Arlington Nationalfriedhof (Bild: herotimes / Pixabay)

Der Trommelknabe von Chickamauga

Als Arlington 1864 zum Nationalfriedhof wurde, war es noch keine besondere Ehre, hier begraben zu sein. Es war eher der Friedhof der unbekannten armen Soldaten, deren Angehörigen das Geld zu einem privaten Begräbnis fehlte. Erst seit der Jahrhundertwende verfügten die großen amerikanischen Männer testamentarisch, in Arlington begraben zu werden. Und seither ist es der Friedhof der namenlosen Soldaten, der Generäle, der Präsidenten und der Sklaven.

Militärangehörige und deren Familien aus allen amerikanischen Kriegen sind hier begraben, auf Staatskosten und ausgerichtet mit der strengen geometrischen Disziplin, die ihren Tagesablauf bestimmte: unendlich scheinende Wälder von Grabsteinen aus weißem Mamor, 33 Zentimeter breit, 1,05 Meter hoch und 10 Zentimeter dick. Wer mehr will oder etwas Individuelles, muss selber zahlen. Mit über 260.000 Beisetzungen seit seinem Bestehen ist der Nationalfriedhof in Arlington nach dem Calverton Nationalfriedhof in New York der zweitgrößte Friedhof der USA. Vier Millionen Amerikaner kommen pro Jahr, um die Toten zu besuchen. Sie kommen, um Geschichte zu besichtigen, ohne Gedanken an den Tod, sondern an das vergangene Leben dieser Menschen.

Eines der eigenartigsten Mahnmale ist der Schiffsmast des Schlachtschiffes "Maine", das am 15. Februar 1898 im Hafen von Havanna explodierte. Die Überreste der 229 toten Besatzungsmitglieder ruhen unter dem Mast. Ein anderes bemerkenswertes Grab ist das mit der Nummer 993 in Sektion 2. Hier liegt der "Trommelknabe von Chickamauga". Er war der Sohn deutscher Einwanderer und hieß mit bürgerlichem Namen John Klemm. Mit neun Jahren lief er am 24. Mai 1861 nach dem Tod seiner Mutter von zu Hause weg, wurde Trommelknabe beim 22. Infanterie-Regiment aus Michigan, hatte mit zwölf Jahren den Rang eines Sergenanten und war damit der jüngste Soldat, der je in der amerikanischen Armee diente. Im Amerikanischen Bürgerkrieg entging er als Trommelknabe der Gefangenschaft durch die Konföderierten, indem er sich tot stellte. Es war nicht sein letzter Krieg. Nach dem spanisch-amerikanischen Krieg brachte er es zum Brigadegeneral. 1937 starb er im Alter von 86 Jahren.

Auch ein deutscher Soldat auf dem Friedhof begraben

Ein anderer Kriegsheld wurde im Grab Nummer 366 in der Sektion 46 beerdigt. Als er beim Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zu den "Marines" wollte, wies man ihn ab, weil er zu klein war. Als man ihn 30 Jahre später in Arlington beisetzte, war der Grabstein zu klein, um alle seine Kriegsauszeichnungen registrieren zu können. Er war der höchstdekorierte amerikanische Soldat des Zweiten Weltkriegs. Sein Name: Audie Murphy, der nach dem Krieg ein Filmstar in Hollywood wurde.

Der Tote in Sektion 7 A, Grab Nummer 177 war ein reicher Mann mit einem Einkommen von sechs Millionen Dollar, die er in sechs stürmischen Jahren verdient hatte. Als er 1941 Soldat wurde, schenkte er der Armee 100.000 Dollar für bedürftige Kameraden. Als er am 12. April 1981 starb, senkten sie einen kranken, verkrüppelten, bankrotten Mann in die Erde von Arlington. Sein Name: Joe Louis. Im Grab Nummer 347 in der Sektion 15 C befndet sich das Grab des einzigen deutschen Soldaten. Anton Hilberath starb eines natürlichen Todes in amerikanischer Kriegsgefangenschaft und wurde beigesetzt, wie die Genfer Konvention es befahl, unter Helden und Unbekannten, Präsidenten und Boxern.

BerndT, am 05.04.2014
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Bildquelle:
PublicDomainPictures (Amerika - Entstehung einer Weltmacht)
Brigitte Werner (Der Yellowstone-National Park in Amerika)

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