Es wird wieder conaniert!

Filmplakat "Conan 3D"Der junge Conan (Jason Momoa) wird von seinem Vater (Ron Perlman) zum unerbittlichen Cimmerer-Krieger ausgebildet. Seine Mutter starb noch bei seiner Geburt auf dem Schlachtfeld, sodass Conan geradezu auserkoren ist, ein mächtiger Krieger zu werden. Eine erste Bewährungsprobe folgt, als der böse Khalar Zym (Stephen Lang) das Dorf seines Vaters überfällt, um den letzten noch fehlenden Splitter der Maske von Acheron zu ergattern.

Trotz tapferer Gegenwehr wird Conans Vater gefangen genommen und gefoltert. Zwar verrät er nicht, wo sich das gesuchte Objekt befindet. Doch Zyms grausame - der Apfel fällt auch hierbei nicht weit vom Stamm - Tochter Marique (Rose McGowan) findet das Versteck.

Der junge Conan wird als Einziger des Dorfes am Leben gelassen, was sich für Zym noch rächen soll. Denn Jahre später hat sich der Hänfling zu einem stattlichen Burschen ausgewachsen, der mit dem Piraten Artus (Nonso Anozie) die Küsten unsicher macht. Eines Tages rettet er eher durch Zufall das Leben der schönen Tamara (Rachel Nichols), eine der letzten Überlebenden der Blutlinie von Archeron. Da auch Zym hinter ihr her ist, eröffnet sich für Conan die Möglichkeit zur Rache am mächtigen König Hyborias.

Trailer "Conan 3D"

Bei Thulsa Doom: Arnie bleibt unerreicht!

Was wollt ihr denn? Momoa!

Ein Missverständnis sei gleich zu Beginn ausgeräumt: Bei "Conan 3D" handelt es sich um kein Remake des Fantasyklassikers mit Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle. Vielmehr wurde die literarische Vorlage von Robert E. Howard stärker berücksichtigt, sodass die Version von 2011 erheblich näher am Original ist als die sehr freie Interpretation von John Milius knapp drei Jahrzehnte vorher. Freilich: Auch personell weist die vom gebürtigen Frankfurter Marcus Nispel inszenierte Fantasy-Schlachtplatte kaum Berührungspunkte zur Kultverfilmung auf. Statt Schwerenöter Arnold Schwarzenegger schlüpfte der Hawaiianer Jason Momoa in die Shorts.

 

Doch trotz großer Fangemeinde, sowohl der ersten beiden "Conan"-Verfilmungen als auch den Erzählungen von Robert E. Howard, sowie gewaltiger Marketing-Maschinerie geriet die Neuverfilmung an den US-Kassen zum Riesenflop und spielte sogar weniger ein, als das Original von 1982. Somit dürfte sich das Kapitel "Conan" zumindest im Kino endgültig erledigt haben. Ist die Neuverfilmung tatsächlich dermaßen grottenschlecht, wie sich die meisten Kritiker und Zuschauer einig sind?

 

 

Eindimensionaler Conan

Leider muss man den negativen Stimmen recht geben: "Conan 3D" ist auf geradezu grandiose Weise misslungen. Die geringste Schuld trifft noch Hauptdarsteller Jason Momoa. Das ehemalige Model besitzt zwar nicht die Leinwandpräsenz eines Arnold Schwarzenegger, stemmt die gewaltige Last der Rolle aber tapfer. Allzu viele Dialogzeilen muss er trotzdem nicht bewältigen: Wie es sich für das Image des Barbaren gehört, schlägt er meist anderen Leuten die Schädel ein und stößt dabei grunzende und keuchende Laute aus.

 

Ausgerechnet in diesem Punkt weicht Nispels Version stark von der Vorlage ab, in der Conan nicht nur Blut verspritzt, sondern auch überraschend nachdenkliche (und mitunter gleich seinem Schöpfer Robert E. Howard depressive) Seiten zeigt. Diese Eigenschaft des Cimmeriers fällt praktisch völlig unter den Tisch, was eine verpasste Chance darstellt, das eindimensionale Bild des Barbaren ein wenig geradezurücken.

 

 

Keine charismatischen Antagonisten

Was dem Fantasy-Spektakel aber das Rückgrat bricht, ist die enorm langweilige Story. Während John Milius von Beginn weg aufs Tempo drückte und alleine mit der Kraft der wuchtigen Bilder die tragische Kindheit Conans und dessen erste Begegnung mit dem schillernden Bösewicht Thulsa Doom schilderte, vertrödelt Nispel viel Zeit, bis es endlich zur Sache geht. Von spannender Inszenierung ist "Conan 3D" trotz gewaltigen Budgets weit entfernt. Köpfe werden abgeschlagen, Nasen eingedrückt und wehrlose Frauen von Rose McGowans etwas zu lang geratenen Fingernägeln erdolcht. Mit der faszinierenden Story der 1982er-Fassung kann diese Version trotz bisweilen hoher Schauwerte nicht im Entferntesten mithalten.

 

Dies liegt nicht nur an der uninspirierten Reise des Helden, der eher zufällig durch die Welt reist, anstatt konkrete Pläne zu schmieden wie Arnies Conan. Im Speziellen mangelt es an charismatischen Antagonisten. Der unanständige Khalar Zym repräsentiert den Standard-Bösewicht: Rücksichtslos und einfach nur böse. Töchterchen Marique eifert ihrem Vater nach und leckt mitunter das Blut ihrer Opfer. Auch sie weist außer ihrer Bösartigkeit keinerlei weitere Eigenschaften auf.

Wie anders die Schurken aus 1982, allen vorneweg natürlich James Earl Jones als Kultführer Thulsa Doom, der zwar kaum Chancen auf den Friedensnobelpreis besäße, aber trotz seiner Bösartigkeit die Kunst der Verführung beherrscht, was ihm zu einer treuen Anhängerschaft verhalf, die sich ihm völlig freiwillig anschloss. Selbst seinen brutalen Vasallen Rexor und Thorgrim haftete eine gewisse Leichtigkeit des Verdorbenen an. Dazu gesellten sich Conans Freunde Subotai und der "Hexer", und natürlich die buchstäblich starke Valeria. Für ausreichend Konflikte war gesorgt.

 

Schwarzenegger bleibt unerreicht

"Conan" mit Arnold SchwarzeneggerIn der Neuverfilmung wähnt man sich an TV-Krimis erinnert: Hier die Guten, dort die Bösen. Zwischenabstufungen, Reibungspunkte oder faszinierende Charaktere? Fehlanzeige! Conan haut, knüppelt und grunzt sich durch eine fade Fantasy-Welt, in der sogar der Showdown unspektakulär wirkt.

 

Fazit nach knapp zwei Stunden: Auf diesen Film haben Millionen Fans mit Sicherheit nicht gewartet. Nispel offenbart bei seinem bislang ehrgeizigsten Projekt erschreckende inszenatorische Schwächen, die augenscheinlich sind und vom Film ablenken. Es gelingt ihm auch mit Hilfe von 3D nicht, die Welt des Conan plastisch zu präsentieren und den Zuschauer in diese archaische Kultur eintauchen zu lassen. Hierfür empfiehlt sich weiterhin der Genreklassiker mit Arnold Schwarzenegger.

Originaltitel: "Conan the Barbarian "

Regie: Marcus Nispel

Produktionsland und -jahr: USA 2011

Filmlänge: ca. 112 Minuten

Verleih: Warner Bros.

Deutscher Kinostart: 8. September 2011

FSK: Freigegeben ab 16 Jahren

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