Formen und Gründe des Atheismus

Die Ablehnung jeglicher Religion basiert auf sehr unterschiedlichen Gedankengängen, so dass Atheismus keineswegs eine einheitliche Weltanschauung darstellt. Atheismus kann unter anderem aus politischen, naturwissenschaftlichen oder persönlichen Gründen praktiziert werden.

  • Politischer oder systembedingter Atheismus: Diese Form der staatlichen Bevorzugung nichtreligiöser Lebensweise kommt für gewöhnlich in Diktaturen vor. So ließen beispielsweise die albanischen Kommunisten in den 1960er Jahren zahlreiche Christen und Moslems öffentlich foltern und hinrichten, um das Land anschließend zum ersten atheistischen Staat der Erde zu erklären. Auch in anderen kommunistischen Diktaturen konnte bzw. kann man entsprechende Repressalien beobachten. Eine Ausnahme bildet Nordkorea. Dort werden Christen einerseits in Todeslager gesperrt. Doch die kommunistische Dynastie der Familie Kim etablierte andererseits zwangsweise eine Ersatzreligion, in der die Familienmitglieder (vereinfacht ausgedrückt) die Positionen von Gottvater und Christus einnehmen, während der Kommunismus gewissermaßen den Heiligen Geist verkörpert.
  • Wissenschaftlich begründeter Atheismus: Menschen die sich auf die Wissenschaft als Gegenpol zum Gottesglaube stützen, sind oft der Ansicht, dass wissenschaftliche Erkenntnisse eine gewisse Endgültigkeit aufweisen. Somit glauben sie, die Existenz eines Gottes könne gar nicht mehr bewiesen werden. Wohin ein solcher Endgültigkeitsglaube führen kann, lesen Sie hier. Als prominentes Beispiel des wissenschaftlichen Atheisten wird bisweilen der britische Astrophysiker Steven Hawkins angesehen.
  • Persönlich motivierter Atheismus: In diesem Teilbereich finden sich oftmals Menschen wieder, die früher gläubig waren, nun aber aufgrund eines erlebten Unglücks nicht mehr an eine höhere Macht glauben können. Andere Atheisten dieser Gruppe waren zwar nicht selbst betroffen, verneinen eine Gottesexistenz aber aufgrund des vielfachen Leids in der Welt. Sie machen im Prinzip den Gott, den es ihrer Meinung nach gar nicht gibt, für Unglücke verantwortlich und kommen so zu dem Schluss: Dann lieber gar keinen Gott!

Exkurs: Missionarischer Atheismus in der Giordano-Bruno-Stiftung

In die Kritik geraten (nicht nur bei gläubigen Menschen) ist in den letzten Jahren eine Institution namens Giordano-Bruno-Stiftung (GBS). Gegründet wurde sie 2004. Ihr Kerngedanke ist nach eigener Darstellung der "evolutionäre Humanismus". Die Stiftung wird von verschiedensten Seiten Skepsis entgegengebracht. Von Verschwörungstheorien, Pseudowissenschaft, Hass auf Kirchen und anderem ist in den Vorwürfen die Rede. Gegner und Jünger der GBS lieferten sich bereits scharfe, polemische Diskussionen in diversen Internetforen, wobei natürlich auch Godwins Gesetz in Kraft tritt.

Namenspatron der Stiftung ist ausgerechnet ein Mönch (!) aus dem 16. Jahrhundert. Jener ist der Nachwelt durch seinen Judenhass und die Herabwürdigung von Frauen in Erinnerung geblieben. Verteidiger der Stiftung argumentieren allerdings, dass man über Luther ganz ähnliche Dinge sagen könne, ohne deswegen die lutherischen Kirchen dafür verantwortlich zu machen. Anhänger der Stiftung glänzen bisweilen auch durch einen gewöhnungsbedürftig aggressiven und überheblichen Argumentationsstil, der nicht auf wirkliches Verstehen der Gegenseite bedacht zu sein scheint.

 Wegen zahlreicher Kritiken und Falschdarstellungen rudert die Stiftung mittlerweile massiv zurück: Man behauptet nun einerseits, nicht atheistisch zu sein, während das Beiratsmitglied Philipp Möller andererseits seine Arbeit für die Stiftung einst als hauptberuflichen Atheismus deklarierte. Auch den Begriff "kirchenfeindlich" hört man in GBS-Kreisen nicht gern, sondern spricht lieber von "kirchenkritisch". Das sieht dann ungefähr so aus: Kirchen bzw. deren Würdenträger werden wegen angeblicher Subventionierung durch den Staat kritisiert. Historische Tatsachen bleiben dabei unbeachtet, ebenso,dass es nur ganze zwei Amtskirchen in Deutschland gibt. Die Mehrzahl der christlichen Religionsgemeinschaften wird auf diese Weise also pauschal diffamiert.

Doch selbst die Kritik an den beiden großen Kirchen ist scheinheilig. Jedes wichtige Fußballspiel wird hierzulande schließlich (aufgrund der Polizeipräsenz) durch massive Steuergelder unterstützt, ebenso wie zahlreiche Theater und Opernhäuser. Nicht zuletzt darf man fragen, wieso die GBS selbst kein Verein ist, sondern als Stiftung firmiert. Der Zweck solcher Konstrukte ist schließlich in der Regel die Steuerersparnis...

 

Bücher von Philipp Möller, Beiratsmitglied der Giordano-Bruno-Stiftung
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Kritik am Atheismus

Genauer betrachtet, ist auch der Atheismus nur ein Glauben. Schließlich kann die Existenz eines Gottes weder bewiesen, noch hundertprozentig ausgeschlossen werden. Atheisten glauben also, dass es keine göttliche Macht gibt. Wie bei jedem Glaubensbekenntnis ergeben sich aus dieser Tatsache natürlich auch Kritikpunkte.

  • Bereits weiter oben angesprochen wurde der Versuch, eine Gottesexistenz aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse zu verneinen. Wissenschaft ist aber stetig im Wandel begriffen und kann somit nicht als feststehende "Ideologie" betrachtet werden. Zudem bedeutet das Fehlen eines wissenschaftlichen Nachweises noch längst nicht, dass ein Sachverhalt unrichtig ist. Beispielsweise war sich die Wissenschaftswelt bis weit ins 19. Jahrhundert hinein einig, dass es das Volk der Assyrer nie gegeben habe, weil außerhalb der Bibel keine Quellen oder Beweise auffindbar waren. Heute hingegen ist die Assyriologie ein eigenständiges Fachgebiet in Archäologie und Geschichtsforschung.
  • Nicht wenige Atheisten machen hierzulande ihre Haltung an früheren Verfehlungen der Kirchen fest. Abgesehen davon, dass Umstände wie Folter oder Inquisition kein religiöses, sondern ein gesellschaftliches Problem waren, wird damit auch ein Pauschalurteil gefällt. Das Handeln der Menschen, die Religion missbraucht haben, wird so auf das Glaubensbekenntnis selbst übertragen. Interessant ist, dass sich diese meist gegen Christen gerichtete Denkweise momentan in Bezug auf den Islam wiederholt. Wer konsequent ist, müsste demnach aber auch den Atheismus ablehnen, denn Atheisten haben ebenfalls fürchterliche Dinge getan. Die großen Diktatoren des 20. Jahrhunderts beispielsweise waren allesamt Atheisten.

 Wirklich bedenklich ist schließlich die atheistische Radikalisierung. Aufgrund der steigenden Aggressivität gegen gläubige Menschen wird daher gelegentlich auch vom so genannten Neuen Atheismus gesprochen. Lange Zeit bestanden religiöse Bekenntnisse und der Atheismus mehr oder weniger friedlich und gleichberechtigt nebeneinander. Jeder durfte nach seiner Fasson selig werden. Spätestens jedoch seit einer provokativen Buskampagne der oben erwähnten Giordano-Bruno-Stiftung im Jahr 2009 ist klar, dass dieser Konsens nicht mehr besteht. Manche Atheisten sehen ihre Weltanschauung als allein gültig und wahr an. Damit hält im Atheismus genau die Denkweise Einzug, die den Religionen so gern vorgeworfen wird.

Autor seit 5 Jahren
97 Seiten
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