Die Hornträger (Bovidae) - eine artenreiche Familie der Paarhufer

Aus der Ordnung der Paarhufer, früher als Huftiere bezeichnet, sticht die Familie der Hornträger oder Rinderartigen (Bovidae) mit hundert verschiedenen Arten geradezu heraus.

  • Als "Art" oder "Spezies" wird die letzte, nicht weiter zu untergliedernde Gruppe des biologischen Klassifikationssystems bezeichnet.
  • Zu einer Art gehören Lebewesen, die einander ähnlich sind und sich miteinander erfolgreich paaren. Merkspruch: "Was sich schart und paart, gehört zu einer Art"

Systematischer Überblick

  • Klasse Säugetiere (Mammalia)
  • Ordnung Paarhufer (Artiodactyla)
  • Unterordnung Wiederkäuer (Ruminantia)
  • Familie Hornträger oder Rinderartige (Bovidae)
  • Unterfamilien: Bovinae, Cephalophinae, Hippotapinae, Antilopinae, Caprinae, ...

Die Familie der Hornträger (Bovidae)

Den Ursprung der Hornträger vermutet man in Eurasien, die Ausbreitung erfolgte jedoch bis nach Nordamerika (Bison) und natürlich auf den afrikanischen Kontinent. Nur in Südamerika und Australien gibt es kein natürliches Vorkommen der Bovidae.

Die frühesten Fossilien wurden in Europa, Afrika und Asien gefunden. In Nordamerika konnten Rinderartige erst seit der letzten Eiszeit nachgewiesen werden.

 

Hornträger, deren Hörner alle Ehre machen

Steinbock (Bild: a.sansone)

Was haben sie gemeinsam - Familienmerkmale der tierischen Art

Nachdem sie aus der

  • Ordnung der Paarhufer stammen, haben alle an den Vorder- und Hinterfüßen nur noch die dritte und vierte Zehe (ein Paar Zehen je Fuß), die zu gespaltenen Hufen umgewandelt worden sind. 
  • Alle Tiere haben Hörner, auch die Weibchen. Die Hörner der Weibchen sind allerdings meist kleiner. Die Hörner sind hohl und je nach Art unterschiedlich geformt. Sie dienen als Waffe bei Rivalitätskämpfen, aber auch gegen Fressfeinde.

Bei manchen Nutztieren wurden die Hörner weggezüchtet. Hörner gibt es als Miniaturausgabe, wie bei manchen Ziegen oder als mächtige gedrehte Hörner bei den Dickhornschafen oder als gewaltige schwere Hörner beim Steinbock.

Hornträger sind Wiederkäuer (Ruminantia)

Hornträger sind spezialisierte Pflanzenfresser, die vom breiten Angebot der verfügbaren Nahrung Gebrauch machen. Pflanzenkost ist jedoch arm an Eiweiß, leicht aufschließbaren Kohlehydraten und Fetten. "Gräser und Kräuter bestehen hauptsächlich aus Zellulose (Rohfaser) und enthalten nur wenig Aminosäuren, Eiweißverbindungen, Zucker und Lipide. Um Zellulose zu einfacheren und leicht verwertbaren Verbindungen wie z.B. Zucker abzubauen, wird das Enzym Zellulase benötigt." Da dieses Ferment bei Säugetieren nicht vorhanden ist, müssen Mikroorganismen, wie Bakterien, Hefen und Protozoen als so genannte Symbionten die Aufspaltung vornehmen. Sie zerlegen im vierteiligen Magen der Wiederkäuer die Zellulose.

Eine gründliche mechanische Zerkleinerung der Pflanzennahrung ist die Vorbedingung. Das Gebiss der Wiederkäuer wird also in hohem Maße in Anspruch genommen, denn die Kristalle der Kieselsäure oder der Oxalate nutzen die Zähne rasch ab.

Aus der ersten Magenkammer, dem Pansen, welcher die grob zerkaute Nahrung aufnimmt, wird sie weiter geleitet an den Netzmagen. Hier wird vorverdaut, die Nahrung zu kleinen Kugeln geformt und durch Aufstoßen wieder in den Mund zurück befördert. Nun wird abermals gründlich zermalmt. Über die Stationen Pansen und Netzmagen wird nun im Faltenblättermagen die Flüssigkeit entzogen, aus dem Labmagen schließlich, wo die Symbionten ihre letzte Arbeit leisten, wird der Nahrungsbrei dann in den Darm übergeleitet.

Nahrungsergänzungsmittel auch in freier Natur?

Leicht hat man es nicht als Wiederkäuer. Man muss dauernd fressen oder verdauen und rülpsen und trotzdem fehlt der Nahrung die letzte Prise Würze. Was tun?

Der Zusatzspeiseplan mancher Horntiere kommt einem vor, wie Max Muskelmann, der in den nächsten Drugstore rennt, um sich mit Zusatzstoffen aufzupumpen.

Auf den Shetlandinseln enthält das Weidegras zu wenig Kalzium. Um diesen Mangel auszugleichen, quasi als Nahrungsergänzungsmittel, sind die Shetlandschafe dazu übergegangen tote Küken der Küstenseeschwalben zu fressen, wobei vor allem der Skelettanteil wichtig ist.

Andere Pflanzenfresser wiederum lecken Salz oder nehmen mineralhaltige Erde als Ergänzung zu sich.

Clevere Rinder nutzen den (Angst?) Schweiß der in den Bergen unvermeidlichen Mountainbiker.

Wer gehört nun zu den Hornträgern/Bovidae?

  • Bison, Heimat Nordamerika
  • Wisent, Heimat Europa, wieder angesiedelt im geschützten Urwald von Bialowieza (Polen)
  • Yak, Heimat Asien
  • Hausrind
  • Kaffernbüffel, Heimat Afrika
  • Dickhornschaf, Rocky Mountains
  • Alpensteinbock, Heimat Europa
  • Gämse, Heimat Europa, Kleinasien
  • Mähnenspringer, Heimat Afrika
  • Gazelle, Heimat Afrika, Asien

Die lieben "Rindviecher" Rinder sehen wir uns in einem eigenen Artikel genauer an.

Adele_Sansone, am 13.08.2015
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Bildquelle:
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