Ungemütlicher Besuch vom Heimatplaneten der Predatoren

Ein Raumschiff der Predatoren stürzt nahe der Kleinstadt Gunnison ab. Die Besatzung des Schiffes wurde von einem versehentlich eingeschleppten Hybridwesen aus Alien und Predator getötet, das den Absturz unbeschadet überlebt. Allerdings konnte vor dem Crash noch ein Notsignal gesendet werden, welches auf dem Heimatplaneten der Predatoren für die rasche Entsendung eines speziell ausgerüsteten Kämpfers sorgt, der dem Erdenbesuch des Hybridwesens ein Ende setzen soll.

Derweil begibt sich der jüngst aus der Haft entlassene Dallas Howard (Stephen Pasqual) zurück nach Gunnison. Der Empfang in der Stadt fällt alles andere als freundlich aus. Zudem sieht sich Sheriff Morales (John Ortiz) mit dem mysteriösen Verschwinden mehrerer Einwohner konfrontiert, was für gereizte Stimmung sorgt. Bald wird die Ursache für die unheimlichen Vorfälle klar: Die Kleinstadt geriet zwischen die Fronten eines intergalaktischen Showdowns zwischen einem hochgerüsteten Predator und den erbarmungslosen Alien-Kreaturen …

Kultreihe "Alien": Es hat sich ausgeschleimt

"Aliens vs. Predator 2" stellt den mittlerweile sechsten Film mit der vom exzentrischen Schweizer Künstler H. R. Giger kreierten Alptraumfigur dar. Dreißig Jahre nach ihrer Geburt an Bord der "Nostromo" ist die Alien-Kreatur reif fürs Altenheim. Mit dem mystischen Monster, das sich perfekt an jegliche Umgebung anpassen konnte und Sigourney Weaver zur ersten Science-Fiction-Heroine machte, hat "Aliens vs. Predator 2" nur noch oberflächliche Gemeinsamkeiten. Die Kultreihe "Alien" hat ausgedient, was nicht zuletzt am desaströsen Regiedebüt der Gebrüder Strause liegt.

Videospielästhetik ersetzt Atmosphäre und intelligentes Drehbuch

Wo Ridley Scott oder James Cameron noch auf ein intelligentes Drehbuch setzten, verwechseln die Regisseure von "Aliens vs. Predator 2" den eigenen Film mit der Fahrt durch eine Geisterbahn. Als gälte es eine Checkliste durchzuarbeiten, hakt der Film einen Punkt nach dem anderen ab: Ein Predator, mehrere Aliens, ein bisschen Blut, Anspielungen auf die Vorgänger-Filme, kreischende Teenager und viel Getöse.

Inszeniert wird diese 90-minütige Belanglosigkeit in moderner Videospielästhetik. Wenig verwunderlich, liegen die Wurzeln des filmischen Crossovers der beiden populären Reihen "Alien" und "Predator" doch im Computerspielbereich. Außerdem entziehen sich die Regisseure auf diese Weise der lästigen Pflicht, dem Zuschauer eine zusammenhängende Handlung präsentieren zu müssen. Charaktere werden ebenso rasch eingeführt, wie sie wieder abserviert werden. Rolle spielt dies keine: Die völlig eindimensionalen Figuren sind lediglich Kanonenfutter für die Bestien. Wer weshalb vom wilden Alien gebissen oder vom Predator in den nächsten Karmalevel geballert wird, ist weder von Belang, noch von Interesse.

Schnittfolgen wie bei "Transformers – Die Rache"

Selbst die Actionsequenzen zeugen von Einfallslosigkeit und waren in ähnlicher Form bereits in Paul W. Andersons "Alien vs. Predator" zu bewundern. Allerdings in Detailreichtum und vor allem ohne unsanfte Schnittfolgen, die das Auge auf Dauer ermüden – so sich die Aufmerksamkeit des Zuschauers nicht ohnehin längst verflüchtigt hat. Ähnlich Michael Bays "Transformers – Die Rache" wird auch in "Aliens vs. Predator 2" künstliche Hektik dank der Schnitte erzeugt.

Freilich: Spannend wird ein solcher Film dadurch genauso wenig, wie sich ein Glas Wasser durch Hinzufügen einer Kaffeebohne in einen Espresso verwandelt. Überdies hinaus findet der Showdown in verregneter Dunkelheit statt, was die aktive Sehbeteiligung ohne hierfür nötigen Infrarotblick schwierig gestaltet.

"Aliens vs. Predator 2" das Ende der Fahnenstange?

Fraglich ist, ob mit "Aliens vs. Predator 2" bereits das Ende der Fahnenstange erreicht wurde. Immerhin spielte der 40 Millionen Dollar teure Streifen alleine in den Kinos das Dreifache der Kosten ein – die Verlockung auf weitere Fortsetzungen des Franchise-Goldesels dürfte angesichts dieses Achtungserfolges einfach zu groß sein.

Was die Filmreihe nach dem außerirdisch grottigen "Aliens vs. Predator 2" noch retten könnte, wäre ein Neustart. Die Chancen hierfür stehen gut, wurde doch bereits des Öfteren über ein Prequel zu Ridley Scotts "Alien" spekuliert. Ein solches könnte den Fokus wieder auf die tragenden Handlungselemente konzentrieren, scheint es doch so, als würde die Qualität der Serie abnehmen, je enger sie an die Erde heranrückt, wie dies seit "Alien 4" der Fall ist.

Denn: Auf der Erde der Gegenwart wütende außerirdische Filmmonster gab und gibt es zuhauf. Ein tatsächlich völlig fremdartiges, bizarres, gleichsam Furcht, wie auch Ehrfurcht einflößendes Wesen in den Tiefen des Alls existiert indes nur ein einziges Mal. Jene Alien-Kreatur, die sich in die Herzen von Millionen Fans eingenistet hat.

Nikakoi, am 04.12.2013
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Bildquelle:
http://www.amazon.de (Horrorfilme: Nach wahrer Begebenheit oder frei erfunden?)

Autor seit 5 Jahren
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