Kot, Dung, Fladen, Apfel, Köttel, und mehr

Pferdeapfel (Bild: ThomasKohler / Flickr)

Die Titelhelden der Geschichte: ein Pferd, eine Kuh, ein Reh

Mal ganz von Anfang an:
Tiere ernähren sich von organischen Stoffen, das heißt von Stoffen, die von anderen Lebewesen, Tieren oder Pflanzen, hergestellt wurden. Deshalb spricht man von diesen drei großen Gruppen: Pflanzenfresser (Herbivoren), Fleischfresser (Karnivoren) und Allesfresser (Omnivoren).

Magensäure, Mikroorganismen wie Bakterien, Protozoen und Hefen, Enzyme, sowie mechanische Zerkleinerung sorgen für den Aufschluss der Nährstoffe des Futters. In unserem Fall ernähren sich alle drei Tiere von Pflanzen, um bei der Geschichte zu bleiben: "Sie fressen Gras", sind also Herbivoren.

Jetzt aber wird es interessant, denn zumindest zwei dieser Tiere haben ein unerschiedliches Verdaungssystem. Schauen wir mal genauer hin.

Pferd:

Das Pferd (Equus, Familie Equidae) gehört zu den Unpaarhufern. Die Unpaarhufer (Pferde, Nashörner, Tapire) verdauen die Nahrung im Hinterdarm (Blinddarm und Dickdarm), ein voller Durchgang dauert in etwa 2 Tage.

Pferde kauen ihr Futter nur einmal, sie haben nur einen einfachen Magen, einen langen Darm und breite lange Zähne, um harte faserige Gräser zu zermahlen. Auch der Blinddarm übernimmt Zersetzungsfunktion.

Kuh und Reh:

Schön, diese zwei Tiere gehören nämlich in eine gemeinsame Gruppe, die Paarhufer (Hirsche (Familie Cervidae, Reh Capreolus), Rinder (Bos, Familie Bovidae). Beide sind Wiederkäuer.

Die Futterverwertung geschieht in vier Magenkammern (Kamele nur drei, der Mensch nur eine). Das grob zerkaute Futter (Gräser, Kräuter, Blätter, Heu) gelangt der Reihe nach in Kammern 1 und 2, durch Bakterien vorverdaut, Zellulose wird zersetzt, aufstoßen. Erneut gründlich durchkauen, schlucken,in den Kammern 3 + 4, Mikroorganismen sorgen für weitere Aufspaltung. Nach bis zu 4 Tagen landet der Rest im Darm und anschließend auf der Wiese oder im Stall.

 

Pferd (Bild: rihaij / Pixabay)

Das gefragte Produkt in dieser Geschichte: Kot? Dung? Mist? Losung? Oder einfach Scheiße?

  • Das Wort Kotmed. Fäzes oder Faeces, wohl im 19. Jahrhundert aus dem französischen Adjektiv fécal als Fäkalien ins Deutsche entlehnt – bezeichnet die Ausscheidungen des Darms oder der Kloake. Kot setzt sich aus Wasser, Darmbakterien, abgeschilferten Zellen der Darmschleimhaut, Sekreten der Verdauungsdrüsen, nicht resorbierten Nahrungsbestandteilen sowie Gärungs- und Fäulnisprodukten zusammen. (Quelle Wikipedia)

 

Vor allem bei Pflanzenfressern, insbesondere Huftieren, ist die Bezeichnung Dung, in der Jägersprache Losung, üblich. Hingegen ist Mist eine Mischung aus Einstreu und Dung bei der Stallhaltung von Pflanzenfressern (Pferdemist, Rindermist).

*Europäer mögen wohl die Nase rümpfen, aber in vielen Regionen der Erde ist Dung wertvoll. Getrockneter Dung wird als Brennstoff verwendet. In Indien vor allem Kuhdung, in Wüstengebieten Kamel­dung und in Asien und Afrika wird auch Elefanten­dung als Ersatz für Holz verwendet. Auch als Baumaterial findet Dung in getrocknetem Zustand Verwendung.

Pferd, Kuh und Reh und ihr Endprodukt im Detail

Verdauung beim Pferd

Abb.Säugetiere, Contmedia

Pferde sind keine Wiederkäuer, sondern verdauen die Nahrung im Hinterdarm (Blinddarm und Dickdarm). Sie nutzen ihre Nahrung nicht so gut aus wie Rinder (Was die Spatzen zu schätzen wissen). Als Steppentiere müssen sie mit dem Wasser mehr haushalten als Rinder, die eher in "saftigen" Gegenden unterwegs sind - und deswegen auch keine Mühe drauf verwenden, ihrem Kot viel Wasser zu entziehen.

Endprodukt: der Pferdeapfel

Der Pferdeapfel (Rossknödel, Pferdeäppel) ist das verdaute Endprodukt von Pferden. Der Name kommt daher, dass die einzelnen Kotballen in Größe und Form an einen Apfel erinnern.

Pferde äpfeln alle 30 bis 120 Minuten, wobei sie bis zu 50 Kilogramm Pferdeäpfel am Tag abgeben können. Im Kot findet man noch teilweise die unverdauten Bestandteile der Nahrung. Grüne, weiche Pferdeäpfel produzieren Pferde, die sich auf der Weide befinden. Gelb-hellbraune Äpfel stammen von Tieren, die mit Stroh, Heu und Hafer gefüttert werden.

Die typische Äpfel-Form wird im Mastdarm erzeugt. In der Darmwand liegen bauchige Taschen (Poschen), die durch feste, schmale Muskel-Streifen (Tänien) unterbrochen werden. Ziehen sich die Tänien zusammen, schnüren sie Kotballen ab.

Übrigens: Pferdeäpfel sind bei Gärtnern ein beliebter Dünger (Rosen oder Erdbeeren).

 

Verdauung bei der Kuh

Abb. Säugetiere, Contmedia

Pansen=erster Magen, weicht vorgekaute Nahrung auf; Netzmagen=zweiter Magen, erhält in kleinen Mengen Nahrungsbrei, die Futterknäuel werden ins Maul zurück befördert und wiedergekäut; Blättermagen= dritter Magen, dickt Nahrungsbrei ein, Labmagen= vierter Magen, übernimmt Hauptteil der Verdauung, Blinddarm unterstützt die Verdauung der Pflanzenfasern, im Dickdarm geschieht die restliche Eindickung.

*Kleine Anmerkung: Der Mensch, der nur mehr einen extrem kurzen Blinddarm besitzt, ist nicht imstande aus rein vegetarischer oder veganer Kost die notwendigen Nährstoffe zu beziehen.

Endprodukt Kuhfladen

Als Kuhdung werden die Ausscheidungen (Exkremente) der Rinder bezeichnet. Das Einzelprodukt

nennt sich Kuhfladen.

  • Ca. 30 cm Durchschnitt, Gewicht bis zu zwei Kilogramm. Eine Kuh produziert zwischen 8 und 10 Fladen am Tag. Zu feuchte Fladen zeugen jedoch von einer gestörten Verdauung.
  • So ein Kuhfladen wird in Kürze zu einem eigenen kleinen Biotop. Er wird Lebensraum für zahlreiche Insekten, von Fliegen, Schmetterlingen bis Käfern stürzt sich alles darauf. Rund um einen Kuhfladen wächst das Gras besonders üppig.

Verdauung bei Hirsch und Reh

Abb.Säugetiere, Contmedia

Rehe sind Wiederkäuer, allerdings haben sie einen verhältnismäßig kleinen Pansen. Sie haben nur zwei statt der für Wiederkäuer so charakteristischen drei Blindsäcke (Kuh). Rehe fressen nur leicht verdauliche Nahrung. Wasser ist nicht unbedingt als Trinkwasser erforderlich, weil die natürliche Nahrung ausreichend Feuchtigkeit enthält. Nur bei großer Trockenheit sind Rehe regelmäßig an Wasserstellen zu beobachten. Zwischen den Äsungen liegt meist eine längere Wiederkäuperiode.

 

Endprodukt Losung

Abb. Tierspuren und Fährten in Feld und Wald.

Zum Wiederkäuen suchen Rehe am liebsten eine Stelle auf, wo sie viel sehen können, ohne gesehen zu werden. Die Reh-Losung besteht aus einem Haufen brauner Kotbeeren, die bei feuchtigkeitshaltiger Sommeräsung zusammen kleben.
Im Winter, bei eher trockenem Nahrungsangebot, sind die kleinen Bohnen gut einzeln erkenntlich. Sie riechen nicht.

 

Warum ihre Exkremente so unterschiedlich aussehen...

... erklärt sich aus den vorhergehenden Kapiteln. Je nach Nahrung, Verdauungsapparat und Lebensweise gibt es dann eben unterschiedliche Formen. Alle drei Tiergruppen verwerten ihre Nahrung unterschiedlich. 

Das rohfaserreiche Futter, sprich die Zellulose, wird im Wiederkäuermagen besser ausgewertet, doch die Konsistenz der Ausscheidung liegt vor allem am Wasser.

  • Ein Pferd verwertet seine faserreiche Nahrung viel unvollständiger. Man sieht im Kot noch die Pflanzenfasern oder ganze Körner. Pferde, als Steppentiere, müssen mit dem Wasser mehr haushalten als Rinder, die eher in "saftigen" Gegenden unterwegs sind - und deswegen auch keine Mühe drauf verwenden mussten, ihrem Kot viel Wasser zu entziehen.
  • Kühe müssen Unmengen von Wasser trinken (überhaupt die hochgezüchteten Turbokühe), um den Nahrungsbrei zu durchmischen. Eher trockene Fladen sprechen für eine gute Verdauung, sehr flüssige Fladen sollten den Bauern stutzig machen.
  • Das Reh scheidet konzentrierten Kot aus, nimmt spärlicher Wasser zu sich als die Kuh. Wildtiere haben keinen extra Wassertrog zur Verfügung. Dementsprechend kompakt ist die Konsistenz ihrer Ausscheidung.

Ein Kamel als Beispiel für extrem wasserarme Gebiete, scheidet sehr trockenen Kot aus, um in dem kargen, wasserarmen Lebensraum möglichst wenig Wasser zu verlieren.

Haben wir dem kleinen Mädchen aus der Geschichte die Frage ausreichend beantwortet, ohne es noch mehr zu verwirren?

Hoffentlich. Wenn nicht, im nachfolgenden Video bemüht sich noch jemand die Geschichte der Verdauung kurz und knapp und garantiert nicht "anrüchig" zu vermitteln. Viel Spaß dabei:

Quellen

  • Unbekannte Tierwelt, Weltbild, 1997 Augsburg
  • Mein Bildlexikon Tiere, Weldon Owen; Xenos Verlag, 2013 Hamburg
  • Tiere in ihrem Lebensraum, Dröscher; Ravensburger, 1988 Berlin
  • Säugetiere, International Knowlwdge; Contmedia, 2008 Burg
  • Tiere, Dorling Kindersley, 2006 Starnberg
  • Warum Pandas Handstand machen, Brown; Ullstein, 2009 Berlin

und eine Unmenge an hilfreichen Informationen im Internet.

Lesetipp

Mein neues eBook im kindleShop Hassan-ein unmöglicher Traum

Adele_Sansone, am 08.02.2017
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Bildquelle:
https://pagewizz.com/welche-pflanzen-sind-giftig-fur-katz... (Welche Pflanzen sind giftig für Katzen?)

Autor seit 5 Jahren
293 Seiten
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