Das Leben von Johann Gottfried Schadow

Johann Gottfried Schadow kam am 20. Mai 1764 in der Lindenstraße, nahe beim Halleschen Tor, zur Welt. Er ging im Grauen Kloster zur Schule. Ersten Zeichenunterricht erhielt er durch Giovanni Battista Selvino. Später erlernte er die Zeichenkunst bei der Miniaturmalerin Madame Tassaert. Die war die Gattin des flämischen Bildhauers Antoine Tassaert. Der wirkte als Hofbildhauer in Berlin und wies den jungen Schadow in die Kunst des plastischen Gestaltens ein.
Mit 21 Jahren heirate Schadow in Prag seine Geliebte Marianne Devidels, Sie war die Tochter eines Wiener Juwelenhändlers. Dann zog der junge Schadow nach Rom. Dort konnte er die antiken Skulpturen und Bauten ausführlich studieren. 1787 kehrte er nach Berlin zurück und wurde Mitglied der Akademie der Künste. 1788 starb sein Lehrer Tassaert und er übernahm die Hofbildhauer-Werkstatt.
Als ersten größeren Auftrag setzte er die Arbeiten an dem Grabmal des Grafen von der Mark fort. Das wurde 1790 vollendet. Der mit 8 Jahren verstorbene Knabe war ein Sohn des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II. und der Gräfin Lichtenau. Das Grabmal stand in der heute nicht mehr existierenden Dorotheenstädtischen Kirche in Berlin.
1791 begab Schadow sich auf einer Studienreise nach Skandinavien und St. Petersburg. 1794 wurde die von Schadow gestaltete Quadriga auf dem Brandenburger Tor in Berlin aufgestellt. 1806 musste er erleben, wie Napoleon sein Meisterwerk nach Paris entführte. Doch 1814 kehrte die Quadriga heim.
1797 lieferte er mit der Prinzessinnengruppe ein Meisterwerk ab. Sie zeigt die Schwestern Luise und Friederke von Mecklenburg-Strelitz. Luise heirate den späteren König Friedrich Wilhelm III. und Friederike dessen Bruder Heinrich.
1805 wurde er Vizedirektor der Akademie der Künste zu Berlin und bezog das Haus in der Schadowstraße 10/11. 1815 wurde Schadow zum Direktor der Akademie der Künste zu Berlin berufen. Zu seinen Schülern zählten u. a. seine Söhne Ridolfo (Rudolf) und Wilhelm sowie Christian Daniel Rauch, Christian Friedrich Tieck, Ludwig Wichmann und Emil Wolff.
Nach dem Tode seiner ersten Frau heiratete Schadow 1817 Caroline Henriette Rosenstiel. Ab 1836 schränkte ein Augenleiden seine Sehfähigkeit erheblich ein. Der alte Schadow widmete sich daher mehr dem Zeichnen als der Bildhauerei. Er starb am 27. Januar 1850 im Alter von 85 Jahren in Berlin und wurde auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin-Mitte beigesetzt. Sein Grab ist bis heute erhalten.

Selbstbildnis (Bild: Stadtmuseum Berlin)

Schadowhaus in der Berliner Schadowstraße (Bild: haros)

Grabmal Schadow auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof Berlin (Bild: haros)

 

Das Werk von Schadow

Mit dem Grabmal für Alexander von der Mark, der Quadriga, der Prinzessinnengruppe und den Standbildern Friedrichs des Großen und seiner Generäle leitete Schadow um 1800 den bürgerlichen Realismus in Deutschland ein. Sein Werk umfasst rund 400 Skulpturen und Plastiken, etwa 3.000 Zeichnungen und Druckgrafiken sowie einige kunsthistorische Schriften. Er gilt als Begründer der Berliner Bildhauerschule und war als Direktor der Königlich Preußischen Akademie der Künste hoch geachtet. Die folgende Aufstellung kann nur eine Auswahl wichtiger Arbeiten nennen:

  • Büste der Henriette Herz von 1783
  • Grabmal des Grafen Alexander von der Mark von 1790, heute in der Alten Nationalgalerie Berlin zu sehen
  • Quadriga auf dem Brandenburger Tor in Berlin von 1793
  • Denkmal für Hans Joachim von Zieten von 1794 steht heute im Bode-Museum, ein Bronzeguss steht in Berlin auf dem Zietenplatz beim U-Bahnhof Mohrenstraße
  • Denkmal für Fürst Leopold I. von Anhalt-Dessau von 1800 steht heute im Bode-Museum, Bronzeguss steht auf dem Zietenplatz in Berlin
  • Büsten der Prinzessinnen Friederike von Mecklenburg-Strelitz und der Prinzessin Luise von Mecklenburg-Strelitz von 1794 oder 1795
  • Doppelstandbild der Prinzessinnen Friederike und Luise von Mecklenburg-Strelitz von 1797. Diese in Marmor ausgeführte Prinzessinnengruppe steht heute in der Alten Nationalgalerie in Berlin. Ein Gipsabguss wird in der Friedrichswerderschen Kirche gezeigt.
  • Grabmal des Friedrich Wilhelm Schütze in der Schlosskirche Schöneiche von 1798
  • Büste des preußischen Baumeisters Friedrich Gilly von 1800
  • Luisen-Stein auf einer Insel im Berliner Tiergarten von 1809
  • Relief zum Gedenken an die Königin Luise von Preußen in der Patronatsloge der Dorfkirche Paretz von 1811
  • Blücher-Denkmal aus Kupfer in Rostock von 1819
  • Um 1820 entstand der Löwenbrunnen auf dem Naschmarkt in Leipzig. Die Löwen wurden in Lauchhammer nach Schadows Entwürfen gegossen.
  • Denkmal für Martin Luther vor dem Rathaus der Lutherstadt Wittenberg von 1821
  • Bronzestatuette Friedrich II. mit seinen Windhunden von 1822. Die 91 Zentimeter hohe Statue Friedrichs des Großen mit seinen Hunden "Alkmene" und "Hasenfuß" befindet sich heute im Bode-Museum in Berlin.

Quadriga auf dem Brandenburger Tor in Berlin (Bild: haros)

Standbild des General Zieten auf dem Zietenplatz in Berlin (Bild: haros)

Standbild Martin Luther in Lutherstadt Wittenberg (Bild: haros)

Die Daten der Ausstellung

Die Ausstellung "Unser Schadow | Gratulationen zum 250. Geburtstag" läuft vom 28. Februar 2014 bis zum 29. Juni 2014.Aufgrund der großen Resonanz wird die Jubiläumsschau bis zum 17. August 2014 verl#ngert.
Orte:
Ephraim-Palais, Poststraße 16, 10178 Berlin
Knoblauchhaus, Poststraße 23, 10178 Berlin
Zur Ausstellung erscheint ein 114-seitiger, reich bebilderter Katalog mit Beiträgen u. a. von Jens Bisky und Johannes Grützke, gefördert von der Ernst von Siemens Kunststiftung:

Claudia Czok, Gundula Anke, Klaus Gehrnann und Andreas Teltow: Unser Schadow. Berlin 2014, ISBN 978-3-9812650-7-1, 12 Euro

Ephraim-Palais (Bild: haros)

Literatur zu Johann Gottfried Schadow

  • Reimar Lacher: Schadows Prinzessinnengruppe. Die schöne Natur. Story Verlag Berlin 2007, ISBN 978-3-929829-67-9
  • Sibylle Badstübner-Gröger, Claudia Czok, Jutta von Simson, Rüdiger Beckmann (Hrsg.): Johann Gottfried Schadow. Die Zeichnungen. Mit einem einführenden Essay von Werner Hofmann. 3 Bände, Gebrüder Mann Verlag Berlin 2006, ISBN 978-3-87157-190-9
  • Beate Christine Mirsch: Anmut und Schönheit. Schadows Prinzessinnengruppe und ihre Stellung in der Skulptur des Klassizismus. Gebrüder Mann Verlag Berlin 1998, ISBN 978-3-87157-179-4
  • Götz Eckardt: Johann Gottfried Schadow (1764–1850): Der Bildhauer. E. A. Seemann Leipzig 1990, ISBN 3-363-00408-7
  • Ulrike Krenzlin: Johann Gottfried Schadow. Ein Künstlerleben in Berlin. Verlag für Bauwesen Stuttgart - Berlin 1990, ISBN 978-3-3450-0467-4
Autor seit 3 Jahren
195 Seiten
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