Von Geistern und Dämonen bewohnt

Das Ehepaar Francesca (Ana Torrent) und Pedro (Francisco Boira) zieht mit seinem Baby in ein wunderschönes altes Anwesen auf dem Lande, um dem Alltagsstress zu entfliehen. Doch schon bald zeigen sich die Sprünge hinter den glänzenden Fassaden sowohl der vorgeblichen Muster-Ehe, als auch des Hauses: Francesca kann vor Angst um das Wohlergehen ihres Sprösslings kaum schlafen, was zur nervlichen Belastungsprobe für Pedro wird.

Ganz unbegründet scheinen ihre Ängste jedoch nicht zu sein: Seltsame Stimmen und Erscheinungen bestärken sie in dem Bewusstsein, sich in den Gemäuern eines von bösen Geistern und Dämonen beherrschten Hauses zu befinden. Pedro kann aber ihre bizarren Verhaltensweisen nicht nachvollziehen und übergibt ihr gemeinsames Baby der Pflege seiner Eltern.

Zu seinem Schrecken muss er jedoch schon bald erkennen, dass Francesca keineswegs an Wahnvorstellungen leidet und sie sich tatsächlich in den Fängen einer dunklen Wesenheit befinden, die alleine der Geistliche Miguel (Héctor Colomé) zu bekämpfen versteht. Schließlich ist dieser in eine abgründige Kirchenverschwörung eingeweiht …

Kirchenverschwörung abseits vom „Da Vinci Code“

So nahe der Verdacht auch liegen mag, dass sich "Delictum - Im Namen des Herren" an die momentan angesagte Welle von Verschwörungsthrillern im Stile von Dan Browns "Da Vinci Code" anbiedert: Er ist völlig unbegründet. Vielmehr lässt sich dieser spanische Horrorthriller mit dem französischen Meisterwerk "Martyrs" vergleichen. Beide Filme spielen geschickt mit den Erwartungen des Zuschauers, nur, um diese auf schockierende Weise komplett zu verwerfen und einen verblüffenden Plottwist zu enthüllen.

Wunder und andere Mysterien

Statt auf Fässer an Blut und Splatter setzt "Delictum - Im Namen des Herren" auf anfangs sanftes Gruseln, das an die Mystery-Welle der 1990er Jahre mit Vertretern wie "The Sixth Sense" oder "The Others". Doch binnen weniger Minuten schlägt der Film in blanken Horror um, der selbst hartgesottene Genrekenner überzeugen sollte.

Insbesondere der völlig neue Blickwinkel auf das vor allem aus kirchlicher Sicht heikle Thema "Wunder" verleiht dem Film beängstigende, eindrückliche Nähe.

Franco-Propaganda als Aufhänger

Möglich wird diese Eindringlichkeit auch durch einen cineastischen Kniff: Ausgerechnet plumpe Propaganda-Filmchen aus der Ära des spanischen Diktators Franco halten als Hintergrund der geschickten Inszenierung her. Diese in Spanien als "Noticiarios y Documentales" - Nachrichten und Dokumentationen – bekannten Kurzfilme werden täuschend echt nachgestellt und in das Geschehen eingebunden. Gerade der scheinbare Kontrast zwischen dem faschistischen und dem demokratischen, modernen Spanien trägt zur Schaffung einer äußerst dichten Atmosphäre bei.

Die surrealistisch anmutenden Verfremdungen mancher Szenen, die darin mündet, die Gegenwart auf "alt" zu trimmen, ist mehr als nur ein optisches Gimmick: Die Zusammenhänge zwischen längst Geschehenem und dem Aktuellen erschließen sich im Laufe des Filmes auf logische Weise.

„[Rec]“ und „Pans Labyrinth“ im Visier

"Delictum - Im Namen des Herren" überzeugt nicht nur durch das innovative Drehbuch und glaubwürdige Schauspieler, sondern auch dank der flüssigen Kameraführung. Quirogas Horrorthriller stellt sich als würdige Konkurrenz zu den ebenfalls aus seiner Heimat stammenden Filme "[Rec]" und "Pans Labyrinth" heraus.

Wer von fader amerikanischer Einheitskost wie "Final Destination 4" genug hat, sollte diesem kleinen Meisterwerk des Genres eineinhalb Stunden lang seine Konzentration widmen. Verdient hat es sich der originelle, wie auch furchteinflößende "Delictum - Im Namen des Herren" allemal! Nicht nur Hollywood darf sich vor dem nächsten spanischen Horrorwerk bereits jetzt ängstigen …

Originaltitel: "NO-DO"

Regie: Elio Quiroga

Produktionsland und -jahr: Spanien 2009

Filmlänge: ca. 91 Minuten

Verleih: EuroVideo

DVD-Veröffentlichung: 05.11.2009

Autor seit 6 Jahren
837 Seiten
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