Startpunkt: Bahnhof Griebnitzsee

Der Bahnhof Griebnitzsee in Potsdam war der Endpunkt der Etappe von Lichterfelde-Süd entlang des Teltowkanals und der Stammbahn. Nun ist er der Startpunkt für eine Etappe auf dem Berliner Mauerweg durch eine abwechslungsreiche Landschaft, in der viele sehenswerte Bauten, Gärten und Parks vom Wege ablenken.

Der Bahnhof Griebnitzsee wurde 1874 zur Erschließung der Villensiedlung Neubabelsberg eingeweiht. Die erste Bezeichnung lautete Neubabelsberg. 1938 wurde er in Babelsberg-Ufastadt umbenannt. Seit 1949 heißt er Griebnitzsee. Er wird heute von der S-Bahn auf der Verbindung von Wannsee nach Potsdam-Hauptbahnhof und von der Regionalbahn genutzt.

1952 wurde Griebnitzsee zum Kontrollbahnhof für die Interzonenzüge zwischen Berlin und Westdeutschland. Nach dem Bau der Mauer 1961 war der Bahnhof bis 1989 für den Nahverkehr verschlossen. Er wurde ausschließlich als Grenzübergangsstelle genutzt. Abgefertigt wurden die Transitzüge zwischen West-Berlin und den Bundesgebiet. Das Bahnhofsgelände war massiv gesichert und streng bewacht. Bis 1972 erfolgte die Grenzabfertigung im stehenden Zug. Nach Inkrafttreten des Transitabkommens wurden die Personenkontrollen während der Fahrt durchgeführt. Die Züge hielten in Griebnitzsee dann nur noch kurz zum Ein- oder Ausstieg des Kontrollpersonals.

Bahnhof Griebnitzsee (Bild: haros)

S-Bahn-Museum

Im ehemaligen Unterwerk Griebnitzsee befindet sich das Berliner S-Bahn-Museum. Es wird von Ehrenamtlichen betrieben und ist daher nur eingeschränkt geöffnet. Ein Besuch sollte möglichst in den Wanderplan des Berliner Mauerwegs eingeplant werden.

Fluchtversuche beim Bahnhof Griebnitzsee

Am Gleisdreieck Griebnitzsee / Kohlhasenbrück, kam es am 18. April 1962 zu einem Fluchtversuch. Der 19-jährige Offiziersschüler Peter Böhme wollte mit einem anderen Offiziersschüler nach West-Berlin fliehen. Es kam zu einem Schusswechsel zwischen den Flüchtlingen und DDR-Grenzsoldaten. Peter Böhme wurde tödlich getroffen. Postenführer der Grenztruppen war der Gefreite Jörgen Schmidtchen. Auch er wurde getötet.

Am Griebnitzsee entlang

Die Mitte des Griebnitzsees ist über den größten Teil des Sees die Grenze zwischen Ost und West. Nur ein kleiner Teil ganz im Westen gehörte vollständig zur DDR. Das südliche Seeufer war komplett mit der üblichen Grenzbefestigung versehen und der See war für Zivilpersonen nicht zugänglich. Ab 1990 wurde der Kolonnenweg zu einem beliebten Spazierweg der Potsdamer und ihrer Besucher.

Dann wurden die Villen am Griebnitzsee verkauft. Und zwar auf Grundstücken, die bis zum Ufer reichen. Und so blockieren die Grundbesitzer am See den Spazierweg. Die Stadt Potsdam kämpft seit Jahren für einen durchgehenden Uferweg am See und realisiert erste Teile. Doch die Auseinandersetzungen mit den Grundbesitzern dauern an und die zu nehmenden juristischen Hürden sind hoch.

Deshalb müssen die Aktiven auf dem Berliner Mauerweg den Griebnitzsee derzeit auf der Virchowstraße und der Karl-Marx-Straße vor den Villen passieren. Der Weg führt auf das Schloss Babelsberg mit seinem schönen Park zu. Am Parkrand geht es nun rechts hinab und über die Parkbrücke in den Potsdamer Ortsteil Klein Glienicke.

Genauso lohnend ist der Weg geradeaus in den Babelsberger Park mit seinem Schloss. Einen solch schönen Blick auf die Havellandschaft wie von hier gibt es nicht oft.

Am Griebnitzsee

Am Griebnitzsee (Bild: haros)

Das Grenzkuriosum Klein Glienicke

Der Teltowkanal trennte Klein Glienicke von Potsdam-Babelsberg. Wie eine Exklave ragte der Ortsteil von Potsdam nach West-Berlin. Dazu war der Ort noch wie ein Kleeblatt geformt und zwischen beiden Blättern gab es nur einen engen Durchgang.

Klein Glienicke war nur von Babelsberg über die Parkbrücke für die Bewohner erreichbar. Besucher mussten einen Passierschein beantragen. Wegen der durch das Grenzregime erschwerten Lebensumstände zogen vor allem die Jüngeren fort. Die frei werdenden Häuser wurden nicht weiter genutzt und abgerissen. 1979 wurde die Kapelle im Dorf geschlossen.

Im Juli 1973 gelang zwei Familien die Flucht nach West-Berlin. Sie gruben einen 19 Meter langen Tunnel vom Keller ihres Hauses unter den Sperranlagen hindurch. Die Grenztruppen gingen davon aus, dass hier direkt an der Havel das Grundwasser so hoch steht, dass ein Tunnelbau unmöglich sei. Mit dem trockenen Sommer 1973 hatten sie nicht gerechnet.

Der Berliner Mauerweg verlässt in Klein Glienicke den direkten Grenzverlauf. Es gab hier am den Hängen des Böttcherbergs nur wenige geeignete Wege. Daher geht es durch den Ort. Hier gibt es viele Einkehrmöglichkeiten. Bei schönem Wetter lockt direkt am Havelufer der Bürgershof mit seinem Biergarten. Der war mal das größte Gartenlokal Europas und bietet immer noch einen herrlichem Blick auf den Kanal und den Park Babelsberg am anderen Ufer. Sehenswert sind in Klein Glienicke die zwischen 1863 und 1887 errichteten Schweizer Häuser des Architekten Ferdinand von Arnim und die neugotische Kapelle nach Plänen von Reinhold Persius aus dem Jahr 1881.

Über die Waldmüllerstraße und die Mövenstraße geht es an dem Jagdschloss Glienicke vorbei nach West-Berlin zur Königstraße in Wannsee. Für Wanderer bietet sich auch der Weg durch den Park des Jagdschlosses an, der bis unter die Glienicker Brücke führt.

Glienicker Brücke

Glienicker Brücke (Bild: haros)

Fortsetzung des Mauerweges nach Wannsee

Hier beginnt das nächste Teilstück des Berliner Mauerwegs. Das führt ausschließlich durch das Gebiet des ehemaligen West-Berlins von der Glienicker Brücke bis zum Bahnhof Wannsee. Die Havel ist auf dem größten Teil des Weges der Begleiter.

An der Glienicker Brücke besteht die Möglichkeit zum Ein- und Ausstieg für Wanderer. Die Potsdamer Tram 93 verbindet die Glienicker Brücke mit dem Potsdamer Hauptbahnhof. Auf der Berliner Seite fährt der Bus 316 ab dem Bahnhof Wannsee bis zum Jagdschloss Glienicke.

Weiter gibt es hier alternative Wege durch die Landeshauptstadt Potsdam oder mit dem Potsdamer Wassertaxi nach Sacrow.

Kartenwerke

  • Bikeline: Berliner Mauer-Radweg. Esterbauer Verlag, 7. Aufl. 2014, ISBN 978-3-85000-457-2
Autor seit 3 Jahren
196 Seiten
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