. Nachmieter danken es ihnen und ziehen mit Begeisterung ein.

Spechthöhle

4) Ist hier noch ein Zimmer frei? Begehrte Wohnungen - die Spechthöhlen

Als Jungvogel gibt es nur einen sehnlichen Wunsch: Man möchte ein Spechtkind sein.

Während anderen Jungvögeln, der Regen ins Gefieder tropft, sitzen die Jungspechte fein sicher im Trockenen. Alle Spechte brüten in den eigens gezimmerten Höhlen, die bei einigen Arten fürsorglich mit einem Teil der Holzspäne ausgebettet werden. Das Spechtpaar kümmert sich gemeinsam um die Aufzucht. Auch gebrütet wird im Wechsel. Leider herrscht in den Wäldern durch rigoroses Ausholzen so große Wohnungsnot, dass mangels geeigneter Bäume von zwölf Jungvögeln zehn nicht überleben, weil sie keinen Baum zum Zimmern ihrer eigenen Höhle finden.

Ein Wohnungsbau braucht Zeit - Holzstatistik

  • Der Höhlenbau dauert bis zu 28 Tage.
  • Die Späne, an die 10.000 an der Zahl, alle etwa 11 cm lang, müssen mühevoll herausgeholt werden.
  • Pro Span braucht es 17 Schnabelhiebe.
  • Ein abschließender Trommelwirbel sagt: Bezugsfertig, Dachgleiche wird gefeiert!
  • Das gilt als Signal an ledige Weibchen, die dadurch eingeladen und angelockt werden.

Nachmieter gesucht!

Dass verlassene Spechthöhlen viele Nachmieter haben, ist wenig bekannt. Viele Vögel bedienen sich: kleinere Spechtvögel bis Eulen, Hohltaube, Raufußkauz, Waldkauz, Meisen. Der Kleiber mauert sich das zu große Schlupfloch sogar wieder auf die passende Körpergröße zu. Aber auch kleine Säugetiere, wie Steinmarder, Eichhörnchen, Siebenschläfer und Fledermaus wohnen gerne als Nachmieter. Auch Insekten: Wespen, Hummeln, Hornissen nützen verlassene Spechthöhlen.

5) In der Nähe von Herrn Specht möchte man lieber nicht wohnen.

Bekannt ist, dass Spechte hämmern, auch um zu kommunizieren:

  • "Nisthöhle ist fertig.", heißt der eine Text. Dafür verwenden sie gerne hohle Bäume, die weit klingen.

Was macht ein Specht, wenn ihm ein Signalbaum fehlt? Spechte sind nicht auf den Kopf gefallen, sondern clever. Deshalb benützen sie, so ein passender Baum fehlt, in Siedlungsnähe auch Masten, Blechschilde oder Antennen.
Herrlich, wenn es da frühmorgens auf dem Verkehrsschild lostrommelt! Naturfreunde freuen sich, anderen schwillt der Kamm.

  • Spechte haben aber neben den für einzelne Arten typische Klopfzeichen auch noch verschiedene Rufe, die als Warn- oder Lockrufe dienen.

6) Warum bekommen Spechte nun wirklich kein Kopfweh?

Clever ausgedacht von Mutter Natur. Der harte Spechtschnabel geht in das Zungenbein über und die Stöße werden über eine schwammartig aufgebaute Knochensubstanz – Spongiosa genannt – abgedämpft. Darauf verteilen sich die wirkenden Kräfte über den gesamten Schädelknochen. Die knöcherne Hülle des Gehirns ist stärker als bei anderen Vögeln. Zwischen den Augen befindet sich eine knöcherne Scheidewand, und an der Eintrittsstelle des Sehnervs sind knorpelig-knochige Einlagerungen. Außerdem ist der Schnabel mit dem Hirnschädel federnd verbunden. Das ist so, als wäre ein Stoßdämpfer dazwischengebaut. Deshalb bekommen sie eben kein Kopfweh.

 

Welche Spechte gibt es in Mitteleuropa?

Sehen wir uns abschließend noch die bei uns heimischen Arten ein wenig genauer an. Manche kennt man vom Sehen, viele vom Hören und einige sind vollkommen unbekannt.

Schwarzspecht Dryocopus martius (Bild: xulescu_g / Flickr)

Der Schwarzspecht (Dryocopus martius - früher Picus martius)

Wird bis 47 cm groß und 570 g schwer. Er ist mit Dohlengröße der größte der heimischen Spechte. Der helle Schnabel und die rote Kopfplatte sind typisch, das Weibchen hat nur einen kleinen roten Fleck am Hinterkopf. Seine Höhle hat ein hochovales 7- 15 cm großes Eingangsloch in Buchen oder Kiefern. Oftmals baut er in ein und denselben Baum in Etagen Jahr für Jahr eine neue Höhle. Er ist damit ein wichtiger Höhlenbauer für andere Höhlenbrüter des Waldes. Er lebt in Misch- und Nadelwäldern bevorzugt in Fichten. Seine Nahrung sind Ameisen und Bohrkäfer. Er beherrscht sowohl Rufe wie Trommelsignale. Sein Flug ist krähenähnlich.

Der Grünspecht (Picus viridis)

Der Grünspecht (in diesem Artikel im Mittelpunkt), Vogel des Jahres 2014, ist 31 -33 cm groß und 220 g schwer. Sein grünes Gefieder und die auffallende rote Färbung und schwarze Augenmaske am Kopf machen ihn unverwechselbar. Er hat einen lachenden Reviergesang, trommelt eher selten. Außerdem zählt er, wie auch der Grauspecht zu den Grundspechten, die ihre Nahrung eher am Boden suchen: in Ameisenhaufen oder im vermorschten Holz. Seine Zunge ist breiter als bei den anderen Spechten und damit löffelt er quasi die Ameisen aus ihren Gängen. Er ist wie der Grauspecht ein schlechter Kletterer.

Grauspecht (Picus canus), Staatswald Rocherath, Ostbelgien (Bild: Frank.Vassen / Flickr)

Der Grauspecht (Picus canus)

Ist dem Grünspecht ähnlich, 25 - 26 cm lang, 120 - 180 g schwer. Lebt in Laub- und Mischwäldern oder Feldgehölz. Seine Höhle wird in Laubbäumen angelegt, auch alte Spechthöhlen werden übernommen. Er ist wenig scheu und besucht daher auch gerne im Winter Futterstellen. Kopf grau mit schmalem schwarzen Wangenstreif und kleinem roten Stirnfleck, die Oberseite und Flügel sind olivgrün, die Schwanzspitze schwarz.

Der Weißrückenspecht (Dendrocopos leucotus - früher Picus leucotus)

Ähnelt dem Buntspecht, aber ohne weißen Schulterfleck. Stämmiger im Körperbau. Er wird 24 - 26 cm lang. Seine Kopfplatte ist durchgehend rot, die Unterschwanzdecke hell. Braucht hohen Anteil an toten und absterbenden Bäumen, weil er liegende Stämme bevorzugt, also naturnahe Mischwälder mit hohem Anteil an Totholz. Nahrung: Ameisen, Früchte, Nüsse. Stark gefährdet.

Buntspecht (Bild: baerchen57 / Flickr)

Der Buntspecht (Dendrocopos major - früher Picus major)

Er wird bis 23 cm groß und bis 110 g schwer. Mit seinen typischen Farben, schwarz-weiß und roter Fleck am Hinterkopf, rote Unterschwanzdecke, ist er am bekanntesten. Kommt in Wäldern, Gärten und Parks vor, die Laubbäume beherbergen. Der Buntspecht zimmert Jahr für Jahr neue Höhlen, ist also Wohnungsbeschaffer für viele Nachfolger. Seine bevorzugte Nahrung neben Insekten sind auch Zapfen und alle Arten Nüsse.

Der Dreizehenspecht (Picoides tridactylus)

Wie schon der Name besagt, ist er der einzige Specht, der statt vier Zehen nur drei besitzt. Ein schwarzweiß gefiederter Specht, ohne jegliches Rot im Gefieder. Knapp Buntspechtgröße, Flügel schwarz, Rücken mit weißem Mittelband, schwarz weiß gesprenkelt, Männchen mit gelbem Scheitel. Weiche Stimme und ausgiebiges Trommeln sind sein Markenzeichen. Er brütet in naturnahen Fichtenwäldern, durchsetzt mit Bergkiefer, Tanne, Zirbe (Arve), in den Alpen und höheren Mittelgebirgen oberhalb 700 m Seehöhe, steigt bis 1.600 m. Baut jedes Jahr neue Höhle in kranke Nadelbäume. Mehr zum Dreizehenspecht.

Mittelspecht Middle Spotted Woodpecker, Białowieża Forest, Poland (Bild: Frank.Vassen / Flickr)

Der Mittelspecht/mittlerer Buntspecht (Dendrocopos medius - früher Picus medius)

Ist dem Buntspecht ähnlich, nur kleiner 20 - 22 cm lang, 50 - 80 g. Hat eine quäkende Stimme und trommelt selten. Er hat eine durchgehende rote Kopfplatte. Typisch für ihn, dass er auch Insekten und Raupen vom Boden aufsammelt. Er ist ein Tieflandvogel, brütet in alten Eichen und Hainbuchen. Sein Speisezettel: Baumfrüchte, Insekten, Kirschkerne. Seine Höhle zimmert er eher in Seitenästen in morsches Holz.

Der Kleinspecht/Kleiner Buntspecht (Dendrocopos minor - früher Picoides minor)

Noch kleiner als der Mittelspecht, etwa Sperlingsgröße, knapp 14 - 15 cm groß und maximal 26 g schwer. Er ist der kleinste Specht Europas. Sein Gesang ähnelt dem Turmfalken, er trommelt aber ausgiebig. Aussehen ähnlich dem Buntspecht. Brütet in aufgelockerten Mischwäldern und Auwäldern, aber auch in Parks und Obstgärten. Seine Höhle liegt ebenfalls in Seitenästen.

Der Blutspecht (Dendrocopos syriacus - früher Picus syriacus)

Er ist eigentlich ein Brutvogel Südosteuropas, also nur Gastvogel. Ähnelt dem Buntspecht, auch im Gesang. Ohne roten Fleck am Kopf, kein Waldvogel, sondern er lebt flussnah in Auwäldern, trockenen Eichen- und Mischwäldern. In Buntspechtgebieten kommt es wiederholt zu Mischbruten.

Wer sich gerne selbst im Natur- und Artenschutz einbringen möchte, findet beim NABU viele Anregungen.

Noch mehr "Spechteleien" gefällig? Mal sehen, ob sich noch was Interessantes zu den Spechten findet. Kurioses zu den Spechten.

Wer gerne interessante Artikel rund um Tiere liest, findet auf unserer

Facebook-Themenseite PagewizzTiere

immer die interessantesten Beiträge.

Adele_Sansone, am 02.08.2015
4 Kommentare Melde Dich an, um einen Kommentar zu schreiben.


Bildquelle:
NABU/P.Kühn (6 interessante Fakten über den Grünspecht)
https://pagewizz.com/users/Adele_Sansone (Hast du eine Meise? Von Kohl-, Blau-, Hauben oder Tannenmeisen)

Laden ...
Fehler!