Herdprämie oder Anerkennung für engagierte Mütter?

Die Diskussion um das Betreuungsgeld berührt weltanschauliche Fragen, die Argumentation dreht sich beileibe nicht nur ums Geld. Darum geht es bei diesem Thema so richtig heiß her. Die Rolle der Frau - speziell der Mütter - in unserer Gesellschaft wird durch finanzielle Anreize politisch definiert. So manch eine Frau fühlt sich direkt persönlich beleidigt, will man sie dafür bezahlen, daheim ihre unter dreijährigen Kinder zu hüten. Setzt das Betreeungsgeld tatsächlich das Signal: "Zurück an den Herd"? Oder handelt es sich einfach um eine finanzielle Anerkennung für Frauen, die, ihren Kindern zuliebe, die Karriere (kurzfristig) auf die lange Bank schieben? Beitet das Betreuungsgeld ausgleichende Gerechtigkeit oder setzt es ein falsches Signal?

Contra Betreuungsgeld: Besser Betreuungsplätze ausbauen

Jeder Geldschein ist nur einmal vorhanden, zweimal ausgeben geht nicht. Darum fordern viele Eltern den Staat auf, von dem vorhandenen Geld besser die Betreuungsplätze auszubauen, damit Vater und Mutter guten Gewissens arbeiten gehen können. Diese Eltern möchten ihren Kindern in der Arbeitswelt ein Vorbild sein und ihnen zeigen: Von nichts kommt nichts. Außerdem haben sie das Ziel, ihren Kindern finanziell möglichst viel zu bieten, mit ihnen gemeinsam Urlaub zu machen und kostspielige Hobbys zu finanzieren. Diese Eltern sagen: Es zählt nicht die Menge an Zeit, die wir mit unserem Kind verbringen, sondern die Intensität. Sie setzen darauf, dass es ihnen gelingt, abends und am Wochenende eine stabile Beziehung zu ihren Kindern aufzubauen. Darum sollten die Krippenplätze schon für die ganz Kleinen weiter ausgebaut - und auch die Hortbeutreuung für Schulkinder sollte den elterlichen Arbeitszeiten angeglichen werden. Die "Herdprämie" ist fehl am Platz, sagen im Arbeitsleben stehende Eltern, vor allem die Mütter. Sie bringe Frauen in finanzielle Abhängigkeit von ihren Männern und dränge sie in überkommende, traditionelle Rollenmuster. Die vorgeschlagenen Summen des Betreuungsgeldes reichten ohnehin nicht aus, um das wegfallende Gehalt der Frau zu ersetzen. Eher kommt da schon das Elterngeld mit dem Geschwisterbonus den Bedürfnissen arbeitender Eltern entgegen.

Pro Betreuungsgeld: kleine Kinder brauchen ihre Mütter

Kinder unter drei Jahren gehören zu ihrer Mama, sagen die Befürworter des Betreuungsgeldes. Man sollte es auch finanziell schlechter gestellten Familien ermöglichen, die kleinen Kinder liebevoll daheim auf das Leben vorzubereiten. Dafür ist es kein großes Opfer, die berufliche Karriere eines Elternteils mindestens drei Jahre lang ruhen zu lassen. Man bekommt schließlich Kinder, um Zeit mit ihnen zu verbringen und sie zu erziehen. Kinderkrippen bieten nicht dieselbe intensive Betreuung, wie die Mama oder Papa, die das Kleinkind zudem noch lieben. Mit dem Betreuungsgeld werden Signale in die richtige Richtung gesetzt, es erleichtert den Eltern, eine echte Entscheidung ohne finanziellen Druck zu treffen, ob sie ihre unter dreijährigen Kinder fremdbetreuen lassen möchten - oder lieber nicht. Natürlich ersetzt ein Betrag von etwa 150 Euro noch kein wegfallendes Gehalt, aber vielleicht wird das Betreuungsgeld in Zukunft ja noch erhöht. Auf jeden Fall zeigt die Politik damit, dass müttterliche Betreuung echten Wert besitzt.

Ist das Betreuungsgeld eine gute Idee?
Elisa, am 17.10.2011
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