Die Sendung Wirtshausmusikanten im Bayerischen Fernsehen

Es gibt einen großen Unterschied zwischen volkstümlicher Musik und Volksmusik, wie sie im Alpenland (Bayern, Österreich, Schweiz, Italien) von den Menschen gespielt wird. Wer das nicht glaubt, sollte sich nur einmal die Sendung Wirtshausmusikanten im Bayerischen Fernsehen anschauen. Ja, auch hier tragen die Damen meist ein Diandl und die Herren Krachlederne und das Ambiente ist ein ordentliches Wirtshaus mit Maß Bier, Brezn und Radi. Lassen Sie sich nicht davon täuschen! Hier geht der Punk ab, es wird lustvoll ausprobiert und Genre übergreifend musiziert. Da werden nicht nur die Singende Säge und das Butterfass als Musikinstrument ausprobiert. Auch Reisen in das Feld der Weltmusik und zynische Texte wie in den bayerischen Gstanzln sind möglich. Über dem Ganzen stehen die beiden Moderatoren, Traudi Siferlinger und Wolfgang Binder, die mit Witz durch die Sendung führen. Für die Norddeutschen unter uns wären manchmal ein paar Untertitel hilfreich.

Opas Diandl - progressive Volksmusik aus Südtirol

Eine dieser Entdeckungen der Sendung ist für mich die Band Opas Diandl. Die Gruppe um Veronika Egger, Markus Prieth, Daniel Faranna, Jan Langer und Thomas Lamprecht verbinden die traditionelle Musik unbekümmert mit Barock, Weltmusik oder Punk. Da finden sich neben Kontrabass, Geige und Viola auch die orientalische Oud, die hawaiianische Ukulele und Hosensackinstrumente.

 

Dabei geht es fetzig zu, die Musik driftet nie ins Kitschige ab. Die Gruppenmitglieder haben sich 2007 getroffen und bringen ihren Background in die Kompositionen. Ein Konzept haben sie nicht, es wird einfach probiert. In die üblichen Schubladen (Schubplaadln) wollen sie nicht gesteckt werden, wie ihre CD aus 2011 zeigt. Mit Titeln wie z.B. Af der Olm do gibs Absinth (auf der Alm da gibt es Absinth). Ein Ohrenschmaus zum Reinhören:

Schubplaadln
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Stomp meets Bavaria

Großbritannien hat Stomp - Bayern hat die Alpin Drums! Die Mannsbilder um Toni Bartl nutzen Gebrauchsgegenstände auf unglaubliche Weise, um damit Musik zu machen. Da bleibt kein Auge trocken, wenn mit Werkzeugkästen eine sinfonische Geräuschkulisse geschaffen wird. Sie zeigen dabei die ganze Bandbreite der Percussion-Kunst. Mit unterschiedlichen Showkonzepten aus Alpen-Sperrmüll erobern sie Bayern.

Die Blechlawine der Alpin Drums

Einen Querschnitt wahrer bayerischer Volksmusik abseits von Moik und Florian Silbereisen bietet auch die CD Obacht - Musik aus Bayern. Es verbinden sich Polka, Jodler und Harmoniegesang mit rhythmischen Zwiefachern wie z.B. Wenn i mei Pfeiferl zabrocha ho von der Ruaßkuchlmusi. Neugierig? Hören Sie es sich an:

Obacht! Musik aus Bayern
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Biermösl Blosn

Die bayerische Kultband Biermösl Blosn, rund um die Gebrüder Well, wurde in 2012 leider aufgelöst. Die Mitglieder begannen mit Volksmusikauftritten, um später mit Kabarett und satirischen Texten aufzutreten. Auch hier wurden außergewöhnliche Instrumente wie Dudelsack, Didgeridoo, Alphorn oder Harfe in die Musik integriert. Durch Auftritte bei Gerhard Polt und im Scheibenwischer wurden sie auch dem Fernsehpublikum bekannt. Zeitweise wurde ihre gesellschaftskritische Musik durch ihre Auftritte gegen die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf im Bayerischen Rundfunk boykottiert. Biermösl Blosn tourten auch mit den Toten Hosen und präsentierten Deutschland für das Goethe-Institut im Ausland.

In 2007 reist ein Teil der Gruppe mit Alphorn, Tuba und Trompeten nach Südafrika und Namibia, um hier die urbayerische Musik auf der Straße sowie in kleinen Hallen der Townships zu spielen. Über das musikalische Experiment ist ein sehenswerter Film entstanden. Was gibt es Exotischeres als Bayern in Lederhosen mit einem Alphorn in Afrika. Wer mehr erfahren will, kann im Reisetagebuch von Hans Well stöbern.

Traditionell schräg dahoam

Werfen Sie die Vorurteile über Bord und werden sie neugierig. Schauen Sie sich die Sendung der Wirtshausmusikanten im Bayerischen Fernsehen an. Sie werden Perlen handgemachter Musik entdecken. Es existiert eine Welt der musikalischen Vielfalt jenseits von Heidi oder und Helene Fischer.

Reisefieber, am 19.05.2014
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Bildquelle:
Donnaya (Gothic, Mittelalter, Dark Metal - Musik außerhalb des Mainstreams)

Autor seit 3 Jahren
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