DDR-Museen: Was ist das?

In der ostdeutschen Museumslandschaft sind DDR-Museen vermutlich einzigartig. Ihre Ausstellungsgegenstände erscheinen beliebig und geben durch pure Masse doch ein umfassendes Bild von 40 Jahren Leben in der DDR. Oftmals sind diese Museen thematisch grob geordnet: Hier ein typisches Kinderzimmer, da ein Blick auf die Küchenutensilien, dort ein beispielhaft eingerichtetes DDR-Postamt oder eines der damals recht einheitlich gestalteten Klassenzimmer. Besucher jeden Alters aus Ost und West können ungestört eintauchen in diese Welten, manches sogar berühren. Kurze Informationstexte erklären, ohne zu ermüden.

So mancher Besucher ist anschließend erstaunt, wie lange er sich in den Ausstellungsräumen aufgehalten hat. Der Museums-Shop tun ein Übriges zum Wohlfühlfaktor, denn mittlerweile sind nachgemachte Produkte aus der DDR im vertrauten Design ein kleiner Wirtschaftszweig geworden. Keine Frage – DDR-Museen haben sich zu Besuchermagneten gemausert. Warum eigentlich?

Die Erfolgsfaktoren der DDR-Museen

Vermutlich niemand käme auf die Idee, aus Alltagsgegenständen der NS-Diktatur ein Museum zu errichten. Der Zorn sämtlicher Gutmenschen würde über solch eine Einrichtung hereinbrechen. Der Kult um den kommunistischen Unterdrückerstaat hingegen scheint ungebrochen. Warum nur haben DDR-Museen zumindest im Osten der Republik so viel Erfolg?

Zunächst einmal endete die DDR nicht durch Krieg oder andere Schrecken. Das macht es heute leichter, die guten Erinnerungen hervorzuheben. Außerdem darf nicht vergessen werden, dass immerhin fast 17 Millionen Menschen auf einen Schlag ihre nationale Identität ändern mussten. Nahezu alle bisherigen Strukturen sowie unzählige Alltagsgegenstände veränderten sich quasi über Nacht. Der Farbfernseher für 7000 Ostmark war plötzlich nichts mehr wert. Aus den Regalen der Geschäfte verschwanden die vertrauten Packungen, während auf der grünen Wiese am Ortsrand westdeutsche Handelsketten ihre Märkte errichteten.

DDR-Museen bedienen genau dieses Manko. Sie geben kurzzeitig Identität zurück. Ostdeutsche Besucher können sich sagen: "Ja, so haben wir gelebt." Es kommt immer wieder zu den gleichen Reaktionen. Sätze wie der folgende fallen häufig: "Das hatten wir auch zu Hause...." Von machen Dingen weiß man sogar noch den Preis oder zu welchem Anlass sie gekauft wurden. Der Gang durch solch ein Museum lässt ehemalige DDR-Bürger eben stetig zwischen Belustigung und Nostalgie schwanken.

DDR-Museen: Glorifizierung einer Diktatur?

Doch die DDR war weder ein Schlaraffenland, noch eine Spaßrepublik. Wer heute sagt, dass er sich in manchen Dingen die DDR zurück wünscht, weil dort alles besser war, blendet nostalgisch verklärt die Realität aus: Geringere Lebenserwartung, stundenlanges Anstehen beim Bäcker, Politunterricht, Meinungsdiktatur, marode Gebäude und Straßen, Wohnungsnot, jahrelange Wartezeiten auf Autos, Westgeld oder begehrten Waren als Ersatzwährung...

Auch DDR-Museen beinhalten einen Teil dieses realen Alltags im Arbeiter- und Bauernstaat. Flaggen, Spruchbänder und Plakate beispielsweise. Deren aufgedruckten Phrasen in sozialistischer Schachtelsatz-Überlänge erscheinen heute lächerlich hohl, ebenso, wie der fotografische Personenkult um die jeweiligen Staatschefs. Bestellscheine für Autos oder "freiwillige" Selbstverpflichtungen von Fabrikarbeitern wiederum geben einen Einblick in die damaligen Nöte der kleinen Leute.

Doch diese Details gehen oft unter, weil es in DDR-Museen so viel wiederzuentdecken gibt. Wer macht sich schon Gedanken darüber, dass das ausgestellte Kriegsspielzeug vermutlich die einzige immer verfügbare Ware der Spielzeugläden war? Will wirklich jemand solche Lebensumstände zurück haben?

Der Besucher hat wenig Gelegenheit, hinter der bunten, spaßig-nostalgischen Masse der Ausstellungsstücke diesen wirklichen Charakter der DDR zu entdecken. Nicht nur in DDR-Museen lässt sich dieser Trend beobachten. Ostalgie-Shows im Fernsehen vermittelten beispielsweise vor wenigen Jahren ein lustiges Bild vom Leben unter der Knute der SED-Genossen. Und wenn Kabarettist Uwe Steimle den Staatschef Erich Honecker imitiert, kommt es immer wieder vor, dass plötzlich der ganze Saal aufsteht und mit ihm die Parolen von gestern skandiert. Realität und Show vermischen sich dabei für Augenblicke. Das ist beklemmend.

Gedenkstätten: Die etwas anderen DDR-Museen

Natürlich ist die Idee der DDR-Museen nicht grundsätzlich schlecht. Jene vermitteln immerhin eine Ahnung vom Aussehen einer ganzen Epoche. Doch der Besucher sollte sich davon und von seinen Erinnerungen nicht täuschen lassen. DDR-Museen mit einer gesunden Distanz zu betreten, ist wahrlich kein Fehler. Denn natürlich hatte die DDR, nach eigener Ideologie eine Diktatur (der Arbeiterklasse), ihre dunkle Seiten. Verbrechen an Kindern und Jugendlichen, Gewalt gegen Andersdenkende und vieles mehr. Wer diese Stätten der Unterdrückung besichtigt hat, ist vermutlich gewappnet gegen die Versuchung der Ostalgie.

Fairerweise muss jedoch gesagt werden, dass unter den recht zahlreichen DDR-Museen in Ost und West durchaus auch Ausstellungskonzepte existieren, die kritisch bis ausgewogen das Erbe der DDR präsentieren.

 

Autor seit 5 Jahren
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