Der "Baum des Jahres 2013": Der Europäische Wildapfel (Malus sylvestris)

  • Der Europäische Wildapfel (Malus sylvestris) ist ein Laubbaum aus der Gattung der Äpfel (Malus) und gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Er ist auch unter dem Namen Holzapfel bekannt.

  • Ob der Wildapfel tatsächlich die heimische Stammform des Kulturapfels (Malus domestica) ist, das bleibt umstritten. Der Kulturapfel stammt vermutlich eher vom Asiatischen Wildapfel (Malus sieversii) ab, der Europäische Wildapfel gehört aber zu den wichtigsten und frühesten Einkreuzungen.

  • Als Obst (also zum Verzehr) genutzt haben die Menschen den Wildapfel wohl bereits in der ersten Phase der Menschheitsgeschichte, der Jungsteinzeit: Von den Pfahlbauten am Bodensee sind Wildapfel-Funde bekannt, ebenso wie aus Gräbern der Bronzezeit. Die Römer kultivierten den populären Nachfolger, den Kulturapfel. Seitdem ist der Wildapfel mehr und mehr in Vergessenheit geraten, wirtschaftlich hat er inzwischen kaum noch Bedeutung.

  • Der Wildapfel kann als Baum eine Wuchshöhe bis zu 10 m erreichen, meistens sieht man ihn aber als großen Strauch, der ca. 3-5 m groß wird.

  • Der Europäische Wildapfel ist in fast ganz Europa verbreitet, aber überall selten geworden.

  • Er wächst vor allem in Ebenen und im Hügelland, seltener in großen Höhen. Weil er sich gegen die Konkurrenz anderer Waldbaumarten nur schwer behaupten kann, findet man den Wildapfelbaum vor allem an Waldrändern oder in Gebüschen. Eichenmischwälder sind schon seit Jahrhunderten ein typischer Standort für den Wildapfel. In Buchenwäldern dagegen trifft man ihn kaum an.

  • Der Wildapfel ist widerstandsfähig und nicht sehr anspruchsvoll. Er kommt auch mit nährstoffarmen und trockenen Böden gut zurecht, braucht aber viel Sonnenlicht. Auch in Flussauen und mäßig feuchten Waldgebieten wächst der Wildapfelbaum gerne. Für Krankheiten scheint er weniger anfällig zu sein als der Kulturapfelbaum.

  • Für einen Baum wird der Wildapfel nicht besonders alt, seine Lebensspanne beträgt nur ca. 80 – 100 Jahre.

  • Wildapfelbäume sind nur schwer vom Kulturapfel zu unterscheiden. Das liegt auch daran, dass es viele Mischformen gibt, unter anderem durch Kreuzungen mit verwilderten Kulturapfelbäumen entstanden.

  • Typisch für den Wildapfel: Sehr kleine, meist ziemlich schrumpelige Früchte grüner oder gelber Farbe (Größe ca. 25-30 mm). Die Blätter sind kaum oder gar nicht behaart. (Unterscheidung zwischen Kulturapfelblättern und Wildapfelblättern) Marmorierungen oder rote Streifen weisen meist darauf hin, dass es sich um eine Kreuzung mit dem Kulturapfel handelt. Wer meint, einen Wildapfelbaum gefunden zu haben und ganz sicher gehen will, dem hilft die Baum-des-Jahres-Stiftung gegen eine Spende durch eine genetische Untersuchung weiter.

  • Reif werden die Früchte des Wildapfels im September oder Oktober. In rohem Zustand schmecken sie sauer und herb, erst gedörrt, geröstet oder gekocht lassen sie sich verwenden - zum Beispiel im Gelee, eingelegt in Essig, als Eis oder als Weinbrand. Weil die kleinen "Holzäpfelchen" vor allem Pektin enthalten, eignen sie sich auch als Zugabe zur Marmeladenherstellung. Noch im Mittelalter nutzten die Menschen den Wildapfel in Salaten, geröstet als Beilage zu Fleischgerichten oder zur Konservierung von Lebensmitteln.

  • Aus der Volksmedizin kennt man den Wildapfel vor allem zubereitet als Tee. Dieser enthält viel Vitamin C und soll bei Grippe und Erkältung helfen. Im Erzgebirge – wo man den Wildapfel ganz besonders schätzt – wird er angeblich sogar als natürlicher Antibiotika-Ersatz genutzt. Außerdem sagt man dem Wildapfel eine entgiftende Wirkung nach, deshalb vermutlich auch sein Einsatz in der Bachblüten-Medizin (siehe unten).

  • Das Holz des Wildapfelbaums ist schwer, hart und lässt sich nicht leicht bearbeiten. Weil es nur mäßig dauerhaft ist und kaum in größeren Mengen anfällt, hat es eine sehr geringe wirtschaftliche Bedeutung. Aufgrund des rötlich-braunen Kernholzes wird es vorwiegend im Kunsthandwerk, der Tischlerei oder Drechslerei verwendet. 

Europäischer Wildapfel (Malus sylvestris)
Wildapfelbaum in Bayern

Wildapfelbaum in Bayern (Bild: © Andreas Krappweis - Agentur: Stock.xchng)

Warum der Wildapfelbaum Schutz braucht - und auch verdient hat

Gegen den berühmten "Vetter", den weltweit bekannten und genutzten Kulturapfel, kann sich der Wildapfel kaum behaupten. Inzwischen ist er selten geworfen, gehört in Deutschland zu den gefährdeten Baumarten.

Doch der Wildapfel ist wichtig und sein Schutz lohnt sich:

Vielen Lebewesen – Tieren und Pflanzen – gilt der Wildapfelbaum als wichtige Nahrungsquelle. Säugetiere wie Rehe oder Siebenschläfer ernähren sich von seinen Früchten ebenso wie zahlreiche Vogelarten. Insekten, zum Beispiel Schmetterlingsraupen oder Käfer, fressen die Blätter des Baumes. Die Blüten werden von Bienen und Hummeln sehr geschätzt. Pilzen dient der Wildapfelbaum als Lebensraum, Vögeln und Fledermäusen als Nistplatz oder Unterschlupf.

Außerdem macht er jede Landschaft schöner: Vor allem im Mai, wenn der Wildapfel weiß und rosafarben blüht, ist er eine Zierde für Waldränder und auch Gärten.

Wildapfelbäume gelten als echte "Persönlichkeiten", werden aufgrund ihrer knorrigen Wuchsform und der grauen, zerknittert wirkenden Rinde als "Großmutterbäumchen" bezeichnet oder sogar mit einer  Märchenhexe verglichen.

In der Mythologie ist man sich, was den Apfelbaum betrifft, übrigens nicht ganz einig: Einerseits gilt er als "Baum der Liebe" und "Paradiesbaum", andererseits kennt man ihn im Volksglauben auch als einen "Baum der Unterwelt".

Den Wildapfelbaum kennenlernen und unterstützen

Ausführliche Informationen zum "Baum des Jahres 2013" stellt die Baum-des-Jahres-Stiftung auf ihrer Website zur Verfügung. Dort gibt es auch Anhänger, Bücher, Buttons und Kalender zu bestellen. Außerdem werden Leser gebeten, besonders schöne, dicke Apfelbäume oder sogar Wildapfelbäume zu melden - hier gibt es auch Preise zu gewinnen.

Im Osterzgebirge setzt sich die Grüne Liga mit ihrem Wildapfel-Projekt für die "Holzäppel", die Wildapfelbäume, ein. Angeboten werden Wildapfelwanderungen für Jung und Alt, auch Holzäppelgelee, Tee oder Apfelbrand aus den "wilden Früchten" kann man probieren. (Website: Holzäppel.de)

Wer "mutlos und verzweifelt" ist, kann den Holzapfel, den "crab apple", als Bachblüte nutzen.

Wer Lust hat, selbst ein Wildapfel-Rezept auszuprobieren: Diplom-Geographin Susanne Holzapfel verrät das Geheimnis ihres legendären Holzapfel-Gelees.

Der beste Wildapfel-Schutz? - Die Stiftung Baum-des-Jahres schlägt vor, den altbekannten Ratschlag zu befolgen: "Wenn ich wüsste, dass morgen der jüngste Tag wäre, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen." (Quelle: Wikiquote)

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