Die "Schlacht von Mogadischu"

Black Hawk Down - Kein Mann bleibt zurück

Black Hawk Down auf blu-rayDie Armee ist seit jeher eine Art "Heilige Kuh" der meisten US-Amerikaner. Mögen moralische Bedenken bei vielen Einsätzen noch so schwer wiegen: "Support our troops" steht für Viele in keinem Widerspruch zur Kritik am militärisch-industriellen Komplex und seinen Auswirkungen, vor denen einst der damalige US-Präsident Dwight D. Eisenhower in seiner Abschiedsrede gewarnt hatte. Quer durch alle sozialen Schichten, Altersgruppen oder politischen Gruppierungen zieht sich der Zusammenhalt in Punkto Verteidigungsbereitschaft wider den Feind.

 

 

Umso größeres Entsetzen herrscht, wenn militärische Einsätze nicht den gewünschten Erfolg zeigen oder mit einer hohen Anzahl eigener Verluste enden. Eines der traumatischsten Ereignisse der letzten Jahrzehnte war zweifellos der als "Schlacht von Mogadischu" in die US-Geschichte eingegangene Militäreinsatz am 3. und 4. Oktober. Bei einem vermeintlichen Routineeinsatz wurden zwei Hubschrauber des Typs "Black Hawk" abgeschossen und die Besatzungen sowie die Rettungstrupps von Aufständischen angegriffen. 

 

18 US-Soldaten starben, und die Bilder der unter dem Jubel der Bevölkerung durch die Straßen geschleiften Leichen zweier US-Soldaten schockierten die USA. Acht Jahre später zeichnete Ausnahmeregisseur Ridley Scott die Ereignisse jener Tage filmisch nach. "Black Hawk Down" basiert auf dem Bestseller "Black Hawk Down - Kein Mann bleibt zurück" des Journalisten Mark Bowden. Ausgerechnet im schicksalshaften Jahr 2001 rückte die "Schlacht von Mogadischu" erneut ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

Die

Trailer "Black Hawk Down"

Black Hawk: Down!

Oktober 1993: Der afrikanische Staat Somalia wird von einem grausamen Bürgerkrieg erschüttert. Mitten in diesem Chaos soll eine US-amerikanische Task Force den Warlord Mohammed Farah Aidid gefangen nehmen. Was angesichts der überlegenen Feuerkraft wie ein Routineauftrag klingt, entpuppt sich als Höllentrip. Die Militäroperation scheitert, nachdem ein "Black Hawk"-Hubschrauber abgeschossen wurde.

 

Rasch wird eine Task-Force-Ranger-Einheit unter Führung des wenig erfahrenen Staff Sergeant Eversmann (Josh Hartnett) zur Rettung der Vermissten ausgesandt. Rasch erweisen sich die unzulänglichen Vorbereitungen auf den Einsatz: Ein zweiter "Black Hawk" wird abgeschossen und das vermeintliche Rettungsteam sitzt plötzlich in der Falle. Von hunderten somalischen Kriegern umzingelt kämpfen die Soldaten ums nackte Überleben. Ein Kampf, den 18 US-Amerikaner verlieren sollten …

Dimension des Krieges

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Zweifellos stellt "Black Hawk Down" Ridley Scotts bislang umstrittensten Film dar. Nach Meisterwerk wie "Alien" oder Gladiator", aber auch Gurken der Marke "Die Akte Jane", widmete sich der ehemalige Werbefilmer einer heiklen Aufgabe: Eine militärische Operation zu schildern, ohne allzu tief in den Patriotismustopf zu greifen. "Mission: Impossible" könnte man annehmen, zumal der Streifen massiv von der US-Army unterstützt wurde. Sowohl Ausrüstung, als auch Statisten stellte das nach positiver Rezeption dürstende Militär bereit und ermöglichte somit die technische Umsetzbarkeit des Filmes.

 

Freilich: Gerade diese Praxis ruft seit jeher Kritik hervor. Nicht zu Unrecht, werden doch – gemäß der ungeschriebenen Regel: "Wer zahlt, schafft an" – negative Untertöne vom Militär nicht gewünscht. Entsprechend müssen sich Filmemacher den Änderungswünschen beugen. Trotzdem verkommen Werke wie eben "Black Hawk Down" oder der Science-Fiction-Klassiker "Der letzte Countdown" nicht zu reinen Werbefilmen für "Uncle Sam".

 

 

Kein klassischer Kriegsfilm

Klarerweise nimmt der Streifen die Perspektive der US-Soldaten ein, aus deren Sicht das Geschehen geschildert wird. Trotzdem spielen Heroismus und allzu glatter Patriotismus keine Rolle. Ganz im Gegenteil: Nüchtern werden wie bei einer Dokumentation die Protagonisten, ihre Handlungen und die Konsequenzen daraus ins Zentrum gerückt, ohne zu beschönigen oder zu verharmlosen. Von Beginn weg setzt sich in "Black Hawk Down" die Diktion eines distanzlosen Kriegsfilms durch. In diesem Kampf gibt es keine klar verteilten Rollen. Die Soldaten auf beiden Seiten werden zum einen Täter, zum anderen Opfer in einem verworrenen Konflikt.

 

Natürlich kann man anprangern, dass den 18 toten US-Soldaten viel Augenmerk gewidmet wird, während die rund eintausend bei den Gefechten getöteten Somalier lediglich eine Fußnote bilden. Allerdings war es von Anfang an kein Ziel Ridley Scotts, ein moralisch ausgewogenes Werk zu inszenieren. Ihm lag vor allem daran, eine für US-Amerikaner prägnante blutige Auseinandersetzung zu schildern – samt den sich daraus ergebenden Konsequenzen. Im weiteren Verlauf des Bürgerkrieges zog sich die US-Army völlig zurück, was wohl zum endgültigen Zusammenbruch des Staatswesens führte.

 

 Oscar, Oscar!

2002 erhielt "Black Hawk Down" zweimal den "Oscar: Einmal für den "Besten Schnitt" sowie ein weiteres Mal für den "Besten Ton". Zwei durchaus akzeptable Entscheidungen. Gerade der rasante Schnitt sorgt für die nötige Dynamik bei einem derartigen Film. Hans Zimmer steuerte den atmosphärisch wunderbar passenden Soundtrack bei.

 

Fazit nach über zwei Stunden: Ridley Scott lieferte einen harten, dreckigen Film ohne moralische Wertungen ab. Charakterisierungen oder "coole Sprüche" wurden absichtlich vermieden, um das Grauen des Krieges noch anschaulicher zu schildern. Denn: Wer überlebt und wer stirbt ist keine Frage der Moral oder Anständigkeit, sondern von Faktoren abhängig, die sich fernab der Einflussmöglichkeit der ins Gemetzel Hineingeworfenen befinden. Die technischen Möglichkeiten haben sich gewaltig verändert – die unfassbar unmoralische Dimension des Krieges ist indes seit Jahrtausenden gleich geblieben.

Die harten Fakten

Originaltitel: "Black Hawk Down"

Regie: Ridley Scott

Produktionsland und -jahr: USA, 2001

Filmlänge: ca. 142 Minuten

Verleih: Universum Film GmbH

FSK: Ab 16 Jahren

Deutscher Kinostart: 10.10.2002

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Autor seit 6 Jahren
837 Seiten
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