Der Ursprung des Boßelns

Boßeln ist so eine Art Zwischending zwischen Straßenkegeln ohne Kegel und Boule, dem französischen Sandbillard. Meist kämpfen zwei Mannschaften gegeneinander ( es geht auch mit mehreren): Die Mannschaft, die mit der 1.100 Gramm schweren Holz- oder Gummikugel mit den wenigsten Würfen zuerst am Ziel anlangt, hat gewonnen. Es gibt aber auch das Standboßeln. Hier ist derjenige Boßelmeister, der mit 10 Würfen die größte Weite erzielt.

Boßeln

Beim Boßeln auf der Strecke entlang wird eine Art Fanggerät an langer Stange mitgeführt, denn der Zaungast und Boßellaie sieht meist die Ostfriesen nicht werfen, sondern immer wieder mit diesem Stiel nach der Kugel in den Dükern (Wassergräben am Straßenrande - wie im Foto weiter unten) stochern.

Entwickelt hat sich diese Sportart aus dem sogenannten Klootschießen. Wann genau und wer damit anfing, ist heute nicht mehr klar. Mit Kloot meinte man aber "Kluten", und das sind Erdklumpen aus dem schweren schwarzen Marscherdboden, mit denen man früher warf. Vereinzelt wird das heute aber auch noch bei Frostwetter auf Feldern durchgeführt. Dies soll im 18. Jahrhundert aber so ausgeartet sein, dass es 1711, 1755 und 1789 neuerlich immer wieder von der Obrigkeit verboten wurde.  

Historisches Verbot

"Wenn bei hochfürstlicher Regierung bekannt geworden ist, daß das verderbliche Klootschießen hier bei der Stadt und im Lande wiederum einreißen will, diesem mit allerlei Unordnung und einem wilden, wüsten Wesen vergesellschafteten Unternehmen aber umsoweniger nachzusehen ist, da allbereits hiebe vor nämlich unter d. 15. Februaris 1755 und unter d. 19. Jan. 1760 die nachdrücklichsten Verbote von öffentlicher Canzel dieserwegen ergangen ist, als wird mittels Erneuerung derselben das sogenannte Klootschießen und das dabey gewöhnliche Zusammenlaufen überhaupt, es mag dabey gewettet werden oder nicht, bei Gefängnisstrafe und auch sonstiger scharfer körperlicher Züchtigung hierdurch anderweits verboten.."

Die spezielle Boßel-Kugel

Die Ostfriesen kümmerte das obige Verbot aber wenig. Sind sie doch ein stolzes Volk, das als einziges in Deutschland  keine Leibeigenen aufwies und in seinem Wappen stehen hat: "Lever dod als slav": "Lieber tot als Sklave".  

Beim Boßeln warf man ursprünglich mit einer massiven Holzkugel. Doch im offiziellen Wettkampf sind heute nur noch Gummikugeln oder Kunststoffkugeln zulässig. Unterschiedlich sind Durchmesser und Gewicht, je nachdem, ob es sich um Jugendwettkämpfe oder die der Frauen oder Männer handelt. Das geht eben von 10 bis 12 Zentimetern Durchmesser und 710 Gramm bis 1.100 Gramm Gewicht der Kugeln.

Das Ganze findet ganz offiziell auf den normalen Dorf- und Landstraßen statt. Und nie sieht man ostfriesische Autofahrer so rücksichtsvoll fahren beziehungsweise anhalten wie beim Begegnen von Boßel-mannschaften unterwegs.

Früher wurde so die lange Strecke zwischen zwei auseinander liegenden Gasthöfen möglichst kurzweilig zurückgelegt, sagt man. Heute kann es auch auf freier Strecke stattfinden, die Gasthöfe werden ersetzt durch den unbedingt mitzuführenden Marketenderwagen (siehe Foto unten mit der Ankunft eines fröhlichen Boßelteams!): Auf ihm befinden sich so wichtige ostfriesische Grundnahrungsmittel wie heißer Tee, Mettwurst, Kuchen und Korn! Übrigens: nicht nur die Ost- und Nordfriesen tun es, auch die Niederländer und die Iren tun es!

Feuchtfröhlicher Boßelverein

Bildnachweis: Mit freundlichen Genehmigungen: Aus dem Katolog "Aus dem Land der Teetrinker" der Firma Uwe Rolf in Aurich. Homepage von Uwe Caspers, Vorstandsmitglied des Friesischen Klootschießer Verbandes. Freudenstein Event Consulting

Arlequina, am 26.12.2011
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