Sie ist ein Model und sie zieht gut aus ...

Captivity mit Elisha CuthbertModeln ist die Hölle! Man muss hübsch aussehen, lächeln und darf nicht vor der Kamera in der Nase popeln. Das weiß nicht nur der Autor dieser Zeilen, sondern auch Supermodel Jennifer (Elisha Cuthbert). Um sich von den Qualen dieser skandalös unterbezahlten Schufterei zu erholen, steht der Blondine ein Abend ganz für sich selbst zur Verfügung, den sie mit ihrem Hündchen in einem Nachtklub verbringen möchte. Also macht sich Jennifer hübsch, stopft den Köter in die Handtasche und macht sich auf dem Weg zum Club. Ein Weg der den Anschein erweckt, Drehort eines neuen "Terminator"-Filmes zu sein.

 

Womit Jenny nicht gerechnet hat: Ein Unbekannter kippt K.-o.-Tropfen in ihren Drink, woraufhin das Model ziemlich von der Rolle ist und durch die Flure taumelt. Vor dem WC setzt der Bösewicht dem Spiel ein Ende, betäubt Jennifer und trägt sie unbemerkt nach draußen.

 

Schließlich erwacht Jennifer wieder und kann sich an das Vergangene nicht mehr erinnern. Sie wähnt sich zunächst in einem Hotelzimmer, merkt aber, dass sie tatsächlich in einer Zelle eingesperrt wurde. Der Entführer spielt Videos vom fürchterlichen Schicksal der Vormieterinnen ab. Damit nicht genug entdeckt sie, dass sie nicht alleine in dem unterirdischen Verlies ist. In der Nachbarzelle wird Gary (Daniel Gillies, "House of Wax") gefangen gehalten, der gleich Jennifer nicht weiß, weshalb er entführt wurde. Nur langsam enthüllt der Entführer, was er mit seinen Gefangenen plant …

Sie ist ein Model und sie zieht gut aus...

Captivity: Ernst gemeinter Horrorfilm oder grandiose Genre-Parodie?

Von "The Killing Fields" zu "Captivity"

Manchmal wünscht man sich als Zuschauer, den Regisseur eines Filmes fragen zu können, ob er sein Machwerk ernst meinte oder sich lediglich einen Scherz auf Kosten des Käufers erlaubte. "Captivity" ist ein solcher Film. Dabei wurde der als Horrorfilm vermarktete, grenz-parodistische Streifen immerhin von von Roland Joffé inszeniert, der 1984 mit dem Kriegsdrama "The Killing Fields" bei der "Oscar"-Verleihung ganz groß abräumte und unter anderem ein Goldpüppchen in der Kategorie "Bester Regisseur" einheimste. Hätte die Jury gewusst, welchen Film er ein Vierteljahrhundert später in Szene setzen würde, hätte sie vermutlich anders entschieden.

 

Denn "Captivity" ist ein nur schwer zu unterbietender Horrorfilm. Vielleicht wollte Joffé am Boom von Filmen der Marke "Saw" oder "Train" mitnaschen, was ihm durchaus vergönnt wäre, hätte er einen zumindest halbwegs akzeptablen Thriller auf die Beine gestellt. Tatsächlich erweist sich der 2007 produzierte FIlm als einer der schlechtesten Horrorfilme der letzten Jahre, was angesichts der Konkurrenz eine beachtliche Leistung darstellt.

 

Keine "Himbeeren" für Elisha Cuthbert

Die aus der TV-Serie "24" und Kinofilmen wie "The Girl Next Door" bekannte Elisha Cuthbert wurde 2008 für den "Anti-Oscar", die "Goldene Himbeere", in der Kategorie "Schlechteste Schauspielerin" nominiert. Unverständlicherweise unterlag sie Lindsay Lohan für deren Performance in "I Know Who Killed Me". Zweifellos ist Elisha Cuthbert hübsch anzusehen, kann abseits ihrer optischen Erscheinung jedoch keinerlei schauspielerischen Qualitäten bieten. Fairerweise muss man anmerken, dass sie beileibe nicht die schlechteste darstellerische Leistung dieses Filmes bietet. Ihr männlicher Konterpart Daniel Gillies vermag seine Profession um keinen Deut besser zu verteidigen.

 

Logik? Kein Thema für "Captivity"!

Was "Captivity" letzendlich zum grandios vergurkten Pseudo-Horrorfilm macht, ist das Drehbuch. Der vermutlich als clever erachtete Plottwist ist an Absurdität kaum zu überbieten. Der Weg dorthin führt freilich über allerlei Ungereimtheiten und vor allem zwei unglaublich inkompetente Polizisten. Wie diese sich einem Verdächtigen (!) gegenüber verhalten, ist himmelschreiend dümmlich. Abgerundet wird diese Absurdität durch einen grotesken "Zufall", bei welchem eine Fernbedienung im Zentrum steht. Wobei das Prinzip "Zufall" ohnehin auf die Spitze getrieben wird, ebenso wie "Beliebigkeit". Logische und nachvollziehbare Motive sind in "Captivity" rar gesät. Unentwegt erweckt der Film den Eindruck, der Regisseur hätte nach Belieben mal diesen, mal jenen Einfall auf Film gebannt und notdürftig eine Handlung zusammengekleistert, um dem Ganzen den Anstrich eines in sich geschlossenen Streifens zu geben.

 

Was ist das?

Die absurden Dialoge treiben den cineastischen Irrsinn auf die Spitze. Beispielsweise wirft der unbekannte Entführer ein menschliches Auge und ein Ohr in den Mixer, was die Protagonistin mit der Frage quittiert: "Was ist das?"

Wer an dieser Stelle nicht herzhaft lacht besitzt entweder keinen Humor oder hat bereits kapituliert und ist vor dem Film aus dem Zimmer geflüchtet.

Stilistisch möchte sich "Captivity" an "Saw" & Co orientieren, schafft es aber nicht, auch nur den geringsten Hauch von Atmosphäre zu schaffen. Stattdessen empfiehlt sich dieses Machwerk als unfreiwillige Genreparodie, die am Besten in geselliger Runde genossen werden sollte, um darüber schallend lachen und ablästern zu können. Wohl bekomm's!

Daten & Fakten

Originaltitel: "Captivity"

Regie: Roland Joffé

Produktionsland und -jahr: USA, 2007

Filmlänge: ca. 81 Minuten (ungekürzte Version)

Verleih: Sony Pictures Home Entertainment

FSK: Ab 18 Jahren

Veröffentlichung auf DVD und blu-ray: 7. Februar 2008

Autor seit 10 Jahren
823 Seiten
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