Im Freilichtmuseum Stübing (Foto: Freilichtmuseum Stübing)

Alle Originalgebäude wurden vor Jahren an ihren ursprünglichen Standorten zeichnerisch und fotografisch festgehalten. Danach wurde jedes einzelne Bauwerk vorsichtig abgetragen, schadhafte Teile vor dem erneuten Aufbau restauriert, durch gutes Altholz ersetzt und imprägniert und mit allem nötigen Hausrat und Gerät wieder funktionstüchtig bestückt.

Es ist nicht nur die Vielfalt an historischen Bauten, die den Charme dieses Museums ausmacht, sondern es sind die liebevoll und detailgetreu eingerichteten Räume, die geschmückten Höfe, die bunten Gärten, die alte Schule, der Gemischtwarenladen und die auf Wiesen und Weiden grasenden Tiere. All das bringt Besuchern schnell ein Gefühl für das Leben der Bauern von einst nahe.

Entstehung von Freilichtmuseen

Bauernhäuser wurden über Jahrtausende aus naturhaftem Material gebaut, das die Landschaft den Menschen zur Verfügung stellte. Dazu gehörte in erster Linie Holz, in manchen Regionen auch Lehm und später kamen Steine dazu. Mit dem Beginn des Ackerbaus vor etwa 7000 Jahren gab es zunächst den Pfostenbau mit geflochtenen, lehmverputzten Wänden, im 2. Jahrtausend vor Christi folgten die Blockbauten. Im Hochmittelalter und im Verlauf der Landnahme entwickelten sich die verschiedenen Haus-und Hoftypen. Sie waren bis in das 20. Jahrhundert für die Prägung der Siedlungslandschaft im Sinne von Hauslandschaften maßgeblich. In der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts führten die umfassenden Änderungen in der Landwirtschaft (Übergang von der bäuerlichen Wirtschaftsweise hin zur Technisierung und Rationalisierung und dem Bau von riesigen Massentierzuchtbetrieben) zunächst zum langsamen und schließlich zum völligen Verschwinden der alten Bauernhausformen.

Gemischtwarenhandlung im Freichlichtmuseum Stübing

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts erkannten bereits deutsche und skandinavische Wissenschaftler den Wert des historischen Bauernhauses als Geschichtsquelle. In Skandinavien war man sich auch sehr bald der Gefährdung durch die Entwicklung von der Agrar- zur Industriegesellschaft bewusst. Daraus entstand die Idee des Freilichtmuseums. Man wollte historisch wertvolle Bauernhöfe, aber auch altes Handwerk und frühe technische Bauten wie Mühlen, Sägen und andere in ein geschlossenes Areal bringen, um sie als wissenschaftliche Dokumente und als altes Kulturgut für die Nachwelt zu bewahren.

Es ist dem schwedischen Wissenschaftler Artur Hazelius zu verdanken, dass in Stockholm 1891 das erste Freilichtmuseum ''Skansen'' eröffnet werden konnte. Weitere Gründungen folgten um 1900 in Dänemark, Norwegen, Finnland und Lettland sowie in den Niederlanden, der Tschechoslowakei, Rumänien. In Deutschland kam es erst im Jahre 1934 in Cloppenburg zur Gründung eines Freilichtmuseums. Nach dem 2. Weltkrieg folgten dann weitere in Kommern, Detmold, Kiel, Gutach, Großweil, Bad Winsheim, Sobernheim, Neu-Ansbach und an vielen anderen Orten. Inzwischen gibt es sie unter anderem auch in Großritannien, Irland, Belgien, Ungarn, Polen, Rußland. Das österreichische Freilichtmuseum in Stübing folgte erst sehr spät, im Jahre 1962.

Der Begriff "Freilichtmuseum" wird vom Verband der europäischen Freilichtmuseen definiert als "wissenschaftlich geplante und geführte ganzheitlich dargestellte Siedlungs-, Bau-, Wohn- und Wirtschaftsformen unter freiem Himmel. Sie dienen gleichermaßen konservatorischen wie auch wissenschaftlichen und edukativen Zwecken."

Der Alltag der bäuerlichen Bevölkerung von einst wird hier anhand unterschiedlichster Berufsgruppen (wie die des Schmiedes, des Köhlers, des Wagners) sowie alter Werkzeuge und Lebensformen anschaulich dargestellt. Mit dem Mythos der "guten, alten Zeit", der "heilen Welt" oder der "Bauernherrlichkeit" wird jedoch aufgeräumt, denn diese hat es für die Bauern früher nicht gegeben. Der bäuerliche Alltag war hart und entbehrungsreich.

Freichlichtmuseum Stübing

Ein Tal für Groß und Klein

Nach Stübing kommt man in erster Linie, um das Tal der Bauernhöfe zu erkunden, aber auch, um einfach die Natur und die Ruhe zu genießen, die hier besonders schön ist. Das beschauliche Klappern des Mühlrades, das Murmeln des Baches – all das hat hier von April bis Oktober seinen ganz besonderen Reiz und versetzt zurück in frühere Zeiten.

Regelmäßig sind hier unterschiedliche Handwerker zu Gast, die ihre traditionelle Handwerkskunst zeigen oder in Kursen weitergeben. So gab und gibt es im Jahr 2011 unter anderem Salbensieden, Kerzenbemalen, Spinnen, Klöppeln, eine Kräuterwerkstatt, Hinterglasmalerei, Weckerlbacken, Rauchstubenheizen, Schmieden, Dörren und Trocknen. Neben den historischen Bauernhäusern gibt es auch noch Ausstellungen zu verschiedenen Themen und verschiedene Veranstaltungen im Jahresverlauf geben Einblicke in das ländliche Leben von früher.

Nach dem Rundgang oder auch zwischendurch nutzt man als Besucher gerne die Raststationen oder den Jausenstand, um sich zu stärken und sich zu erholen.

Gut zu Fuß sollte man in Stübing sein, denn das Gelände ist leicht ansteigend und für einen ausgiebigen Rundgang sollte man schon zwei bis drei Stunden einplanen.

Wer in der Region Graz Urlaub macht, sollte sich einen Besuch im Freilichtmuseum Stübing nicht entgehen lassen.

 

Weiterführende Information für Anreise/Reservierung/Programm:

Freilichtmuseum Stübing

Autor seit 4 Jahren
71 Seiten
Laden ...
Fehler!