Trailer "Buried - Lebend begraben"

Handlung - "Come on and join our convoy, ain't nothin' gonna get in our way. " - C.W. McCall ("Convoy")

Irgendwann im Jahr 2006 mitten im Irak: Lastwagenfahrer Paul Conroy (Ryan Reynolds) erwacht äußerst beengt. Dank eines Feuerzeugs stellt er fest, welches grausige Schicksal ihn ereilte. Er befindet sich lebendig begraben in einem Holzsarg! Rasch wird ihm klar, wer ihn in diese üble Lage brachte. Aufständische hatten seinen Konvoi überfallen, die meisten Männer erschossen, ihn entführt und offensichtlich in einen Sarg eingeschlossen und diesen vergraben.

Neben dem Feuerzeug befindet sich noch ein Handy in der Holzkiste. Prompt klingelt dieses und beseitigt jeden Zweifel. Paul wurde entführt, um 5 Millionen Dollar Lösegeld zu erpressen. Geld, das der junge Familienvater natürlich nicht besitzt. Hektisch telefoniert er in die USA und fleht FBI-Agent Dan Brenner (Stimme:Robert Paterson) um Hilfe an. Dafür wäre jedoch zwecks Ortung die Handynummer nötig, die Paul aber im auf Arabisch eingestellten Menü nicht findet.

Während Dan ihn zu beruhigen versucht, geht Paul nicht nur der Sauerstoff aus: Immer wieder rieselt Sand durch den Sargdeckel. Dem lebendig Begrabenen droht ein qualvolles Ende...

Kritik

Folterkammerspiel der Marke Hitchcock

"Buried - Lebend begraben" ist die radikale Reduktion auf das Wesentliche: Grauenhaftes Alptraumszenario, Wettlauf gegen die Zeit, FIxierung auf den unglücklichen Protagonisten. In ähnlicher Form hatte der Meister des Thrillers, Alfred Hitchcock, in einigen seiner Filme dieses Szenario vorweggenommen, etwa in "Das Rettungsboot". Am deutlichsten in einer Folge seiner TV-Serie "Hitchcock präsentiert", in der ein Geschäftsmann nach einem Unfall scheintot, aber bei vollem Bewusstsein in der Leichenhalle seiner Obduktion entgegenzittert.

Der spanische Regisseur Rodrigo Cortés findet hierzu aber einen Kontrapunkt, denn Paul ist weder scheintot, noch völlig hilflos. Ihm steht ein modernes Handy zur Verfügung, das ihm eigentlich seine Rettung garantieren sollte. Aber allen Anrufen zum Trotz scheint ihm niemand wirklich helfen zu können... oder es zu wollen.

 

Gesellschaftskritik in "Buried - Lebend begraben"

Denn hinter dem Anruf viele tausend Meilen von den USA entfernt steckt für Telefonistinnen, Bürokraten und Konzernleiter kein Mensch, sondern ein unangenehmes Ärgernis, mit dem man sich nicht die Finger schmutzig machen möchte. Zwar bedauern sämtliche Gesprächsteilnehmer Pauls Lage. Das Mitgefühl endet aber dort, wo sie persönliche Verantwortung übernehmen müssten.

Ironischerweise ist Pauls Entführer der einzige tatsächlich mitfühlende Gesprächspartner, der ungeheure persönliche Verluste erlitten hat und trotz des Hasses gegenüber den amerikanischen Besatzern Verständnis für ihn aufbringt. Was Paul natürlich kein Trost ist, zumal seine Zeit unbarmherzig abläuft.

 

Sarg als riesige Sanduhr

In einem bemerkenswert symbolischen, wie auch spannungsfördernden Akt formt Rodrigo Cortés den Sarg zu einer riesigen Sanduhr um. Während die Atemluft immer weniger wird, dringt zunehmend Sand durch den Deckel und bedroht Paul mit einem weiteren qualvollen Todesszenario. Als befände er sich in einer Sanduhr muss der junge Familienvater hilflos mitansehen, wie sich immer wieder Sand in das ohnehin beengte Innere des Gefängnisses ergießt.

 

One-Man-Show von Ryan Reynolds

Fast die gesamte Laufzeit über nimmt der Zuschauer Anteil an Pauls Schicksal, da er der einzige sichtbare Akteur ist. Alle übrigen Figuren werden lediglich als Stimmen am Telefon lebendig. Einem Voyeur gleich beobachtet das Publikum Pauls verzweifelte Bitten um Hilfe. Einen fiesen Seitenhieb teilt Cortés gegen die Videoplattform "Youtube" aus, indem Pauls Entführer diesen zwingt, sich selbst im Sarg zu filmen und das kurze Video bei Youtube hochzuladen. Kurze Zeit später wird ihm vom FBI-Agenten mitgeteilt, dass betreffendes Video bereits mehrere zehntausend Hits erlangt habe.

Freilich: Die beste und spannendste Story nützt nichts, wenn die schauspielerische Umsetzung nicht überzeugend ausfällt. Feschak Ryan Reynolds zieht seine One-Man-Show konsequent durch, wenngleich er einige Male gefährlich nahe an der Grenze zur Karikatur taumelt. Glücklicherweise sind diese Momente rar gesät und werden sofort wieder durch die unerträgliche Spannung kompensiert.

 

Clever inszenierter Horrorthriller "Buried - Lebend begraben"

Wie man aus wenigen Quadratmetern Platz eine Bühne für ganz großes Kino gestalten kann, beweist "Buried - Lebend begraben" eindrucksvoll. Obwohl der Fokus natürlich stets auf Ryan Reynolds gerichtet bleibt, scheut sich die Regie nicht davor, mitunter ungewöhnliche Perspektiven einzunehmen und somit für Abwechslung zu sorgen, um den Zuschauer nicht visuell zu ermüden. Wer hätte aber auch geahnt, dass ein Sarg Raum für derlei unerträgliche Spannung bietet?

Fazit - Origineller Horrorthriller ohne Schnörkel

Ein wenig musste man nach all den Vorschusslorbeeren und den begeisterten Kritiken Angst haben, bei "Buried - Lebend begraben" wieder einmal dem Hype-Phänomen auf den Leim gegangen zu sein. Derlei Sorgen zerstreut Rodrigo Cortés von Anfang an. Schon nach wenigen Minuten ist der Zuschauer voll und ganz im Filmgeschehen gefangen und bangt mit Paul um dessen am seidenen Faden hängenden Leben.

Die abwechslungsreiche Handlung und die sichere Regie sorgen für einen der spannendsten Horrorthriller der letzten Jahre. Und das trotz Verzichts auf Spezialeffekte, Blutorgien oder Actionszenen. Einmal mehr beweist sich: Psychologischer Horror erschüttert bis ins Mark und tiefer noch...

Wer nach all den belanglosen Thrillern, Horror-Remakes und uninspirierten Verfilmungen der jüngeren Vergangenheit intelligente, spannende Unterhaltung mit Gänsehautgarantie sucht, kommt an "Buried - Lebend begraben" nicht vorbei.

Zombies? Aliens? Kannibalen? Lächerlich! Das wahre Grauen ist ein vier Kubikmeter winziges Gefängnis unter der Erde.

Daten & Fakten

Originaltitel: "Buried"

Regie: Rodrigo Cortés

Produktionsland und -jahr: USA / Spanien / Frankreich 2010

Filmlänge: ca. 94 Minuten

Verleih: Ascot Elite Home Entertainment GmbH

Deutscher Kinostart: 4.11.2010

FSK: ab 16 Jahren

Autor seit 6 Jahren
836 Seiten
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