Der Fluss Eider

Die Eider entspringt bei Kiel an der Ostküste Schleswig-Holsteins und mündet bei Tönning an der Westküste des Landes in die Nordsee. Sie bildet weitgehend die Grenze zwischen den Landesteilen Schleswig und Holstein. Und von 811 bis 1864 markierte der Fluss auch die Grenze zwischen den Herrschaftsgebieten der dänischen und fränkischen bzw. deutschen Königen.

Seit dem Mittelalter verlagerter sich der Einfluss der Gezeiten immer weiter stromauf nach Osten. Die Wasserstände stiegen und die Eiderufer mussten in ihrem Unterlauf durch Deiche gesichert werden. Mit dem Bau des Nord-Ostsee-Kanals stieg 1895 der Wasserspiegel um 1,8 Meter. 1936 wurde deshalb oberhalb von Friedrichstadt bei Nordfeld ein Wehr mit Schleuse gebaut. Deren Betrieb führte dann zu Problemen mit der Entwässerung der Eiderniederung. Die Zufahrt zum Tönninger Hafen versandete.

Das Sperrwerk

Die Sturmflut im Februar 1962 hatte auch an der Eider etliche Schäden verursacht. Die Deiche an der unteren Eider hielten dem immer höher auflaufendem Wasser nicht mehr Stand. Sie mussten verstärkt werden. Oder die Fluten mussten durch ein Sperrwerk in der Eidermündung reguliert werden. Mit dem Generalplan Küstenschutz wurde auch der Bau des Eidersperrwerks zwischen dem Eiderstedter Vollerwiek und dem Dithmarscher Hundeknöll etwa 15 Kilometer unterhalb von Tönning beschlossen.

Das Eidersperrwerk ist das gewaltigste Wasserbauvorhaben an der deutschen Küste. 1967 begannen die Bauarbeiten und im April 1973 wurde das Sperrwerk eingeweiht. Sein Bau kostete 170 Millionen Deutsche Mark verkürzte die Seedeichlinie entlang der Eider von 60 auf 4,8 Kilometer.

Das Sperrwerk zwei getrennte Reihen mit jeweils fünf gewaltigen Toren zu jeweils 40 Meter Breite und einem Gewicht von 250 Tonnen. So wird eine doppelte Deichsicherheit erreicht. Zwischen den Toren führt eine Straße in einem 236 Meter langen Tunnel hindurch. Über dem Tunnel führt ein Fußweg. Der bietet eine gute Aussicht auf die Westküste und die Eider bietet. Ebenfalls mit doppelten Toren ausgeführt ist die 14 Meter breite und 75 Meter lange Schleuse für den Schiffsverkehr auf der Eider.

Mit dem ebenfalls neu gebauten Deich ist das Sperrwerk 4,9 Kilometer lang. Es erhebt 8,5 Meter über Normalnull und 7 Meter über das mittlere Tidehochwasser. Die fünf Sieltore von je 40 Meter Breite lassen bei Ebbe das Eiderwasser in die Nordsee bzw. bei Flut das Nordseewasser in die Eider fließen. Diese Sielverschlüsse können bei Sturmfluten das Eidergebiet komplett abriegeln. Bei normalen Wasserständen sollen sie den Ein- und Auslauf von täglich etwa 100 Millionen Kubikmetern Wasser regulieren. So soll die Entwässerung des Binnenlandes verbessert und der Versandung durch dem durch Rückstau verstärkten Ebbstrom vorgebeugt werden.

Blick auf das Sperrwerk (Bild: haros)

Nutzen und Schaden

Durch den Bau des Sperrwerks gingen Salzwiesen in dem von der Tide geprägten Gebiet der Eidermündung verloren. Auf dem Eiderstedter Ufer entstand das Naturschutzgebiet Katinger Watt. Auf der anderen Flussseite wurde 1989 das Naturschutzgebiet Dithmarscher Eiderwatt ausgewiesen. So sollten die Verluste an Salzwiesen und Wattflächen durch den Sperrwerksbau wenigstens teilweise ausgeglichen werden. Am Sperrwerk selbst brüten Seevögel in einem für Feinde kaum zugänglichen Gebiet.

Unbestritten ist der Nutzen des Eidersperrwerks. Es hat bisher allen Sturmfluten widerstanden und die Flussniederungen im Dreistromland von Eider, Treene und Sorge vor Sturmfluten zuverlässig geschützt.

Doch hinsichtlich der Entwässerung des Hinterlandes haben sich nicht alle Hoffnungen erfüllt. So haben die geänderten Strömungsverhältnisse bis zu 28 Meter tiefe Kolke beidseitig des Sperrwerkes. Die wurden 1993 mit 45.000 Sandsäcken verfüllt.

 

 

-ju-

 

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