Was genau ist eine Streuobstwiese?

Was versteht man eigentlich unter einer "Streuobstwiese"?

Definition der "Streuobstwiese":

= Hochstamm-Obstbau ohne Einsatz von Pestiziden oder Dünger (Wikipedia)

Streuobstwiesen...

  • sind eine traditionelle Form des Obstanbaus (Apfel, Birne, Zwetschge, Pflaume, Mirabelle, Kirsche, Ringlor, Quitte - auch Walnüsse zählen zum Streuobst)

  • sind meist vertreut in der Landschaft verteilt (es gibt übrigens auch Streuobstäcker, allerdings sehr selten und inzwischen vom Aussterben bedroht)

  • beherbergen meist gemischte Obstsorten (3.000 verschiedene Obstsorten gibt es alleine in Deutschland) Viele alte Obstsorten, die auf Streuobstwiesen wachsen, sind besonders robust gegenüber Krankheiten und Schädlingen. Das liegt daran, dass sie in einer Zeit erprobt wurden, in der man noch keine chemische Schädlingsbekämpfung kannte.

  • Streuobstwiesen gibt es schwerpunktmäßig in Süd- und Mitteldeutschland. Baden-Württemberg ist das Kernland der Streuobstwiesen, ganz besonders viele davon gibt es auf der Schwäbischen Alb.

  • Streuobstwiesen werden meist mehrfach genutzt:

  1. Obsterzeugung
  2. Heugewinnung
  3. Viehweide (Heu = "Einstreu" im Viehstall, kann auch zur Namensgebung beigetragen haben)
  4. Imkerei
Streuobstwiesen in Süddeutschland
Streuobstwiese inmitten einer ...

Streuobstwiese inmitten einer Kleinstadt in Baden-Württemberg

Was bedeutet eigentlich "Hochstamm"?

Laut Wikipedia:

Als Hochstamm bezeichnet man Obstbäume, deren Kronenansatz in mindestens 180–220 cm Höhe liegt (...) Das eigentliche Kriterium für die verschiedenen Begriffe ist daher – wie es der Name schon andeutet – die Stammlänge.

Streuobstwiese als Schafweide
Streuobstwiese als Viehweide

Streuobstwiese als Viehweide

Was macht die Streuobstwiese so wertvoll?

Streuobstwiesen sind Lebensraum für mehr als 5.000 Tier- und Pflanzenarten, darunter Vögel, Insekten, Spinnentiere, Reptilien und Säugetiere.

Zum Teil wurden Streuobstwiesen sogar zu Vogelschutzgebieten erklärt, ihre gefiederten Bewohner sind u.a. Steinkauz, Wendehals, Rotkopfwürger, Grünspecht oder Halsbandschnäpper.

Streuobstwiesen sind übrigens wesentlich artenreicher als (niederstämmige) Obstplantagen!

Streuobstwiesen lassen sich vom ökologischen Standpunkt aus vergleichen mit den Oliven-, Stein- und Korkeichenbeständen in Mitteleuropa.

Andre Baumann, Landesvorsitzender vom Naturschutzbund (NABU) Baden-Württemberg sagt:

"Streuobstwiesen sind unsere Serengeti oder unsere tropischen Regenwälder."

Streuobst ist sehr gesund, es enthält viele Stoffe für eine gesunde Ernährung: Vitamine, Ballaststoffe, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe.

Und nicht zu vergessen: Streuobstwiesen sind wichtige Erholungsräume und vor allem in der Frühjahrsblüte wunderschön anzusehen!

Streuobstwiese im Sommer
Streuobstwiese im Sommer

Streuobstwiese im Sommer

Probleme der Streuobstwiese

Warum haben Streuobstwiesen unseren Schutz überhaupt nötig?

  • Ihre Fläche geht durch das Bau- und Siedlungswesen stark zurück. (Seit den 1960er Jahren um ca. 70%!)

  • Es sind nicht die Obstsorten, die bedroht sind, sondern das Wissen um die Bäume: Pomologen (= Obstbaumkundler) sind gefährdeter als die Sorten selbst.

  • Die Obstbäume vieler Streuobstwiesen befinden sich in einem mangelhaften und ungepflegten Zustand.

  • Mangelnde betriebswirtschaftliche Rentabilität, z.B. zu niedrige Mostobstpreise - das Unterhalten einer Streuobstwiese lohnt sich für die Obstbaumbesitzer einfach nicht mehr.

  • Zu hohe Ansprüche der Verbraucher: Diese möchten "makelloses" Obst aller Sorten zu jeder Jahreszeit genießen können. (Bis zu 50 Prozent der Lebensmittel in Industrieländen werden nicht gegessen, sondern wandern in den Müll - Obst wird wegen besonders strenger Schönheitskriterien oft schon entsorgt bevor es überhaupt im Supermarkt landet.)

Das Resultat: Streuobstwiesen stehen inzwischen auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Biotoptypen!

Jedes Jahr geht die Anzahl der Streuobstwiesen weiter zurück.

Streuobstwiesen auf der Schwäbischen Alb
Streuobstwiesen auf der Schwäbischen Alb

Streuobstwiesen auf der Schwäbischen Alb

Was kann jeder von uns tun, um Streuobstwiesen zu schützen und zu erhalten?

  • alte Obstwiesen nutzen und pflegen, regional angepasste Obstsorten pflanzen

  • Tieren ein Wohnrecht auf der Streuobstwiese gewähren: hohle Öffnungen in Bäumen nicht verschließen, Nistkästen anbringen,...

  • Erzeugnisse von heimischen Obstwiesen kaufen, ganz gezielt nach Streuobstprodukten fragen (wer regional kauft, trägt auch zur Energieeinsparung und damit doppelt zum Umweltschutz bei!)

  • wenn möglich, Obst direkt beim Besitzer der Streuobstwiese kaufen

  • selbst eine Obstwiese pachten

  • die Patenschaft für einen Obstbaum übernehmen

  • für den Erhalt von Streuobstwiesen spenden

Ganz neu: Ausbildung zum Streuobst-Pädagogen

In Baden-Württemberg ist sie ganz neu: Die Ausbildung zum Streuobst-Pädagogen.

Jeder, der an Natur interessiert ist und dieses Wissen gerne an andere weitergeben möchte, kann an diesem Lehrgang teilnehmen.

Weitere Informationen stellt die Website "Streuobst-Pädagogen" zur Verfügung.

Streuobstwiesen im Herbst
Streuobstwiesen im Herbst

Streuobstwiesen im Herbst

Auch der Gartenrotschwanz verliert seine Heimat!

Streuobstwiesen schwinden - das bedeutet auch für den Gartenrotschwanz den Verlust eines wichtigen Lebensraumes.

Weil der Gartenrotschwanz unsere Aufmerksamkeit und Hilfe braucht, wurde er von Natur- und Umweltschutzverbänden zum "Vogel des Jahres 2011" gewählt.

Apfelernte auf der Streuobstwiese

Apfelernte auf der Streuobstwiese

Wissenswertes, Rezepte und Hilfsprojekte rund um die Streuobstwiese

Streuobstsorten des Jahres 2010
Um auf den Rückgang der Streuobstwiesen aufmerksam zu machen, werden von verschiedenen Organisationen jährlich die "(Streu)Obstsorten des Jahres" gewählt - kennt ihr den "Kleinen Fleiner", die "Luxemburger Renette" oder das "Juwel aus Kirchwerder"?

Apfelbrötchen
Mein absolutes Lieblingsrezept aus Äpfeln - schnell, einfach und sehr lecker!

Bratapfelmarmelade
So kommt man ohne Stress zum perfekten Weihnachtsgeschenk: Die leckere und gesunde Bratapfelmarmelade kann man jetzt schon vorbereiten!

BUND: Streuobst
Der BUND informiert über seine Streuobstprojekte

NABU: Baumschulenliste
Wo bekommt man eigentlich Hochstamm-Obstbäume her?

Mostereien
"Mosttrinker sind Naturschützer!" Wer eine mobile oder stationäre Mosterei in der eigenen Umgebung sucht, der findet hier Informationen und Adressen

Die Streuobstwiese für Praktiker: Wissenswertes zu Anbau und Pflege
Ein praktischer "Streuobstwiesen"-Leitfaden im PDF-Format

Fotos: © M. Steininger

Michaela, am 10.10.2010
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Bildquelle:
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