Wer war Asklepios?

Während der rätselhafte Apollon, unter anderem Urvater der Musiker, Dichter, Hirten und Naturheiler, einer der am wenigsten vermenschlichten Götter war, gestalteten sich die Erzählungen zu Asklepios genau gegensätzlich. Die Mehrzahl der Historiker geht heute davon aus, dass dieser ursprünglich nicht als Gott, sondern (lokal begrenzt) als Heros verehrt wurde. Heroen waren halbgöttliche Helden, denen neben kriegerischen Taten auch Heilungen nachgesagt wurden.

Die Mythologie zeichnet einen recht dramatischen Lebenslauf des Asklepios. Demnach wurde er von Apollon mit einer Frau namens Koronis gezeugt. Jene dachte anschließend allerdings gar nicht daran, dem Gott weiterhin treu zu sein und wurde dafür getötet. Apollon rettete jedoch den noch ungeborenen Asklepios und übergab ihn dem weisen Fabelwesen Chiron zur Erziehung. Von diesem in der Heilkunst unterwiesen, entwickelte sich Asklepios zu einem großen Mediziner. Er zeugte zudem Söhne, die ebenfalls Heiler wurden und in den Sagen um den trojanischen Krieg Erwähnung finden. Doch eines Tages beging Asklepios einen folgenschweren Fehler:

Ein gewisser Hippolytos erlitt aufgrund olympischer Intrigen einen tödlichen Jagdunfall. Die Jagdgöttin Artemis suchte daraufhin Unterstützung bei Asklepios. Dieser ließ sich nicht lange bitten und erweckte Hippolytos kurzerhand wieder zum Leben. Damit hatte der Heiler allerdings seine Kompetenzen überschritten. Zur Strafe tötete ihn Zeus mit einem Donnerkeil. Trotz dieses tragischen Endes wurde Asklepios in der Antike weiterhin hoch verehrt und avancierte schließlich zu einem der beliebtesten Götter.

Der Siegeszug des Asklepeios-Kultes

Obwohl Asklepios zunächst nur eine auf Thessalien beschränkte Sagengestalt war, breitete sich seine Verehrung stetig aus und verdrängte andere lokale Heilgötter. Eine der bekanntesten Kultstätten kann heute noch auf der griechischen Insel Kos besichtigt werden:

 

 

Das so genannte Asklepieion war eine Mischung aus Tempel und Krankenhaus. Die hier tätigen Priesterärzte nannten sich Asklepiaden. Zu ihnen gehörte nach der Überlieferung auch der berühmte Arzt Hippokrates.

 

Asklepios wurde durch Propaganda und die medizinischen Erfolge seiner Priester schließlich so populär, dass seine Verehrung die Kulte der meisten anderen Götter Griechenlands überdauerte und erst in der Spätantike zum Erliegen kam. An dieser "göttlichen Karriere" hatten allerdings auch die Römer einen gewissen Anteil. Im Jahr 293 vor Christus brach in Rom eine Epidemie aus. Aufgrund von Weissagungen wurde daraufhin ein Asklepios-Tempel errichtet und eine heilige Schlange, das Symbol des Gottes, aus Griechenland geholt. Unter weitgehender Beibehaltung des ursprünglichen Kultes erhielt der Gott hier seinen lateinisierten Namen Äskulap.

Der Äskulap-Stab

Die Schlange als Symbol des Äskulap ist auch in heutiger Zeit überaus präsent. An den Fassaden vieler Apotheken befindet sich der so genannte Äskulap-Stab, eine Schlange mit stabförmigem Gebilde, welches als Kelch, herrschaftliches Zepter oder einfacher Stab gedeutet werden kann. Die Schlange wiederum könnte neben ihren mythologischen Metaphern (Erneuerung durch Häutung, Gift und Medizin, Wachsamkeit) auch aus einem altertümlichen Tierkult heraus zum Symbol des Asklepios geworden sein. Eine der vielen Erklärungsmöglichkeiten dieses Symbols liegt jedoch auch im Namen des Gottes selbst verborgen. Äskulap bedeutet demnach soviel wie: Die Schlange, die etwas umwindet.

 

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