350 Musikautomaten zum Anhören und Bestaunen

Wenn man von der bekannten Weinanbaustadt Rüdesheim hört, denkt man automatisch an die weltberühmte Drosselgasse, durch die sich oft solche Menschenmengen wälzen, dass man kaum rechts und links schauen kann. Aber man muss diese von Restaurants begrenzte enge Gasse einfach einmal entlang gegangen sein. Wenn man dies vom Rhein aufwärts macht, kommt man am Ende in die Oberstraße, auf der sich "Siegfried`s Mechanisches Musikkabinett" befindet.

Die berühmte Drosselgasse

Natürlich kann man auch mit dem "Rüdesheimer Bähnle" durch die hübsche kleine Stadt zur Oberstraße fahren.

Das Rüdesheimer Bähnle

Vom Ende der Drosselgasse braucht man nur wenige Meter nach links zu gehen, dann steht man vor einem herrlichen Fachwerkbau, dem "Brömserhof", in dem sich das Museum befindet. Das Gebäude ist ein alter Rittersitz, knapp fünfzig Meter entfernt von dem Touristenmagneten Drosselgasse. Teile des Gebäudes stammen noch aus dem Jahr 1310.

Blick auf den Brömserhof

Wie kam es zu diesem Museum?

Die Führerin erzählte uns gezüglich der Entstehung des Museums, dass Siegfried Wendel, der Begründer des Museums für Musikautomaten, in den 60er Jahren auf seiner Hochzeitsreise in Amerika ein Freilichtmuseum besucht hat. Dort gab es ein Haus, das wie ein "Saloon" aussah und in dem eine Vielzahl von Musikautomaten zu bewundern und zu hören war.

 

Dieses Erlebnis beeindruckte ihn so, dass er sich vornahm, auch in Deutschland so ein Museum für Musikautomaten aufzubauen.

 

Der Weg war hart und schwierig, viele Automaten mussten erst restauriert werden. Seit 1973 gibt es in Rüdesheim "Siegfried`s Mechanisches Musikkabinett". Zunächst ließen die Besucher zu wünschen übrig, aber nachdem Bundeskanzler Willi Schmidt 1974 Siegfried mit seinen lauten Instrumenten nach Bonn eingeladen hatte, kamen immer mehr Leute. Nun wurde das Museum schnell zu klein. Nach dem Umzug in den Brömserhof stiegen die Besucherzahlen jährlich. Inzwischen konnte die Familie Wendel den Brömserhof kaufen, so dass das Museum stets weiterbetrieben werden kann.

Führung im Musikautomaten-Museum

Heute erwarten die Besucher des Museums insgesamt über 350 automatisch spielende Musikinstrumente aus dem 18. bis 20. Jahrhundert - von der zierlichen Spieluhr aus dem 18. Jahrhundert bis zur beeindruckenden riesigen Jahrmarktsorgel. Die Sammlung ist wirklich eine der größten und schönsten ihrer Art.

Im Führer kann man lesen: "Mechanische oder selbstspielende Musikinstrumente funktionieren wie Computer. Sie haben einen Datenspeicher und eine Anlage, die gespeicherte Informationen zielgerecht umsetzen kann. Dabei ist von untergeordneter Bedeutung, ob nur ein einzelner Ton, ein Signal oder eine Tonfolge zum Erklingen gebracht wird. Zwar war der Begriff "Datenspeicher" zur Blütezeit selbstspielender Musikinstrumente - vom 17. Jahrhundert bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts - unbekannt aber selbst das älteste Datenspeichersystem, die bestiftete Walze, arbeitet nach dem selben Ja/Nein-Prinzip wie der moderne PC. Stift in der Walze bedeutet Ton, kein Stift in der Walze bedeutet kein Ton."

In jedem Zimmer stehen herrliche, teilweise riesige, dann wieder zierliche Musikautomaten, die alle funktionieren! Es ist überwältigend!

Das „achte Weltwunder“

Die Hupfeld-Phonoliszt-Violina wurde nach ihrer Entstehung auch "das achte Weltwunder" genannt. Das Besondere an diesem Musikautomaten ist, dass hier  Violinen automatisch mit einem Rundbogen zum Klingen gebracht werden, so dass ein richtiges Konzert ertönt.

Im rechten Bild sieht man in der geöffneten Viola rechts und links die Violinen und den Rundbogen.

Wir haben erfahren, dass bis 1930 insgesamt etwa 3.500 Violinas gebaut wurden. Heute sind nur noch rund 60 Originalinstrumente erhalten.

Eine orientalische Kirmesorgel

Eine riesige Orchesterorgel

Diese beeindruckende Orchesterorgel klingt so, als würden etwa 40 Musiker spielen.

Ein riesiges Puppen-Orchestrion

Das abgebildete Puppen-Orchestrionist das größte,  das jemals gebaut wurde. Insgesamt 27 Puppen bewegen sich als Musiker.

Zum Abschluss der Führung darf ein Besucher sich als "Drehorgelmann" –natürlich mit Hut – versuchen.

Drehorgeln ist gar nicht so einfach!

Insgesamt kann man den Besuch dieses ausgefallenen Museums nur empfehlen.

 

Und wer danach noch frische Luft und einen herrlichen Ausblick genießen will, der kann mit der Seilbahn über endlose Weinberge zum Niederwalddenkmal hinauffahren.

DiesUndDas, am 06.02.2012
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Bildquelle:
Heidelberger (Was macht die Speicherstadt Hamburg zum Weltkulturerbe?)
Eigenwerk (Wo ist es am Bodensee am schönsten? – Lieblingsplätze am "schwäbisc...)

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