Stellen Sie sich vor, Sie gehen in ein Restaurant essen. Nach einem vorzüglichen Drei-Gänge-Menü rufen Sie den Kellner herbei, um zu zahlen. Dieser bringt Ihnen kurze Zeit später die Rechnung. Nachdem Sie einen Blick darauf geworfen haben, holen Sie ein paar Blätter, die Sie selbst vor ein paar Tagen bemalt haben, aus der Jackentasche hervor, und geben drei davon dem Kellner und sagen: "Stimmt so! Den Rest können Sie behalten!"

Was sich hier wie ein übler Scherz anhört, ist anderenorts Wirklichkeit. In Dänemark beispielsweise kann man mit selbst gemachter Kunst tatsächlich in Geschäften, Bars und Restaurants zahlen.

Kunstwerke als Währung – Alternatives Zahlungsmittel in Dänemark

Artmoney, so heißt dieses Zahlungsmittel, das nichts anderes als ein Tauschgeschäft Kunst gegen Ware oder Dienstleistung ist. Vielen Läden, Bars, Restaurants, Rechtsanwälte und auch Baumärkte in Kopenhagen und anderen Städten in Dänemark akzeptieren die kleinen Kunstwerke in der Größe 12 auf 18 Zentimeter. Dabei ist jedes Artmoney ein Unikat. Ein Kunstwerk eben. Und tagtäglich kommen mehr Geschäfte dazu, die an der neuen Art zu zahlen, mitmachen. Es sind heute schon über 200 Firmen. Hotels wie das Ibsens Hotel in Kopenhagen nehmen die Artmoneys als Zahlungsmittel an. Die Geschäftsführerin und Eigentümerin Kirsten Bröchner lässt es sich hierbei nicht nehmen eines der Artmoney-Kunstwerke, mit dem bezahlt wurde, in der eigens dafür im Hotel geschaffenen Galerie auszustellen.

Auch im Café Einstein in Vordingborg kann man mit Artmoney seine Zeche begleichen. Und der Profifotograf Morden Aagaard macht von einem Porträts gegen die selbst gefertigte Kunst. Auf der mittlerweile existierenden Homepage artmoney.org kann man sich informieren, in welchen Läden man schon mit dem Kunstgeld zahlen kann. Das Bezahlen mit der Kunst ist natürlich gewissen Regeln unterworfen. Jeder Artmoney-Schein hat einen Wert von 200 dänischen Kronen. Dies entspricht 27 Euro.

Torrero

Torrero (Bild: Toni Vipa)

Dänischer Künstler Lars Kraemmer und BIAM, eine Bank für Artmoney

Initiator des Ganzen ist der dänische  Künstler Lars Kraemmer. Bekanntlich sind die meisten Künstler oft knapp bei Kasse. Das Einzige, das sie im Überfluss haben, ist ihre selbst erstellten Werke. Und so kam Kraemmer eines Tages auf die Idee mangels Masse in der Kasse mit seiner Kunst zu zahlen. Natürlich konnte man schlecht ein Gemälde von 80 auf 120 Zentimeter Größe ständig mit sich schleppen. Die Kunst musste handlich und leicht mitzunehmen sein. Und so kam es dazu, dass das Maß für die Kunst als Zahlungsmittel auf 12 mal 18 Zentimeter festgelegt wurde.

Mittlerweile hat der einst fast mittellose Künstler seine eigene Bank, die sich kurz BIAM nennt, gegründet.  BIAM steht für Bank of International Art Money. Als Vorstand dieser Bank hat er dafür Sorge zu tragen, dass Künstler weiterhin mit ihren Arbeiten in entsprechender Miniaturgröße zahlen und ihren Lebensunterhalt einigermaßen bestreiten können. Eine weitere Option der Bank ist, dass sie mit den Artmoney-Kunstwerken handelt.  Hierzu eröffnete Kraemmer einen Showroom, in dem sich Kunstliebhaber und Sammler sich die Werke anschauen können.  

Neue Leidenschaft - Kunstliebhaber sammeln Artmoney, die bezahlbare Kunst

Aus der anfänglichen Schnapsidee eines einzigen Künstlers hat sich in der Zwischenzeit ein bei Künstler und Kunstliebhaber immer beliebter werdende Alternativwährung entwickelt. Hier ist eine so genannte Win-win-Situation entstanden. Der Künstler muss nicht umständlich erst seine Kunst verkaufen, um sich selbst etwas von seiner Arbeit zu leisten. Und Kunst interessierte Geschäftsleute kommen so zu interessanter und bezahlbarer Kunst junger Kunstschaffende. Auf diese Weise können Menschen zu Kunstsammler werden, die früher wegen der hohen Preise vor einem Kauf von Kunstwerken abgeschreckt wurden. Kunst wird so wie das Münzen- und Briefmarken zum Sammlerobjekt für jedermann. Jeder kann nun schöne und faszinierende Unikate zu einem bezahlbaren Preis besitzen.

"Außerdem zieht diese Kunst- und Bezahlform Menschen an, die sonst mit der Kunst niemals in Berührung gekommen wären.", so Lars Kraemmer. Es wird geschätzt, dass sich derzeit eine Milliarde Kronen als Artmoney-Scheine im Umlauf befinden. Das Kunstprojekt und Alternativwährung hat sich in Kunstkreisen bereits in der ganzen Welt herumgesprochen. Sogar Künstler aus den USA, Afrika und Deutschland nehmen daran teil. Wer Interesse hat, selbst kleinen Kunstwerke und Unikate zu erwerben oder als Künstler an der Alternativwährung teilzunehmen, kann sich unter artmoney.org informieren. Letztendlich bleibt mir nur zu sagen: Es ist nicht alles faul im Staate Dänemark.

Autor seit 4 Jahren
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