Auf dem Ayeyarrwady / Irawady / Irrawaddy

Schon das Besteigen des Bootes war ein kleines Abenteuer  für sich. Dank der netten Bootsführer kamen wir aber sicher die steile Böschung zum Fluss herunter, um dann über ein wackeliges Brett mit einem noch wackeligeren Bambusstab als Geländer auf das Boot zu steigen. Auf Deck standen bequeme Sessel unter einem Sonnensegel für uns bereit. Mit ohrenbetäubend knatterndem Motor setze sich das Boot in Bewegung. Wir machten es uns auf Deck gemütlich und ließen das Treiben auf dem Fluss und am Flussufer an uns vorbeiziehen. Lastkähne, Holzflosse, Fischerboote und Ausflugsboote waren auf dem Fluss unterwegs. Am Ufer wurde Kleidung gewaschen, gebadet oder an Booten geschraubt. Su erklärte uns, dass die extrem windschiefen Hütten auf den Sandbänken die Behausungen der Nomaden seien, die während der Trockenzeit direkt am Flussufer wohnen und sich vom Fischfang ernährten.

Waschtag am Ayeyarwady

Boot auf dem Irawadi Myanmar

Die Mingun Pagode (Mantara Gyi-Pagode)

Von Ferne erblickten wir am Flussufer die gigantischen Überreste der Mingun-Pagode (Mantara Gyi Pagode). Eine überdimensionale Ruine, welche einst eine überdimensionale Pagode hätte werden sollen. Ein etwas größenwahnsinniger König, sein Name war König Bodawpaya, begann 1790 mit dem Bau der größten Pagode der Welt. Schon der Sockel der Pagode hatte eine Seitenlänge von 72 m und war 50 m hoch. Nach Fertigstellung wäre die Pagode ungefähr 150m hoch gewesen. Doch als der König kurz nach Fertigstellung des Sockels im Jahre 1819 starb, wurden die Bauarbeiten eingestellt. Der folgende König Bagyidaw wollte das Bauwerk nicht vollenden. So standen bis dahin der Sockel der Pagode und der Zugang zum Fluss, welcher von zwei ungefähr 30 m hohen Löwenfiguren gesäumt gewesen war. Leider zerstörte 20 Jahre später ein starkes Erdbeben die Löwenfiguren. Teile davon rollten sogar bis in den Fluss. Der Sockel der Pagode bekam große Risse und Spalten, die schon vom weitem zu sehen sind.

Mingun

Besteigung der Mingun-Pagode

Das Dorf Mingun ist nicht nur ein beliebtes Ausflugziel ausländischer Touristen sondern auch der einheimischen Bevölkerung. Deshalb wurde seitlich an der Pagode eine Ziegeltreppe angebaut, über die die Pagode bestiegen werden kann. Eine gute Idee, wenn man den Faktor der Sonneneinstrahlung auf die Ziegelsteine außer Acht lässt. Da auch zur Besichtigung religiöser Ruinen die Schuhe und Strümpfe ausgezogen werden müssen, mussten auch wir unsere Schuhe am Kassenhäuschen in ein Regal stellen und unseren Aufstieg über die heißen Stufen barfuß starten. Nun wurden wir in der Mittagshitze nicht nur von oben, sondern auch von unten gegrillt – Ober- und Unterhitze sozusagen. Auf den in der Sonne liegenden Treppenstufen war Tempo angesagt, denn der heiße Stein ließ keine noch so kurzen Pausen zu. Unsere zierliche Reisführerin Su sprang wie eine Gazelle die hohen Stufen hinauf, einen tierischen Vergleich zu uns stellte ich lieber nicht an!

Mingun der Sockel der Pagode

Schnaufend oben angekommen, hielten uns zwei geschäftstüchtige kleine Jungs Blätterbündel entgegen. Su kaufte sofort für wenige Kyat für jeden von uns eines dieser Blätterbündel. Nach wenigen Metern, als wir zum Fotografieren stehen bleiben wollten, war uns der Sinn der Blätterbündel klar. Auf den aufgeheizten Ziegelsteinen der Plattform war kein Stehenbleiben möglich! Stellte man sich jedoch auf die Blätter, konnte man in Ruhe stehen bleiben, um Fotos zu machen. Für uns Europäer war es wieder einmal sehr ungewöhnlich, dass es keinerlei Sicherheitsmaßnahmen gab. Durch das Erdbeben entstandene breite und tiefe Spalten durchzogen die Plattform und waren zum Teil schon mit Pflanzen zugewachsen. Wir mussten sehr vorsichtig sein, um nirgends abzustürzen oder uns auf dem unebenen Boden eine Verletzung zuzuziehen. Der herrliche Panoramablick über Mingun, auf die umliegenden Pagoden und den Fluss belohnte uns jedoch für die Mühen des Aufstiegs.

Blick von der Mingun Pagode auf den Ayeyarwady

Die größte Glocke der Welt

Nur wenige hundert Meter entfernt befindet sich die größte noch funktionierende Glocke der Welt. Sie hat einen Durchmesser von 5 m. Besagter größenwahnsinniger König hatte diese Glocke 1808 gießen lassen. Damit der Glockengießer niemals mehr eine weitere so große Glocke gießen konnte, ließ der König ihn nach Fertigstellung kurzerhand töten. Bei dem starken Erdbeben stürzte die Glocke zwar aus ihrer ursprünglichen Aufhängung ab, blieb aber unbeschädigt. Heute hängt sie nur ungefähr 1 m über dem Boden in einem Gestell und die Kinder des Dorfes machen sich einen Spaß daraus, die Glocke für Touristen anzuschlagen oder darunter umher zu krabbeln.

Glocke von Mingun bei Mandalay Myanmar

Die Hsinbyume-Pagode (Myatheindan-Pagode)

Die dritte große Sehenswürdigkeit ist die ein Stück weiter die Straße entlang liegende Myatheindan-Pagode (Hsinbyume-Pagode). Diese vom Baustil her ungewöhnliche Pagode wurde 1816 von König Bagyidaw zu Ehren seiner leider verstorbenen Lieblingsfrau gebaut. Die weiß getünchte Pagode mit ihren wellenförmigen Verzierungen vor dem strahlend blauen Himmel, ist ein wunderschönes Fotomotiv. Die Myatheindan Pagode wurde der sogenannten Sulamani-Pagode nachempfunden, die der buddhistischen Lehre nach auf dem heiligen Berg Meru stehen soll. Über 7 Terrassen, die die 7 Meere darstellen, erreichten wir die Spitze der Pagode, von der wir einen guten Blick auf die Mingun-Pagode hatten.

Hsinbyme Pagode Mingun Burma Myanmar

Mit vielen neuen Eindrücken tuckerten wir müde und nach Mandalay zurück und genossen die burmesischen Snacks, die unser Bootsführer für uns bereitgestellt hatte.

 Dieser Ausflug ist oft in den organisierten Gruppen-Rundreisen durch Myanmar (Burma, Birma) enthalten. Er kann jedoch auch auf eigene Faust vor Ort organisiert werden.

Boot nach Mingun

Weitere Bilder aus Myanmar und dem Rest der Welt

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Reisende, am 20.09.2012
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Bildquelle:
Heidelberger (Was macht die Speicherstadt Hamburg zum Weltkulturerbe?)
Eigenwerk (Wo ist es am Bodensee am schönsten? – Lieblingsplätze am "schwäbisc...)

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