Der Film über die Frankfurter Buchmesse

Die Protagonisten für den Dreh

Kameramann 1:
1 Sony-HVR Z7
1 Manfrotto MVB525/503 Stativ
1 Sennheiser Funkstrecke

Kameramann 2:
1 Canon EOS 7D
1 Cartoni Focus 10 Stativ
1 Marshall HDMI Kontrollmonitor
7 Nikon Festbrennweiten
1 Zoom H2 Aufnahmegerät

Kameramann 3 + Assistent:
1 Canon EOS 5D
1 Sachtler Video 20 SB Stativ
1 Marshall HDMI Kontrollmonitor
7 Nikon Festbrennweiten

Zusätzlich war noch 1 Editor vor Ort, der das gesamte Material auf der Messe verwalten muss, einen täglichen Videobeitrag erstellen muss und im Nachhinein 5 Schwerpunkt-, sowie einen Imagefilm erstellen muss.

Was wir vorher dachten:

Das wird schon....kein Problem.

Was wir nachher wussten:

Mit einer 7D kann man nicht alleine durch Menschenmassen laufen, Festbrennweiten sind auf einem dokumentarisch ausgelegten Dreh eher schwierig zu handhaben, ein Video 20 SB Stativ ist auf Dauer doch schwerer als man denkt, ein HDMI Kontrollmonitor für die 5D und 7D ist unerlässlich....und....ein Zoom H2 eignet sich nicht, wenn man allein damit aufzeichnet.

Doch eins nach dem Anderen.

Kameramann Brian Morrison und ...

Kameramann Brian Morrison und Daniel Schuler besprechen die passende Szene. (Bild: Pionierfilm GmbH)

Die Sony HVR-Z7

Die Kamera war genau für diese Anwendungen konzipiert. Wie jede Kamera dieser Größe und diesen Kalibers war sie leicht zu handhaben, konnte auch auf eher minderwertigen Stativen, wie das eingesetzte Manfrotto, arbeiten, nahm Ton direkt auf und speicherte die Daten nicht nur auf Band, sondern auch auf Compact Flash Karte. Der Akku der Kamera hielt den gesamten Messetag und ein externer Vorschaumonitor wurde durch das LCD Display der Z7 adäquat ersetzt.

Die Bilder, die mit der Z7 aufgezeichnet wurden eignen sich hervorragend für die tägliche Berichterstattung. Interviews mit Stars und Sternchen konnten in Windeseile durchgeführt werden, die Schärfe war schnell gezogen, die Blende schnell eingestellt – Ein tolles Gerät für die Anwendung.

Doch ein Aber muss es geben, sonst hätten wir gleich drei dieser Kameras eingesetzt. Denn das Bild, welches die Z7 liefert kann schlicht und ergreifend nicht mithalten mit den Möglichkeiten der 7D oder der 5D. Schärfeverlagerungen oder sonstige visuelle Schärfe/Unschärfe-Spiele sind mit der Z7 und ihrem Standardobjektiv nur sehr schwierig durch zu führen. Auf einer Messe warten die Leute nicht gerade darauf, dass endlich jemand mit einer Kamera kommt. Eine Menge Gedränge herrscht ebenfalls. Viele Möglichkeiten mit der Z7 zu "spielen" gab es also nicht. Und so lieferte die Kamera nicht mehr und nicht weniger als das, was alle Kameras dieser Größenordnung liefern - ordentliche Bilder ohne das gewisse Etwas.

Doch die Frankfurter Buchmesse legt Wert auf "das gewisse Etwas". Das konnten wir nur erreichen, indem wir andere Aufnahmesysteme einsetzten.

Kameramann Ralf Biebeler an der Kamera. (Bild: Pionierfilm GmbH)

Die Canon EOS 7D und die Canon EOS 5D

Wir waren vom ersten Bild an begeistert über die Qualität. Beinahe hatten wir das Gefühl es reicht einfach irgendeine Festbrennweite vor die Kamera zu setzen und das geniale Bild ergibt sich von selbst. Dass man natürlich auch mit der besten Kamera ein Bild noch gestalten muss verstand sich während der Aufnahmen von selbst. Doch der erste grundsätzliche Vergleich mit der Z7 zeigte uns: Visuell liegen Welten zwischen den Kamersystemen. Wir konnten uns also grundsätzlich nicht über die Bildqualität beklagen. Nach kurzer Eingewöhnungsphase in das generelle Handling der Fotokameras wussten wir auch, wie wir damit HD Videos aufzeichnen konnten. Und dann fingen wir an die gravierenden Unterschiede zu einer "normalen" Kamera kennen zu lernen:

Schärfe

Der Schärfebereich der Optiken ist so gering, dass Objekte schneller als uns lieb war aus dieser Schärfe verschwanden. Je teliger die Objektive wurden, umso geringer wurde der Bereich. Auch eine geschlossene Blende und ein hoher ISO Wert haben daran nichts geändert. Wer gewohnt ist mit einer Z7 oder einer ähnlichen Kamera zu arbeiten, die einen sehr großen Schärfebereich hat, der wird erstaunt sein bei einer 7D oder 5D. Das ist auf der einen Seite prima, da dadurch ein wunderschönes natürliches Bild generiert werden konnte. Auf der anderen Seite ist es jedoch schwierig Interviews zu führen, wenn die Person vor der Kamera nicht gnadenlos still sitzt.
Noch ein Problem: Die Schärfe lässt sich an einem 7D oder 5D Set nur durch einen externen Schärferegler wirklich angenehm ziehen. Der macht das Aufnahmeset jedoch auch wieder ein kleines Stückchen größer.

Blende

An dieser Stelle merkt der Kameramann eindeutig, dass er es bei der 7D und der 5D mit einer Fotokamera zu tun hat. Jedes Objektiv hat seine eigene Blende. Wir haben diese jedoch häufig ganz offen gehabt und haben mit den ISO Werten der Kamera die Helligkeit geregelt. Über 400 ISO sind wir dabei nur in den seltensten Fällen hinaus gegangen, um kein unnötiges Rauschen zu provozieren.
Wer jedoch mit der Z7 und ähnlichen Kameras arbeitet, der hat einen anderen Bezug zu den Blendenwerten als zu ISO Werten. Natürlich hätten wir auch die Blende selbst einstellen können, doch die ISO Werte gaben uns mehr Spielraum in der Gestaltung natürlicher Bilder.

Das Bild

Wahnsinn. Verglichen mit der Z7 lagen besagte Welten dazwischen. Das Rauschverhalten beider Kameras ist hervorragend. Selbst in sehr dunklen Situationen ist bei einer vernünftigen ISO Wahl und Blendeneinstellung ein rauschfreies Bild zu erreichen. Kontraste, Abstufungen und Details sind auch in sehr dunklen Situationen noch immer zu erkennen. Doch die 7D und die 5D nehmen in einem H.264 Codec auf, der bei genauerer Betrachtung die bekannten Schwächen der Codierung erkennen lassen. Filigrane Verläufe weisen sichtbare Artefakte auf. Die MPEG-2 Codierung der Z7 HDV Aufnahme ist zwar prinzipiell auch nicht gerade um Längen besser, jedoch treten solche Artefakte nicht auf - vielleicht auch deshalb, weil allzu filigrane Verläufe sowieso nicht mehr erfasst werden können.

Bildkontrolle

Der Aufklappmonitor der Z7 ist hervorragend. Diese Aussage klingt für den Profi sicher lächerlich, doch unten den Umständen einer Messe auf der man schnell und flexibel dokumentarisch unterwegs ist lässt sich gegen eingebaute LCD Displays nichts sagen. Die 7D und die 5D haben auch einen Display eingebaut. Der ist jedoch sehr klein, lässt sich nicht in eine andere Position bringen und ist zugegebenermaßen nicht optimal für eine halbwegs adäquate Bildkontrolle. Ein externer Monitor ist absolut notwendig. Der Marshall HDMI Monitor ist dafür hervorragend geeignet. Unsere Tests mit den FBAS Eingängen des Monitors ergaben blitzschnell, dass sich die Schärfe der Kameras nicht über den FBAS Eingang bestimmen lässt. HDMI ist also Pflicht. Leider ist der Monitor nicht gerade klein. Schon wieder ein externes Teil, welches die Kamera auf dem Stativkopf größer macht.

Das Stativ

Finger weg vom Stativ! Das mussten wir sehr schnell lernen, denn die 7D und die 5D haben im Videomodus keinen Bildstabilisator. Jede noch so kleine Erschütterung ist sofort im Bild sichtbar. Nur durch ein stark gedämpftes Stativ ist es möglich einen ruhigen Schwenk zu generieren. Eine Schärfeverlagerung ist ab einer zu teligen Brennweite nicht mehr möglich ohne, dass das gesamte Bild ruckelt. Der Einsatz der 7D oder der 5D wäre auf einem Manfrotto MVB525/503 nicht möglich gewesen, da das Stativ von Natur aus zu ruckartig schwenkt.
Unser eingesetztes Cartoni und das Sachtler Stativ waren sehr gute Stative - jedoch auch entsprechend schwer. Allein damit unterwegs zu sein bedarf Kondition und Kraft.

Der Ton

Wie wunderschön einfach ist doch die Tonaufnahme mit der Z7. Das Mikrofon wird einfach über XLR angeschlossen, die Eingänge geroutet, gepegelt und abgehört. Auch bei einer 7D oder 5D kann man ein externes Mikrofon anschließen. Leider funktioniert dies nur über einen Mini-Klinke Anschluss. Das größe Manko jedoch ist, dass das Pegeln nur über das Menü funktioniert und dass der Kameramann den Ton nicht abhören kann. Eine direkte und vor allem sichere Audioaufnahme funktioniert also nicht (wenn von der Atmo abgesehen wird). Ein externes Aufnahmegerät musste also verwendet werden. Ein Kameramann allein kann das irgendwann nicht mehr alles handhaben. Das war auch das Problem unseres 7D Kameramanns. Einen weiteren interessanten Effekte stellte unser Editor fest als er merkte, dass die 7D den Ton mit 48 KHz Samplingfrequenz aufzeichnete, das Zoom H2 den Ton jedoch mit 44,1 KHz Samplingfrequenz mit nahm. Bild und Ton laufen irgendwann auseinander. So wurden die nächsten Aufnahmen also bei gleicher Samplingfrequenz aufgezeichnet.

Die Stromversorgung

Akkus von Videokameras sind darauf ausgelegt möglichst lange zu halten. Der Akku der 7D und der 5D ist nicht darauf ausgelegt, dass die Kamera als Videokamera umfunktioniert wird. Entsprechend häufig mussten also auch die Akkus gewechselt werden. Auch der Marshall Monitor ist ein kleiner Stromfresser. Dumm nur, dass es beim Marshall Monitor keinerlei Anzeige über den Akkustatus gibt. So passierte es häufiger, dass ein Akku schon nach zwei Studen Dauerbetrieb von jetzt auf gleich den Geist aufgab. Das ist schlecht, wenn dies mitten in einem Dreh passiert. Was haben wir gelernt: Mehr Akkus mitnehmen als wir das bei einer Z7 tun würden.

Die Canon EOS 5D Mark II in ...

Die Canon EOS 5D Mark II in Vollausstattung. (Bild: Pionierfilm GmbH)

Fazit

Alle drei Kameras sind in ihrer jeweiligen Anwendung sehr gut geeignet. Die 5D und die 7D sind Fotokameras - dies lässt sich nicht zu letzt am Handling sehen. Die Z7 ist eine Kamera für schnelles, flexibles und gutes Arbeiten. Wer auf einem Dreh kaum Zeit hat, der greift zur Z7. Wer jedoch Zeit hat ein Bild zu gestalten, der sollte eine 7D oder eine 5D in Erwägung ziehen. Alle Unzulänglichkeiten in puncto Handling machen die Kameras durch ihr visuelles Ergebnis wieder wett. Jedoch spielt auch die finanzielle Sicht eine Rolle. Für den Gelegenheitseinsatz mietet man sich wohl eher eine der Kameras als sie gleich zu kaufen. Hier ist ganz klar zu sagen, dass der Mietpreis einer Z7-ähnlichen Kamera inklusive Stativ weitaus geringer liegt als ein komplettes Canon EOS 7D oder 5D Set zu mieten.

Über die Pionierfilm GmbH - Filmproduktion für Werbefilme

Der Autor dieses Artikels, Ralf Biebeler ist seit 2005 Filmproduzent bei dem Filmproduktionsunternehmen Pionierfilm aus Ludwigshafen. Im Unternehmen arbeiten insgesamt 5 Mitarbeiter an der Produktion von Imagefilm, Werbefilm, Werbespot und Co. Ralf Biebeler ist neben Brian Morrison Geschäftsführer der Pionierfilm und schreibt bereits seit mehreren Jahren für die Fachzeitschrift Videofilmen diverse Artikel. Im Fachverlag Schiele & Schön hat er bereits mehrere Bücher veröffentlicht. Unterschiedliche Technik zu testen unterstützt Pionierfilm dabei die Qualität der Filme hochwertig zu halten. Mehr Informationen über die Pionierfilm erfahren Sie unter www.pionierfilm.de.

ralfbiebeler, am 17.06.2013
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