Fakten und Vermutungen um eine fast unbekannte Burg

Wie die Burg, deren Überreste man heute "Isenburg" nennt, ursprünglich hieß, bleibt wahrscheinlich im Dunkel der Geschichte verborgen. Selbst die nahe liegende Deutungsmöglichkeit "Eisenburg", lässt zwei Auslegungen zu: Der Begriff "Eisen" kann sich einerseits auf den Bergbau der Region beziehen. Andererseits könnte die Festung aber auch als eine Art Zwingburg, also ein herrschaftlicher Bau zum Zwecke der Unterdrückung, gedient haben. Aus dieser Vermutung heraus entstand möglicherweise die frühere Auffassung, das Bauwerk sei eine Raubritterfestung gewesen.

Inzwischen scheint jedoch klar zu sein, dass die Isenburg um 1200 im Zuge der Besiedlung dieser Region entstand. Ihr Zweck dürfte daher, anstatt einer Bedrohung, eher die Sicherung des Bergbaus und der Handelsstraße gewesen sein.

Wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde die Isenburg erobert und blieb von da an ein verlassenes Gemäuer. Als Bollwerk wurde sie demnach nur wenige Jahrzehnte genutzt. Heute ist durch Ausgrabungen und die Aufzeichnungen zweier Pfarrer aus dem 18. Jahrhundert mehr über die Ruine Isenburg bekannt, als über die kurze Epoche der intakten Festung. Eine Sage aus der Hussitenzeit legt nahe, dass die Burg rund 100 Jahre nach ihrer Eroberung zwar eine Ruine war, aber dennoch einige relativ stabile Gebäudeteile aufwies. Dies änderte sich im Laufe der folgenden Jahrhunderte.

Angeblich wurden zahlreiche Wildbacher Häuser aus Steinen der Burgruine errichtet. Mitte des 18. Jahrhunderts sprengte man schließlich die Reste der Isenburg, um Material für einen Neubau der Dorfkirche zu gewinnen. Zu dieser Zeit herrschte bereits der Glaube, es handle sich um ein altes Raubritterschloss. Der Kirchenbau wurde allerdings erst rund 50 Jahre später realisiert.  

 

 

 

 

 

 

 

In den 1930er Jahren kam es zu Ausgrabungen auf dem ehemaligen Burggelände. Trotz neuer Erkenntnisse und eines Gutachtens aus den 1950er Jahren wurden diese Arbeiten jedoch nicht fortgesetzt. Die freigelegten Mauerreste versanken erneut im Waldboden. Mitte der 1980er Jahre musste man so als ortsfremder Wanderer schon sehr aufmerksam sein, um auf dem Gelände die Spuren der alten Burg zu entdecken.

Die Isenburg heute

Das ungefähr 1,5 ha große Areal der Festung wurde einst als so genannte Spornburg angelegt. Es befindet sich auf einem Felssporn, welcher hoch über der Mündung des Wildbaches in die Zwickauer Mulde liegt. Der heute einfachste Weg zur Isenburg (vom oberhalb befindlichen Dorf Wildbach aus) war ursprünglich kein Zugang zur Festung, sondern im Gegenteil durch Gräben und Wälle stark gesichert.

 

 

 

 

 

 

 

In den 1990er Jahren bewirkten öffentliche Gelder sowie engagierte Heimatfreunde eine neuerliche Freilegung der Isenburg. Aus Naturschutzgründen konnte jedoch nicht alles im erhofften Umfang ausgegraben werden. Das heute dennoch klar überschaubare Gelände wird von sanierten Mauersockeln umrahmt, die eine Ahnung von den Dimensionen der Festung vermitteln. Eindeutiger Blickfang sind die imposanten Reste des Bergfrieds. Der ursprünglich wahrscheinlich mindestens 25 Meter hohe Turm wies drei Meter dicke Mauern und einen Gesamtdurchmesser von etwa neun Metern auf.

Ausflugsziel Isenburg

Obwohl der eingangs beschriebene Weg von der 700 Meter oberhalb liegenden Wildbacher Kirche aus den leichtesten Zugang zum Burggelände darstellt, gibt es für Wanderer auch eine deutlich romantischere Route: Sie führt vom Hartensteiner Bahnhof aus durch den Wald am Ufer der Zwickauer Mulde entlang.

Touristen können einen Ausflug zur Isenburg übrigens auch mit dem Besuch anderer historischer Stätten in der Nähe der Festung verbinden. Dazu zählen beispielsweise die Hartensteiner Schlossruine, das Schloss Stein (eigentlich eine gut erhaltene Burg) sowie die sagenumwobene Prinzenhöhle, angeblich einer der Schauplätze des Sächsischen Prinzenraubs. Ein ungeklärtes Rätsel birgt zudem der Poppenwald in unmittelbarer Nachbarschaft der Isenburg. Hobbydetektive vermuten hier das verschwundene Bernsteinzimmer...

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