Dakota Fanning in Neil Gaimans Fantasywelt

Coraline (im amerikanischen Original von Jungstar Dakota Fanning gesprochen) ist ein typischer Teenager an der Schwelle zum Erwachsenwerden: Sie fühlt sich von ihren Eltern vernachlässigt und ungeliebt, langweilt sich nach dem Wohnungsumzug in der neuen Umgebung und weiß nichts mit sich anzufangen.

Dies ändert sich jedoch rasch, als sie den linkischen, unsicheren Wybie kennenlernt, der ihr eine Puppe schenkt. Diese gehörte angeblich der spurlos verschwundenen Schwester seiner Großmutter. Ausgerechnet im Hause ihres Verschwindens lebt Coraline nunmehr mit ihren Eltern! Als sie eine geheimnisvolle, kleine Tür entdeckt, kann sie nicht widerstehen und öffnet diese. Dahinter verbirgt sich eine Parallelwelt, in der ihre Eltern stets bestens gelaunt sind und sie nach Strich und Faden verwöhnen. Dass diese anstatt menschlicher Augen Knöpfe tragen, hinterfragt sie nur halbherzig.

Nur Wybies schwarzer Kater, der Coraline durch die Tür gefolgt ist und plötzlich sprechen kann, weiß um das schreckliche Geheimnis hinter der Parallelwelt. Anfangs glaubt ihm Coraline nicht, Doch als sie ein Geschenk ihrer "netteren Mutter" auspackt, beginnt sie zu begreifen: In der Schachtel befinden sich Zwirn, Faden und zwei Knöpfe in der passenden Größe …

Originell wie "Pans Labyrinth", verspielt wie „Nightmare Before Christmas“!

Produziert wurde der rund zwei Stunden lange Fantasy-Film in der anachronistisch wirkenden Stop-Motion-Technik, behutsam von CGI-Effekten unterstützt. Dennoch gelingt es Henry Selick ("James und der Riesenpfirsich",  "Nightmare Before Christmas") dank der originellen Umsetzung eine zwar nicht unbedingt realistische, dafür jedoch zauberhafte Atmosphäre zu erschaffen.

Doch was auf den ersten Blick wie ein harmloser, putziger Kinderfilm wirken mag, entpuppt sich als erstaunlich tiefgründige Parabel auf das Erwachsenwerden. Nicht nur dieses Grundthema teilt der Streifen mit Lewis Carrolls inzwischen fast 150 Jahre altem "Alice im Wunderland": Die buchstäbliche Tür in eine andere Welt, das mitreisende Haustier, das plötzlich menschliche Sprache spricht und versteht oder die an der Grenze zwischen Kindheit und Erwachsenenwelt zögerlich verharrende Protagonistin finden sich nicht zufällig in "Coraline" wieder.

Keine „Chroniken von Narnia“

Wer sich eine actionreiche Handlung à la "Die Chroniken von Narnia" erhofft, wird enttäuscht. Ob positiv oder negativ ist eine Frage der Betrachtung. Denn der überaus komplexe, wie auch kluge Plot lassen über die teilweise etwas schleppende Erzählweise mühelos hinwegsehen. Viele skurrile optische Einfälle sorgen für den einen oder anderen Lacher der notwendig ist, um die streckenweise sehr düstere Thematik leichter aufnehmen zu können.

Für Kleinkinder ist "Coraline" etwas zu anspruchsvoll. Teenager, aber auch Erwachsene werden sich hingegen durchaus das eine oder andere Mal mit der Heldin identifizieren können: Wohl die meisten der Pubertät Entwachsene erinnern sich mit Schaudern an die widersprüchlichen Gefühle dieser wichtigen Lebensphase, in der sich der spätere Erwachsene nicht ernst genommen fühlt, sich gleichzeitig jedoch respektlos den Eltern gegenüber benimmt.

Wunderbare Adaption von Neil Gaimans „Coraline“

Die Leinwandadaption von Neil Gaimans gleichnamigem Roman "Coraline" ist ein wunderbarer, origineller Film zu einem oftmals ärgerlich klischeehaft behandelten Thema. Manchmal stockt der Erzählfluss etwas, insgesamt wirkt der Film einen Tick zu ausführlich und an das Meisterwerk "Pans Labyrinth" reicht er nicht heran. Dennoch bietet Henry Selicks Streifen rund zwei Stunden gute, wie auch intelligente Unterhaltung, die durchaus zum Nachdenken oder nostalgischem Träumen einlädt.

Originaltitel: "Coraline"

Regie: Henry Selick

Produktionsland und -jahr: USA 2009

Filmlänge: ca. 100 Minuten

Verleih: Universal

Deutscher Kinostart: 13.08.2009

Autor seit 7 Jahren
839 Seiten
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